Mal über den Tellerrand geschaut

Hildesheim/Auckland, 09. Januar 2018

Im neuseeländischen Auckland blickte Johanniter Carsten Schulte in der „St. John Ambulance“ in die Arbeitsabläufe eines ausländischen Rettungsdienstes.

Auf und davon: Johanniter Carsten Schulte machte während seiner Rundreise durch Neuseeland Halt in der St. John Ambulance in Auckland.

Foto: Schulte

Im November 2017 erfüllte sich Rettungsassistent Carsten Schulte aus dem Ortsverband Hildesheim einen langgehegten Traum: Eine Reise nach Neuseeland.

In einer TV-Dokumentation erfuhr der 30-Jährige von der „St. John Ambulance“, einer Schwestern-organisation der Johanniter, die in Auckland Rettungsdienst fährt. Bevor Schulte vier Wochen lang mit Sack und Pack auf große Sightseeingtour auf der Insel am Südwestpazifik ging, entschied er dort Halt zu machen und den Kollegen im Alltagsgeschäft über die Schulter zu schauen.

Viel Zeit ließ er nicht verstreichen und nahm persönlich Kontakt mit dem Rettungsdienst in Auckland auf. „Es dauerte nicht lange und ich hatte eine Antwort im Postfach“, erzählt der Johanniter. „Ich musste nur noch entscheiden, in welcher Wache ich hospitieren möchte.“ Da sich die beruflichen Qualifikationen von Land zu Land unterscheiden, wurde ihm das Angebot gemacht, als sogenannter „Visitor“ im Rettungsdienst mitzufahren. Die „Paramedics“, die ausgebildeten Rettungsdienstler im Ausland, sind höher qualifiziert und befugt, mehr medizinische Maßnahmen am Unfallort vorzunehmen, als die Rettungsdienstler in Deutschland. „Daher fahren dort auch keine Notfallärzte zum Unfallort“, erklärt Schulte.

Mit viel Euphorie und großer Neugier trat er am 8. und am 9. November seinen Dienst endlich an. Freundlich wurde er vom Team empfangen und begrüßt - und Patches, die jeweiligen Ärmelaufnäher, ausgetauscht. Gleich am ersten Tag standen fünf Einsätze auf dem Programm der Rettungsdienstler. Wie auch hier in Deutschland werden die Mitarbeiter mit einem Melder über einen bevorstehenden Einsatz informiert, mehr Infos werden auf Tablets gespielt, die jeder Mitarbeiter in den Einsätzen mitnimmt. Bei einer Alarmierung bleibt der Disponent so lange am Telefon, bis die Einsatzkräfte am Unfallort eintreffen und übermittelt im Vorfeld hilfreiche Informationen an die Fahrzeugbesatzung. „Somit kann zum Beispiel bereits im Voraus eine Anamnese gemacht werden." Zwar durfte er selbst nicht direkt mitanpacken, aber unterstützend helfen, wenn eine Trage oder sonstiges Material am Ort des Geschehens benötigt wurden.

Eine weitere Besonderheit, die in Auckland genutzt wird: Zur besseren Ortsfindung wurden die Rechte von Facebook und Whats App gekauft, damit der Standort nach einem Unfall direkt per Handy übermittelt werden kann. Auch in der Fahrzeugausstattung sprangen ihm Unterschiede ins Auge. „Hier gilt das Zweitragensystem für einen potentiellen zweiten Patienten und es gibt einen Betreuerstuhl.“ In Deutschland hingegen wird mit einer Trage gearbeitet und mit drei Betreuerstühlen. „Im Fahrzeug selbst gibt es sogar einen Durchgang vom Patientenraum zur Fahrerkabine“, erzählt Schulte weiter.

Auch Tag zwei begann zügig – ein älterer Herr musste nach einem Sturzgeschehen versorgt und eigentlich ins Krankenhaus transportiert werden. Endstation war zu Schultes Verwunderung jedoch kein übliches Hospital, sondern ein sogenanntes „Medical Center“, ein Behandlungsraum für kleinere Notfälle. „Hier waren dann zum Beispiel häufig Chirurgen gemeinsam mit Radiologen vor Ort, um zu behandeln“, erklärt Schulte.

Seine Erwartungen an seine zweitätige Hospitation wurden mehr als nur erfüllt. „Sie wurden übertroffen“, blickt er begeistert zurück. „Ein besonderes Privileg war, mit einem aufgeschlossenen Team zusammenzuarbeiten, das mich wirklich herzlich aufgenommen hat.“ Am Abend wurde gemeinsam der Grill angeworfen und sich über Parallelen und Unterschiede im Rettungsdienst ausgetauscht.

Und warum gerade Neuseeland? Die berühmte Verfilmung der Trilogie „Herr der Ringe“ war der ausschlaggebende Punkt, denn Neuseeland war Schauplatz des oscarprämierten Kinoklassikers. „Seitdem hat mich das Land nicht mehr losgelassen“, gibt Schulte zu. Nach seiner Stippvisite in Auckland ging es dann weiter mit dem Auto über Wellington, Christchurch und Queenstown in die sagenumwobenen Nationalparks. Eine Erfahrung, von der Schulte ein Leben lang zehren kann.