Stimmung gut bei 50.000 Menschen

Johanniter/Fotos: Kai Ole Petersen - Oldenburg, 09. Mai 2017

Für etwa 50.000 Menschen in Hannover hieß es am Sonntagmorgen: Wohnung oder Haus verlassen, sich irgendwie die Zeit vertreiben und hoffen, dass die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen (KBD) erfolgreich und unbeschadet ihren Job machen. Es war die größte Bombenevakuierungen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. In der Evakuierungszone in den Stadtteilen Vahrenwald, List und Nordstadt lagen auch sieben Alten- und Pflegeheime und eine Klinik. Um dieses Mammutprojekt zu stemmen, waren 500 Johanniter mit mehr als 100 Transportfahrzeugen aus dem gesamten Landesverband Niedersachsen/Bremen angereist. Aus dem Regionalverband Weser-Ems waren 75 Ehrenamtliche aus den Ortsverbänden Ahlhorn, Aurich, Delmenhorst, Emden, Garrel Jeverland, Lingen, Nordenham, Oldenburg, Osnabrück, Varel, Wiesmoor und Wilhelmshaven am Einsatz beteiligt. Sie unterstützten mit weiteren Kräften und Fahrzeugen von THW, DLRG, Maltesern, DRK, ASB und privaten Rettungsdienstanbietern die Polizei und die Berufsfeuerwehr Hannover, die den Großeinsatz leitete. „Die Stimmung war bei den Helfern wie auch bei den evakuierten Bürgern in den Betreuungsstellen gut“, sagte Stefan Onken, Zugführer im Ortsverband Nordenham, der zusammen mit Torsten Dallmeyer vom Ortsverband Oldenburg den Einsatz der Helfer aus Weser-Ems vorbereitet hatte. Insgesamt wurden weniger Transporte durchgeführt als ursprünglich geplant, da viele Menschen das schöne Wetter genutzt hatten, um einen Ausflug zu machen und nicht die Betreuungsstellen aufzusuchen.

Die Johanniter waren für fünf Betreuungsstellen in Vahrenwald verantwortlich. Bereits die Tage zuvor bereiteten sich die Einsatzkräfte auf die große Aufgabe vor. Von Feldbetten, Tischen und Bänken über Konserven, Getränke, Besteck bis hin zu Tischdecken wurde alles für die Versorgung und Betreuung der Bevölkerung vorbereitet und bereits am Samstag vor der großen Bombenräumung in den zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten aufgebaut. An der IGS Büssingweg und der Herschelschule gaben die ehrenamtlichen Helfer aus dem Regionalverband Niedersachsen Mitte den Menschen aus den betroffenen Stadtteilen einen temporären Unterschlupf. In jeder dieser vier Schulen wurde eigens eine Sanitätsstation eingerichtet. Neben der medizinischen Versorgung und dem leiblichen Wohl kümmerten sich die Johanniter auch um die Sorgen und Ängste der Evakuierten. Um es den Kindern in den Unterkünften so angenehm wie möglich zu machen, waren unter anderem in den Betreuungsstellen Büssingweg auch Erzieher aus den Johanniter-Kindertagesstätten und sorgten für Spiel, Spaß und ausreichend Unterhaltung. Als weitere Unterkunft diente die Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen, die von Helfern aus dem Regionalverband Weser-Ems betreut wurde. Eines der beiden Transportzentren war auf dem Parkplatz der Johanniter-Unfall-Hilfe am Kabelkamp direkt hinter dem Veranstaltungszentrum Wasserturm eingerichtet.

Grund für eine der größten Evakuierungsaktionen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg waren Bombenfunde auf einem Baugrundstück im Stadtteil Vahrenwald. Zunächst vermuteten die Behörden an 13 und nach näheren Untersuchungen schließlich an fünf Stellen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwei der Verdachtspunkte entpuppten sich jedoch als Metallschrott, an drei verdächtigen Orten hatten Kampfmittelexperten allerdings bis zum Nachmittag zwei britische Fünf-Zentner-Bomben und eine Zehn-Zentner-Bombe gefunden. Bei einer dieser Fünf-Zentner-Bomben war der Zünder so stark beschädigt, dass der Blindgänger nicht manuell entschärft werden konnte und hier ein Wasserstrahlschneidgerät zum Einsatz kam. Gegen 18 Uhr hieß es für die betroffenen Bewohner schließlich: „Sicherheit aufgehoben“ – und somit zurück ins eigene Heim. Für die ehrenamtlichen Helfer bedeutete das Signal Abbau, damit Lehrer und Schüler am Montagmorgen ihre Klassenzimmer wieder so vorfinden, wie sie diese am Freitag verlassen hatten.