Vollmachten: Vorsorge treffen

Selbstbestimmt leben – ein hehres Ziel. Wir wollen eigentlich nicht, dass andere über unser Leben verfügen bzw. scheinbar willkürlich Entscheidungen für uns treffen, weil wir zeitweise oder gar nicht mehr in der Lage sein könnten, es selbst zu tun. Trotzdem sorgen viele nicht rechtzeitig vor, um dies noch bei klarem Verstand vorzugeben. Dabei geht es nicht um Hausrat-, Haftpflicht- oder sonstige Versicherungen: Nein, es geht um Patienten- und Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht – etwas sehr Elementares für Ihre persönliche Vorsorge.

Patientenverfügung

In der Patientenverfügung legen Sie für sich fest, welche medizinische Behandlungen Sie möchten oder ablehnen, wenn Sie durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung in eine gesundheitliche Situation kommen, in der Sie selbst keine Entscheidung mehr treffen können. Die Johanniter empfehlen dringend, zusätzlich zu der Patientenverfügung jener Person noch eine Vorsorgevollmacht zu erteilen, die Ihren Willen umsetzen soll.

Vorsorgevollmacht

Viele Menschen glauben, dass Familienangehörige für sie automatisch eine gesundheitliche Entscheidung treffen oder eine Unterschrift leisten können, wenn sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind. Dies ist falsch, denn auch Kinder und Ehegatten müssten dazu vorher mit einer Vorsorgevollmacht ausgestattet sein. Ansonsten wird gerichtlich ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt. Die Vorsorgevollmacht umfasst vor allem die Gesundheitsfürsorge, Vermögensverwaltung, Regelungen zum Aufenthaltsort (Einweisung Krankenhaus oder Pflegeheim) und das Recht zur Einsicht in die Krankenakten. Mit der Vorsorgevollmacht ist der Bevollmächtigte sofort handlungsfähig.

Zusätzliche Betreuungsverfügung

Liegt im Fall einer Handlungsunfähigkeit keine Vorsorgevollmacht vor, bestellt das Gericht einen rechtlichen Betreuer. Mit der Betreuungsverfügung kann im Voraus festgelegt werden, wen das Gericht als rechtlichen Betreuer benennt. Ohne diese Betreuungsverfügung bestimmt das Betreuungsgericht eine seiner Ansicht nach geeignete (eventuell fremde) Person. Eine Betreuungsverfügung kommt auch dann zur Anwendung, wenn trotz einer bestehenden Vorsorgevollmacht ein bestimmter Bereich der Bevollmächtigung noch nicht abgedeckt ist und dafür ein rechtlicher Vertreter bestimmt werden muss. Insoweit ist eine zusätzliche Betreuungsverfügung empfehlenswert.

Tipp: Verfügungsausweis im Portemonnaie

Patienten-, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht sind umfangreiche Dokumente, die wir normalerweise nicht dabei haben. Damit in einem Notfall Informationen vorliegen, dass Sie vorgesorgt haben, empfehlen die Johanniter einen Verfügungsausweis bei sich zu tragen – wie Sie auch den Personalausweis, die Krankenkassenkarte oder den Führerschein mit sich führen.