Letzte Bewohnerin verlässt Notunterkunft

Antje Heilmann - Aurich, 18. November 2016

Ein letztes „Tschüss“: Die Johanniter Holger Pünter und Shahab Njian (v.l.) verabschieden sich gemeinsam mit (v.r.) Markus Demuth, Jehad Murad und Souraya Ayache von Fatima Samsam, die heute als letzte Bewohnerin die Notunterkunft Aurich verließ.
Bildnachweis: Johanniter/Antje Heilmann

Ein letztes Mal hieß es Abschied nehmen in der Johanniter-Notunterkunft Aurich: Mit dem heutigen Tag schließt die Einrichtung, die Platz für mehr als 1000 Schutzsuchende geboten hatte. Die verbliebenen Bewohner aus Herkunftsländern wie Albanien, Serbien und Marokko waren in den vergangenen Monaten kommunal zugewiesen worden oder hatten die freiwillige Reise in ihre Heimat beantragt. Für die Johanniter beginnt nun der Rückbau der Einrichtung. Innerhalb von vier Wochen müssen die Gebäude ausgeräumt werden und das Material, das überwiegend Eigentum des Landes Niedersachsens ist, in ein Zentrallager in Garbsen bei Hannover transportiert werden.

Worte des Dankes
„Natürlich ist der heutige Tag ein besonderer“, sagt Johanniter-Einrichtungsleiterin Antje Heilmann. „Mit der Abreise der letzten Bewohner ist die Schließung zum Greifen nahe.“ Worte des Dankes fand Fatima Samsam, die als Letzte heute das Camp verließ. „Ich hatte hier eine gute Zeit“, sagte sie, „und habe viel gelernt. Dafür bin ich euch dankbar.“

Betrieb mit umfassender Betreuung
Die Notunterkunft Aurich hatte im Dezember 2015 erstmals Flüchtlinge aufgenommen. Menschen aus 18 Nationen fanden in der Einrichtung der Johanniter Schutz und Obdach. Und nicht nur das: Die Hilfsorganisation schuf auf dem Gelände der ehemaligen Blücher-Kaserne eine umfassende Betreuung. Kinder und Jugendlichen wurden durch die Pädagoginnen der Einrichtung aufgefangen und unterstützt. Bereits kurz nach der Ankunft konnte mit Sprachkursen auf verschiedenen Niveaus begonnen werden. Darüber hinaus standen die Türen zum Teehaus und Frauencafé als Orte der Begegnung, Nähstube, Kleiderkammer, Drogerie offen. Sogar ein Verkehrslernkonzept mit Fahrradwerkstatt war entstanden. Viele Sportvereine öffneten ihre Angebot für die Bewohner in der Notunterkunft Aurich oder schufen eigene auf dem Gelände. „Es ist beeindruckend, was innerhalb nur eines Jahres entstanden ist“, sagt Antje Heilmann. „Wir sind den Bürgerinnen und Bürgern in Aurich, aber auch der Stadt und dem Landkreis dankbar für die Unterstützung. Für unsere Vorhaben haben wir immer ein offenes Ohr gefunden.“

Spenden werden weitergegeben
In den kommenden vier Wochen werden die Gebäude nun nach und nach ausgeräumt. Bereits leer sind Nähstube und Kleiderkammer, deren Inhalte an Vereine im Landkreis abgegeben wurden. „Uns ist wichtig, Spenden und Material dorthin weiterzugeben, wo sie Menschen in Not erreichen“, sagt Antje Heilmann. Auch einige der nicht mehr benötigten Wohngebäude sind bereits besenrein.

Johanniter machen weiter
Aus der Flüchtlingshilfe zurückziehen wollen sich die Johanniter nach der Schließung der Notunterkunft jedoch nicht. Derzeit läuft ein Bildungsangebot für Flüchtlingsfrauen mit Kinderbetreuung. Das Engagement wollen die Johanniter ausbauen.