Johanniter in Weser-Ems vor großen Veränderungen

Stefan Greiber - Weser-Ems, 30. März 2014

Regionalverband stellt Zahlen und neues Vorstandsmitglied vor

Die Geehrten mit dem Vorstand (von links): Michael Brüntjen, Hans Hunfeld, Kai Müller, Gerda Freese, Wilfried Nebel, Wilfried Barysch, Hans-Ulrich Diers, Markus Wedemeyer, Thomas Lemke, Jürgen Krogmann.

Die Jahrestagung der Leitung des Regionalverbandes Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe begann mit einer Überraschung. Nach 19 Jahren im Amt erklärte Regionalvorstand Hans-Ulrich Diers seinen Rücktritt zum 31. Dezember 2014. „Punkt 23:59 Uhr ist Schluss“, erklärte Diers, der in diesem Jahr seine 50-jährige aktive Mitgliedschaft in der Johanniter-Unfall-Hilfe feiert. Der Nachfolger saß bereits am Tisch. Thomas Lemke, Rechtsanwalt aus Oldenburg und Ehrenritter des Johanniterordens, wird mit Beginn des neuen Jahres Mitglied des Regionalvorstandes. „Für uns ist das schon ein Einschnitt“, sagte Wilfried Barysch, der zusammen mit Diers seit der Gründung des Regionalverbandes 1995 an der Spitze stand. Bereits im November vergangenen Jahres waren die Weichen in Richtung auf den Führungswechsel gestellt worden. Damals rückte der Arzt Markus Wedemeyer als drittes Mitglied in den Vorstand auf.

Zu den ersten Gratulanten zählte der Landtagsabgeordnete Jürgen Krogmann, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Oldenburg und Gast bei der Regionaltagung der Johanniter. „Ich habe selber in der Jugend drei Jahre auf einem Rettungswagen gesessen und weiß, wie wichtig die Arbeit der Johanniter ist“, sagte Krogmann. Besonders die Leistungen, die hinter dem Rettungsdienst auf die Beine gestellt werden, dürfen nicht vergessen werden. Das betreffe den Katastrophenschutz und die Sanitätsdienste, aber auch fachliche Spezialisierungen wie Rettungshundestaffeln und die Höhenrettung. „Das alles können die Kommunen nicht leisten, da sind wir auf Sie angewiesen“, betonte Krogmann. Die Welt sehe anders aus, wenn es Hilfsorganisationen nicht geben würde.

Krogmann und Regionalvorstand Wilfried Barysch führten dann einige Ehrungen durch.  Gerda Freese, Ortsbeauftragte des Ortsverbandes Wittmund, erhielt das Leistungsabzeichen in Silber, ihr Amtskollege vom Ortsverband Aurich, Hans Hunfeld, das Leistungsabzeichen in Gold. Zwei ganz besondere Auszeichnungen gingen nach Osnabrück. Dienststellenleiter Kai Müller bekam das Jubiläumsabzeichen. Er ist seit 1986 Mitglied der Johanniter-Unfall-Hilfe. Noch deutlich länger ist Ortsbeauftragter Wilfried Nebel dabei. Er trat am 15. November 1967 ein und erhielt für 40-jährige Mitgliedschaft eine wertvolle Uhr als Anerkennung. „Eigentlich bist du schon viel länger als 40 Jahre dabei, aber da gab es die Auszeichnung noch gar nicht“, sagte Barysch. „Das wollten wir deshalb jetzt nachholen.“ Zudem wurde Michael Brüntjen zum Ortsbeauftragten des Ortsverbandes Garrel ernannt. Bisher übte er dieses Amt nur kommissarisch aus.

Anschließend stellte Barysch die wesentliche Ereignisse des vergangenen Jahres sowie einen Ausblick auf 2014 vor. „Es war wieder richtig was los bei uns“, leitete er seinen Vortrag ein. Herausragend seien sicherlich die Einweihung der Tagespflege-Einrichtung „Die Muschel“ in Wilhelmshaven und des Kinderhorts in an der St. Peter-/Hohlbein-Schule in Wildeshausen. „Das hat uns schon geärgert, dass die Johanniter bundesweit mehr als 250 Kindergärten und ähnliches betreiben, aber wir hier in Weser-Ems noch keinen hatten.“ Diese Lücke sei jetzt geschlossen worden.

Eine Lücke in der medizinischen Versorgung von Arbeitern auf Windkraftanlagen auf Hoher See wurde mit der Gründung der medizinischen Leitstelle für Offshore-Rettung Ventusmedic im Ortsverband Stedingen in Berne im Oktober 2013 geschlossen. Dort werden Notrufe von Offshore-Windkraftanlagen und Errichterplattformen angenommen, bearbeitet und gegebenenfalls der Offshore-Rettungshubschrauber alarmiert. Das besondere ist, dass die Johanniter das rettungsdienstliche Personal für den Offshore- und den Ambulanzhubschrauber des Partners NorthernHelicopter (NHC) in Emden stellen. Beide sind Teil des Netzwerkes WINDEAcare, an dem auch die Firma Windea sowie das Klinikum Oldenburg beteiligt sind. NHC stellt das fliegerische Personal.

Auch die Zahlen können sich sehen lassen. Im Regionalverband wurden 2013 20.209 Menschen in Erster Hilfe ausgebildet, der Rettungsdienst rückte 12.173 Mal aus, im qualifizierten Krankentransport gab es 11.489 Einsätze. Die sozialen Dienstleistungen entwickelten sich ebenfalls weiter. So gibt es in Weser-Ems inzwischen 3726 Hausnotruf-Teilnehmer. Die 939 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer leisteten insgesamt 137.389 ehrenamtliche Dienststunden, unter anderem während 658 Sanitätsdiensten. Die größten waren die Einsätze beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag, beim Tag der offenen Tür beim Jagdgeschwader 71 Richthofen in Wittmund und beim Open Air Festival im nordrhein-westfälischen Stemwede. Bei allen Diensten waren Helfer aus dem gesamten Regionalverband dabei. 36.583 Fördermitglieder unterstützen den Regionalverband, 549 Kinder und Jugendliche engagieren sich in der Johanniter-Jugend und 520 hauptamtliche Mitarbeiter werden beschäftigt.

Viel vorgenommen haben sich die Johanniter auch für 2014. Die Einweihung der Betreuten Wohnanlage zusammen mit der GSG in Oldenburg an der Bremer Straße ist bereits erfolgt, die Wohnungen sind fast komplett vermietet. Anfang März startete auch die Tagespflege „Am Bürgerbusch“ ebenfalls in Oldenburg. Eine weitere Betreute Wohnanlage haben die Johanniter in Vechta übernommen, im Sommer wird mit der Kinderkrippe am Scheideweg die zweite Einrichtung für Kinder im Regionalverband eröffnet. „Da freuen wir uns jetzt schon drauf“, betonte Barysch. Der Regionalverband Weser-Ems umfasst das gesamte Gebiet des ehemaligen, gleichnamigen Regierungsbezirks. Dazu zählen 20 Ortsverbände mit insgesamt 37 Dienststellen.