Mehr als 1000 Patienten im zerstörten Ormoc behandelt

Stefan Greiber - Ahlhorn/Ormoc, 12. Dezember 2013

Dr. Helmut Schühle berichtet von seinem Einsatz auf den Philippinen

Dr. Helmut Schühle behandelte bei seinem Einsatz mit den Johannitern in Ormoc mehr als 1000 Patienten in acht Tagen.

 

Als Ende vergangener Woche der Alltag in Norddeutschland einen Augenblick still stand und die Menschen der Küstenländer angstvoll auf das Satellitenbild starrten, peitschten einige Medien den Orkan Xaver zur Katastrophe hoch. Am Ende aber blieb es zum Glück überwiegend bei ein paar entwurzelten Bäumen. Dr. Helmut Schühle konnte angesichts der allgemeinen Katastrophenstimmung nur mit dem Kopf schütteln. Er war nur wenige Stunden zuvor aus dem vom Taifun Haiyan fast vollkommen zerstörten Ormoc auf den Philippinen zurückgekehrt, hatte dort als Mitglied des Medical Emergency Response Teams II (MERT) der Johanniter-Unfall-Hilfe verletzten und erkrankten Menschen Nothilfe geleistet. „Wenn man so etwas sieht, bekommt man ein anderes Verhältnis zum Begriff ‚Katastrophe‘“, erzählt er jetzt.

 

Mehr als 1000 Patienten hatte Dr. Schühle in den acht Tagen seines Aufenthaltes behandelt. Als Praxis diente eine zerstörte Kirche. „Das Dach war weg, und die Glocke hing an einem Balken über uns“, erzählt er. Ständig haben er und die anderen sechs Johanniter des Teams sorgenvoll nach oben geblickt. „Aber die einheimischen Helfer der lokalen Partnerorganisation Balay Mindanao Foundation (BMFI) haben uns versichert, dass alles sicher sei.“ Die meisten der Patienten, darunter sehr viele Kinder, litten unter Erkältungskrankheiten. „Normalerweise ist das kein Problem, aber weil die meisten ohne Obdach waren und es ständig wie aus Eimer geregnet hatte, drohten sich die Erkältungen zu verschlimmern“, berichtet er.

 

Seine Hauptaufgabe bestand vor allem darin festzustellen, dass es keine schlimmere Erkrankung war. Die Notfälle bat er darum, das nächste Krankenhaus aufzusuchen. Eine Bitte, der leider kaum nachgekommen wurde. „Wir boten sogar an, sie mit unserem Auto hinzufahren. Aber die meisten können sich keine Behandlung leisten oder wussten nicht, wie sie später wieder zurückkommen können.“ Ein Gesundheitssystem in Deutschland gibt es nicht, niemand ist krankenversichert. Die meisten Patienten waren so arm, dass sie höchstens einmal im Jahr einen Arzt zu Gesicht bekamen. Da war die kostenlose Hilfe des Arztes aus Deutschland hochwillkommen. Mit dabei hatten die Johanniter zudem 15 portable Wasseraufbereitungsanlagen, kurz „Paul“ genannt. Jede ist kinderleicht zu bedienen und kann pro Tage bis zu 1200 Wasser filtern und trinkbar machen. Gespendet worden waren die Pauls vom Lions-Club. „Sauberes Trinkwasser war ein großes Problem. Wir konnten da sehr gut helfen“, sagt Dr. Schühle. Er selber trank vor den Menschen das erste Glas, damit in der Bevölkerung das Misstrauen gegen das Gerät abgebaut wurde.

 

In Ormoc, einer Stadt im Osten der philippinischen Inselgruppe Visayas, hatte Haiyan in den Slums mehr als 95 Prozent der Hütten zerstört, von den festeren Bauten in der Innenstadt standen oft nur noch die Mauern. Die Dächer waren zumeist abgedeckt. Das MERT der Johanniter, neben Notarzt Dr. Schühle Rettungsassistenten und Logistiker, war in einem Hotel untergebracht, in dem immerhin das Erdgeschoss noch bewohnbar war. „Eigentlich ganz komfortabel. Wir hatten sogar Strom“, berichtet der 69-Jährige, der eine Praxis in Ganderkesee hatte und Mitglied des Ortsverbandes Ahlhorn der Johanniter-Unfall-Hilfe ist. 2010 war er nach dem Erdbeben in Haiti im Einsatz. Die Bedingungen waren dort deutlich schlechter, die Verletzungen sehr viel schlimmer. Die Johanniter-Ärzte mussten Amputationen durchführen, einige Patienten starben auch. Aber weder der medizinische Teil noch die psychische Belastung seien für Dr. Schühle das Problem. „Ich bin viele Jahre als Notarzt gefahren und so einiges gewohnt.“ Aber das schwüle Klima und die Hitze haben ihm zu schaffen gemacht. Doch obwohl er bald 70 wird, will er im Notfall wieder in den Einsatz gehen, wenn die Johanniter-Unfall-Hilfe ihn rufe. „Die Dankbarkeit der Menschen und auch den Willen der Philippiner, trotz der Katastrophe ihr Land wieder aufzubauen, haben mich sehr beeindruckt.“ Als Erinnerung hat er ein T-Shirt mitgebracht. „Bangon Ormoc“ steht darauf: „Steh auf, Ormoc“.

 

Spenden Sie jetzt!

Die Johanniter sind Mitglied im Spendenbündnis Aktion Deutschland Hilft und rufen gemeinsam zu Spenden auf:

Aktion Deutschland Hilft:
Stichwort: Taifun Haiyan
Spendenkonto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
oder Online: www.aktion-deutschland-hilft.de

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Stichwort: Taifun Haiyan
Spendenkonto: 8888, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
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oder Online: www.johanniter-helfen.de