Erfolgsgeschichte startet im Keller eines Einfamilienhauses

Stefan Greiber - Oldenburg, 19. Oktober 2017

Als sich am Nikolaustag, dem 6. Dezember 1960, eine Gruppe Männer im Hotel Deus am Bahnhofsplatz in Oldenburg trafen, ahnten sie nicht, dass sie dabei waren den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte zu legen. Auf Initiative des damaligen Landesbischofs der evangelisch-lutherischen Kirche Oldenburg, Dr. Gerhard Jacobi, wurde der Ortsverband Oldenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe gegründet. Die erste Dienststelle befand sich im Keller des Privathauses des ersten Ortsbeauftragten Joachim Engelmann. Eine Gruppe engagierter junger Frauen und Männer schwärmte von dort mit einer gut erhaltenen, aber gebrauchten Helfertasche und einer Krankentrage aus, um anderen Menschen zu helfen. Der Ortsverband wuchs schnell. Und da die Räumlichkeiten im Keller von Joachim Engelmann nicht mitwachsen konnten, mussten sich die Johanniter mehrfach neue, immer größere Dienststellen suchen. Seit genau 25 Jahren sind sie an der Industriestraße 1 im Dienstleistungs- und Innovationszentrum Alte Fleiwa ansässig.

Nach dem Start im Keller und später zusätzlich in einem Anbau im Erdgeschoss des Hauses der Familie Engelmann zogen die Johanniter 1973 in ihre erste richtige Dienststelle an der Alexanderstraße 25 um. Auch dort wurde es recht bald zu eng, doch es dauerte weitere zehn Jahre, bis 1983 der Ortsverband an die Humboldtstraße 38 wechselte. Einige Bereiche wurden zum Haseler Weg 14 ausgelagert. Das Hin und Her zwischen den Dienststellen erwies sich aber als sehr problematisch, zumal der Fuhrpark von 1980 bis 1990 von vier auf 16 Fahrzeuge angewachsen war. „Wir waren ständig damit beschäftigt, Fahrzeuge und Material durch die Stadt zu fahren“, erinnert sich Hans-Ulrich Diers, damals Ortsbeauftragter der Johanniter in Oldenburg und später Mitglied des Regionalvorstands. Die Johanniter waren 1975 mit einem eigenen Krankentransportzug in den Katastrophenschutz der Stadt aufgenommen und zudem 1980 an die Leitstelle der Berufsfeuerwehr angeschlossen worden.

Mit dem Umzug an die Alte Fleiwa am 19. Oktober 1992 wurde die unbefriedigende Situation mit den getrennten Dienststellen beendet. Jetzt starteten die Johanniter richtig durch und bekamen sogar noch Zuwachs. Als zum 1. Januar 1995 bundesweit die Regionalverbände als Verwaltungsebene zwischen den Ortsverbänden und den Landesverbänden eingeführt wurden, wurde Oldenburg Standort des Regionalverbands Weser-Ems. Der Ortsbeauftragte Diers und der Verwaltungsdezernent für die Ortsverbände Ahlhorn und Oldenburg, Wilfried Barysch, bildeten für die nächsten 20 Jahre den Regionalvorstand. Für die Regionalgeschäftsstelle konnten einige Büroräume der Stadtverwaltung übernommen werden. Ortsverband, Rettungswache und Regionalgeschäftsstelle wuchsen aber immer weiter. Weitere Räume wurden von der Stadt übernommen oder als Anbau auf dem Parkplatz errichtet.

Und wieder mussten Bereiche ausgelagert werden. So befindet sich das Lager des Katastrophenschutzes inzwischen in Tweelbäke, die ambulante Pflege hat eine eigene Dienststelle an der Gartenstraße 26 und der Standort Oldenburg des Kundenservicecenters des Landesverbands Niedersachsen/Bremen wurde 2010 an die Bloherfelder Straße 175 verlegt. Dazu kamen Einrichtungen, die bürgernah an verschiedenen Standorten in Oldenburg errichtet wurden: die Betreuten Wohnanlagen der GSG Oldenburg mit den Johannitern als Betreiber am Bloherfelder Markt und am Osternburger Markt, die Tagespflege „Am Bürgerbusch“ und die benachbarte gleichnamige Kinderkrippe am Scheideweg, die Kinderkrippe „Unter den Eichen“ an der Sandkruger Straße, das Mehrgenerationenhaus von GSG, Stadt Oldenburg und den Johannitern am Güstrower Weg 1a, die Nachbarschaft- und Seniorenberatung „Jonas-Forum“ an der Marburger Straße 19 und viele weitere. „Insgesamt haben wir zurzeit 15 Standorte in Oldenburg sowie mehrere in der näheren Umgebung“, erzählt Stephan Siemer, Dienststellenleiter im Ortsverband Oldenburg. Denn neben den klassischen Leistungsbereichen wie Rettungsdienst, Krankentransport, ambulanter Pflege, Bevölkerungsschutz und Erste-Hilfe-Ausbildung sind viele weitere hinzugekommen.

Ein Ende ist nicht abzusehen, so dass die Räume in der Alten Fleiwa schon wieder zu klein geworden sind. „Wir müssen leider erneut auslagern“, sagt Wilfried Barysch, der zusammen mit Diers die ganze Entwicklung maßgeblich voran gebracht hat. Die Johanniter haben das Gebäude an der Jägerstraße 64-66 gekauft und bauen es zurzeit zu einem Bildungs- und Tagungszentrum um. Dort ziehen die Bildungseinrichtung Weser-Ems, die sich um die fachliche Fort- und Weiterbildung von Rettungskräften und Erste-Hilfe-Trainern kümmert, die Rettungssanitäter-Schule und der Fachbereich Breitenausbildung des Ortsverbands Oldenburg ein. Bereits dort präsent ist die Notfallsanitäter-Schule Weser-Ems, eine staatlich anerkannte Berufsschule für den Ausbildungsberuf des Notfallsanitäters. Der wurde es 2014 vom Gesetzgeber geschaffen, inzwischen büffeln 37 angehende Notfallsanitäter bei den Johannitern.

Die Mitarbeitenden in der Regionalgeschäftsstelle kümmern sich mit ihren Fachbereichen Personal, Buchhaltung, Betriebswirtschaft, Marketing und Kommunikation, Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, IT und vielen mehr heute um 20 Ortsverbände mit 52 Dienststellen, 771 hauptamtlich Mitarbeitenden und mehr als 1400 ehrenamtlich Aktiven, 600 Mitgliedern in der Johanniter-Jugend und 37.000 Fördermitglieder. Neue, innovative Leistungsbereiche wie Forschung & Entwicklung oder die Offshore-Rettung machen den Regionalverband Weser-Ems zu einem der größten bundesweit. Dadurch hat sich auch der Standort Oldenburg personell kräftig entwickelt. Angefangen mit einer Handvoll Ehrenamtlicher im Engelmannschen Keller sind heute fast 300 hauptamtlich am Standort Oldenburg beschäftigt, mehr als 250 engagieren sich ehrenamtlich. Darunter sind viele Mitarbeiter und Helfer, die vor 25 Jahren schon dabei waren, beim Umzug kräftig mit anpackten und sich auch heute noch für die Johanniter engagieren.