Johanniter bereiten sich auf Terrorlagen vor

Greiber/Fotos: Heilmann/Greiber. Fotos Drohne: Rempe - Aurich, 27. November 2016

„Die Zahl der Schädigungen durch die Weitergabe großer Mengen kinetischer Energie steigt in Europa und wird auch in Deutschland steigen.“ Was Jan Lutz, Fachbereichsleiter Offshore Rettung im Ortsverband Stedingen der Johanniter-Unfall-Hilfe, in seinem Workshop während des Fortbildungswochenendes der Regionalbereitschaft Weser-Ems so elegant umschreibt, heißt nichts anderes als: Rettungskräfte werden zunehmend Opfer von Terroranschlägen zu versorgen haben. Diese so genannte Taktische Einsatzmedizin ist eine neue Herausforderung. „Es geht darum, schwere Blutungen bei einer großen Anzahl von Personen in kurzer Zeit zu stoppen“, erklärt Jan Lutz. Vorgeführt werden ein Tourniquet genanntes Abbindesystem und das Tamponieren von tiefen Wunden mithilfe von Binden. „Immer rein damit, bis nichts mehr rein passt und die Blutung gestoppt ist“, erklärt Jan Lutz. Die Sanitäter können das Gelernte gleich üben – an Schweinshaxen, in die die Trainer tiefe „Wunden“ geschnitten hatten. Mit dem Fingern drückten die Kursteilnehmer Rolle um Rolle Verbandmaterial in das Fleisch. „Tut das nicht weh?“, fragte ein Teilnehmer besorgt. Bei derart schweren Wunden schalte das Gehirn den Schmerz aus, beruhigte Jan Lutz. Und außerdem: „Ich will ihm das Leben retten. Und nicht sein Freund werden.“

Der Kurs „Präklinischer Einsatz von Hämostyptika und Tourniquet“ war einer von zwölf Workshops und sechs Vorträgen, unter denen die rund 150 Teilnehmer des Fortbildungswochenendes auf dem Gelände der Johanniter-Notunterkunft Aurich auswählen konnten. Die Organisatoren haben ein umfang- und abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt. „Wir wollten für jeden je nach Verwendung und Interesse ein Angebot vorhalten“, erklärt Marcel Colter, stellvertretender Regionalbereitschaftsführer der Johanniter-Unfall-Hilfe in Weser-Ems und Organisator des Fortbildungswochenendes. Weitere Kurse waren unter anderem Einsatz von Spontanhelfern, der Feuerwehrführerschein, Aufbau der Feldküche, Fahren im Marschverband, Führen von Lagekarten, Erstellen von Funkplänen, Aufbau, Aufgaben und Betrieb eines Bereitstellungsraums und Verwendung von GPS-Geräten im Rettungshundeeinsatz. Der gastgebende Ortsverband Aurich stellte seine Sanitätsreiterstaffel und die Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen (SRHT, kurz Höhenrettung) vor.

Die Teilnehmer kamen aus den 20 Ortsverbänden der Johanniter-Unfall-Hilfe in Weser-Ems und sind Teil der ehrenamtlichen Regionalbereitschaft, die im Katastrophenfall und bei Großveranstaltungen zum Einsatz kommt. „Das Funktionieren so großer Einheiten ist wichtig für den reibungslosen Ablauf im Einsatzfall“, erklärt Regionalbereitschaftsführer Martin Hilse. Das sei nur durch ständige Fortbildungen und regelmäßigen Austausch gewährleistet. „Wir sind sehr froh, dass wir hier in Aurich ideale Bedingungen vorgefunden haben, um ein so umfangreiches Wochenende durchzuführen.“ Den Abschluss des Wochenendes bildete ein Gottesdienst in der Kapelle der Notunterkunft mit der Auricher Ortsverbandspastorin Cathrin Meenken und Ines Meenken an der Harfe. Während des Gottesdienstes wurde Sven Köster vom Ortsverband Delmenhorst zum Zugführer der Regionalbereitschaft ernannt und das neue Fahrzeug der Höhenrettung offiziell in Dienst gestellt und seine Besatzung gesegnet.

Hintergrund zur Mission Bevölkerungsschutz

Um auch in Zukunft den Herausforderungen im Bevölkerungsschutz gewachsen zu sein, haben die Johanniter im November die Kampagne "Helden bitte melden" gestartet. Ziel ist es, Menschen für ein Ehrenamt im Bevölkerungsschutz zu begeistern und  neue Helfer zu finden. Infos unter www.helden-bitte-melden.de.

Für Journalisten, Politiker und alle anderen Interessierten am Thema "Mission Bevölkerungsschutz" haben die Johanniter eine Internetseite geschaffen, die unter www.mission-bevoelkerungsschutz.deerreichbar ist.