Hubschrauber-Einsatz beim Sanitätsdienst in Stemwede

Weser-Ems, 22. August 2013

Text und Fotos: Stefan Greiber

Fotos Rettungshubschrauber (2): Daniel Borchers, Malteser Wildeshausen

Johanniter leisten bei 227 Patienten Hilfe – Verdacht auf Schädelhirn-Trauma

Ein insgesamt positives Fazit zog die Regionalbereitschaft Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe vom Großeinsatz beim 37. Open Air-Festival beim Nordrhein-Westfälischen Stemwede. Obwohl die Besucherzahl deutlich über den Prognosen lag und entsprechend viele Einsätze geleistet werden mussten, gab es kaum Störungen im Einsatzablauf. Insgesamt benötigten 227 Patienten Hilfe, davon konnten 201 ambulant versorgt werden. 25 Patienten wurden mit einem der Rettungs- oder Krankenwagen in ein Krankenhaus der Umgebung gebracht. „Meistens handelte es sich um Gesichtsverletzungen, die beim Tanzen im Gedränge vor den Bühnen entstanden, und um Knöchelverlet-zungen aufgrund des unebenen Geländes“, sagt Dr. Christian Barthel, Notarzt des Orts-verbandes Garrel, der die Schicht am Samstagabend übernommen hatte. Weitere typische Krankheitsbilder waren Reaktionen auf Insektenstiche sowie Kreislaufbeschwerden aufgrund von Schlafmangel und unzureichender Flüssigkeitszufuhr.

Ein junger Mann musste mit dem Rettungshubschrauber abgeholt werden. „Bei dem Patienten lag ein Schädelhirn-Trauma vor. Wir mussten schnell handeln“, erklärt Notarzt Markus Wedemeyer (Nordenham). Der Patient musste intubiert und künstlich beatmet werden. Weiter gab es mehrere Krampfanfälle mit Notarzteinsatz auf dem Campingplatz und einen Mann mit einer schweren Psychose. „Wir hatten ihn nur mit Mühe ruhig stellen können“, sagt Dr. Barthel. Kira Schwellenthin, Ärztin und aktiv im Ortsverband Oldenburg, hatte bei einem Mann mittleren Alters einen Verdacht auf Herzinfarkt festgestellt. Trotz intensiven Zuredens der Ärztin war er nicht bereit, sich im Krankenhaus untersuchen zu lassen, und kehrte aufs Festivalgelände zurück. „Er ist ein erwachsener Mann. Zwingen können und dürfen wir ihn zu nichts“, erklärt Schwellenthin.

„Durch das gute Wetter vor allem an Freitag waren deutlich mehr Besucher gekommen als erwartet“, berichtet Regionalbereitschaftsführer Martin Hilse (Ahlhorn), der die Gesamteinsatzleitung für den Sanitätsdienst übernommen hatte. Insgesamt waren nach Schätzungen der Veranstalter mehr als 10.500 Besucher gekommen. „Bei Festivals, bei denen keine Eintrittskarten verkauft werden, ist es immer schwierig einzuschätzen“, betont Hilse.

Mit dabei waren insgesamt rund 80 Sanitäter aus Ahlhorn, Delmenhorst, Garrel, Lingen, Nordenham, Oldenburg, Osnabrück und Wilhelmshaven sowie vom Regionalverband Minden-Ravensberg der Johanniter-Unfall-Hilfe. Unterstützt wurden die Johanniter vom Malteser-Hilfsdienst aus Wildeshausen sowie dem Regelrettungsdienst. „Es war ein anstrengender Dienst für uns alle“, sagt Hilse. Bei fast 230 Patienten kam nie Langeweile auf. Hilse lobte ausdrücklich die ruhige und professionelle Arbeitsweise der Sanitäter und die hervorragende Zusammenarbeit mit Veranstalter, Anwohnern, Sicherheitsdienst, Feu-erwehr, Polizei und Behörden. Auch mit den Festivalbesuchern habe es, trotz oft übermäßigen Alkoholgenusses, keine Probleme gegeben. „Knapp 230 Besucher durften wir ja nun auch persönlich kennenlernen, auch wenn sich vielleicht so mancher nicht mehr an uns erinnern kann“, sagt Hilse.

Und dann gab es noch eine sehr nette Begegnung. Julia B. war im vergangenen Jahr ebenfalls beim Stemweder Open Air Festival dabei und erlitt einen Herzstillstand. Durch die schnelle und entschlossene Hilfe der Johanniter konnte die damals schwangere Frau reanimiert und sogar das Baby gerettet werden. Beide sind gesund und haben keinerlei Folgeschäden. Julia B. besuchte jetzt mit ihrem Kind und ihrem Ehemann die Johanniter am Sanitätsstand und bedankte sich noch einem herzlich für die Lebensrettung.