Toms Pfötchen tut weh

Stefan Greiber - Cloppenburg, 19. Juni 2017

Tom hat Schmerzen. Der Bordercollie schaut mit einem treuherzigen Augenaufschlag in die Kindergesichter um ihn herum, die ihn neugierig betrachten. „Tom hat sich die Wolfskralle herausgerissen“, sagt Carsten Wessels, Trainer für Erste Hilfe im Ortsverband Cloppenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Was müsst ihr jetzt tun?“ Die Kinder überlegen, einige melden sich. Die Wunde sollte mit einem Verband bedeckt werden. „Genau richtig“, lobt Wessels und macht vor, wie es richtig geht. Tom macht geduldig mit, obwohl er nicht wirklich verletzt ist. Aber es scheint, als wisse er genau, dass er jetzt leidend aussehen muss.

Der Kurs Erste Hilfe am Hund ist Teil eines Projekts an der Soesteschule Barßel, in dem die Kinder die Grundlagen für den Hundeführerschein erarbeiten. Die Erste Hilfe gehört dazu. Ablegen werden die Kinder den Hundeführerschein nicht, dafür müssten sie mindestens 16 Jahre alt sind. „Die Hunde sind bei uns Teil der Therapie“, erklärt Projektleiterin Sandra Mahn. Sie können trösten und wirken beruhigend. Die Kinder an der Soesteschule haben emotionale und soziale Auffälligkeiten, die Hunde helfen bei der Bewältigung. „Sie reagieren sehr sensibel auf  die Stimmungen der Kinder“, sagt Betreuerin Anna von Knobelsdorff. Außerdem lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen sich darum kümmern, dass es den Hunden gut geht. Erste Hilfe am Hund ist dabei nur ein kleiner Teil. Auch die Versorgung gehört dazu. Außerdem besuchen die Kinder in dem Projekt „Rund um den Hund“ jeden Donnerstag das Tierheim in Sedelsberg, reinigen die Zwinger, helfen bei der medizinischen Untersuchung und Versorgung der Tiere und beschäftigen sich mit ihnen. „Ziel ist, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden“, sagt Anna von Knobelsdorff.

In dem Kurs Erste Hilfe am Hund haben die Kinder inzwischen den Verband selber angelegt. Tom und die beiden anderen Hunde in dem Projekt ließen die Kinder geduldig machen. Der Verband wird noch mit einem Tape gesichert. „Das ist extra für Hunde und hat einen Geruch, der sie daran hindert, es wieder abzukauen“, erklärt Ausbilder Wessels. Die Kinder dürfen auch mal schnuppern. „Riecht irgendwie nach Medizin“, sind sie sich einig. Eigentlich gar nicht schlecht. „Für euch nicht“, sagt Wessels. „Die Hunde aber mögen das gar nicht.“ Lange müssen sie es auch nicht aushalten, denn am Ende der Projektstunden werden sie wieder vom Verband befreit. Jetzt ist endlich Gelegenheit, mit den Kindern draußen auf dem Schulhof herum zu toben.