Flüchtlingskinder erhalten Ranzen

Antje Heilmann - Aurich, 24. April 2016

Schulpflicht beginnt bei Auszug aus der Johanniter-Notunterkunft

Los geht's: Mit den neuen Ranzen auf dem Rücken verlassen die Kinder die Notunterkunft - den ersten Schultag haben sie schon vor Augen.
Foto: Tanja Preißing

Auszug aus der Notunterkunft: In Taschen und Tüten befindet sich das Hab und Gut der Flüchtlingsfamilie, die im Landkreis Aurich ein Zuhause zugewiesen bekommen hat.
Foto: Tanja Preißing

Endlich in die Schule – das ist der Wunsch von Kindern aus Flüchtlingsfamilien. In Erfüllung geht er, wenn sie die Notunterkunft Aurich verlassen. Denn dann beginnt die Schulpflicht. Zum Abschied erhalten die Kinder deshalb einen der Schulranzen, die bei der Aktion „30 Tage, 30 Ranzen“ der Lamberti-Kirchengemeinde, Subkommende Ostfriesland-Wilhelmshaven des Johanniterordens und des Ortsverbandes Aurich der Johanniter-Unfall-Hilfe gesammelt wurden. Verteilt werden die Spenden aber nicht nur in der Notunterkunft, sondern auch an Schulen, die Bedarf für Flüchtlingskinder haben.

„Die Kinder freuen sich sehr über die Ranzen“, sagt Antje Heilmann, Einrichtungsleiterin der Johanniter-Notunterkunft Aurich. „Es ist ein Rucksack voller Hoffnung auf ein normales Leben und eine sichere Zukunft.“ Schule, das ist für die meisten nur noch eine Erinnerung. In der Heimat der Kinder, die überwiegend aus Syrien und Afghanistan stammen, gab es keinen oder nur noch eingeschränkten Unterricht. Die Flucht nach Deutschland dauerte oft Monate.

In der offenen Kinder- und Jugendbetreuung der Notunterkunft bieten die Johanniter auch Unterricht an – ein geregelter Schulbetrieb kann jedoch nicht gewährleistet werden. „Gemeinsam wird Deutsch gelernt“, sagt Antje Heilmann. „Auch Lektionen in den Naturwissenschaften gehören dazu.“ Einblicke in die Geschichte bekommen die jungen Migranten bei Ausflügen ins Museum. Eingebettet ist das Lehrprogramm in die offene Kinder- und Jugendarbeit, die die Johanniter in der Notunterkunft anbieten. Fünf Tage die Woche wird der Nachwuchs dort von Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Diplom-Pädagogen betreut. „Uns ist es wichtig, dass den Jüngsten eine geschützte Umgebung zur Verfügung steht, wo sie pädagogisch begleitet zur Ruhe kommen können“, sagt Antje Heilmann. Gruppen für drei Altersgruppen wurden deshalb gebildet. In denen wird gespielt, gemalt, gebastelt, gesungen – und eben auch gelernt. Am Vortag ihrer Abreise aus der Notunterkunft erhalten dann alle Kinder im schulpflichtigen Alter einen Ranzen. „Bei allem Abschiedsschmerz löst der Ranzen immer eine große Freude aus“, sagt Antje Heilmann. Mit viel Neugier werde der Inhalt in Augenschein genommen. Gefüllte Federtaschen, Schreibheft und –blöcke, Lineal, Geodreieck, Tuschkasten, Textmarker, Füller, aber auch Taschenrechner sind Vorboten für die kommende Schulbildung.

„Bei allen Spendern möchten wir uns herzlich bedanken“, sagt Antje Heilmann. „Mit den Schulranzen wird den Kindern eine große Hoffnung geschenkt.“

Verteilt werden Schulranzen aus der Aktion „30 Tage, 30 Ranzen“ jedoch nicht nur in der Notunterkunft. Bei Bedarf werden sie auch an Schulleitungen abgegeben. Die Verteilung erfolgt über das Regionale Pädagogische Zentrum (RPZ). Schulen können sich melden unter Telefon 04941 1799-46 oder -48.