Die Tränen wichen rasch dem Trotz

Stefan Greiber - Edewecht, 24. September 2017

Nach der ersten Enttäuschung kam der Trotz durch. „In zwei Jahren sind wir wieder dabei und wollen dann wieder oben stehen“, sagte Heike Dierks, Ortsjugendleiterin des Ortsverbands Edewecht der Johanniter-Unfall-Hilfe und Trainerin der C- und B-Mannschaft beim Bundeswettkampf der Johanniter in Koblenz. Nach drei Titeln bei den Landesmeisterschaften in Folge, einem Sieg beim Bundeswettkampf vor vier Jahren in Regensburg und einer Vizemeisterschaft vor zwei Jahren in Cottbus reichte es dieses Mal nur für Platz 6 bei den Sechs- bis Zwölfjährigen und Platz 7 bei den Zwölf- bis 16-Jährigen. Angesichts der starken Konkurrenz sind auch diese Platzierungen ein großer Erfolg für die Edewechter Johanniter Jugend, weshalb die Tränen rasch versiegten und der Freude über das Erreichte wichen. Gegner waren jeweils die Landessieger aus den neun Landesverbänden der Johanniter-Unfall-Hilfe. Sieger bei den B-Mannschaften wurde der Ortsverband Kettwig aus Nordrhein-Westfalen, bei den C-Mannschaften der Regionalverband Dresden aus dem Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.

Die C-Mannschaft mit Cecilie Böckmann, Jelda Drebing, Emilia Vollmer, Alina Ricklefs, Annike Komrowski, Friederike Kunze und Alina Jürgen-Tatje musste sich in einem theoretischen Test, einem Kreativ-Wettbewerb auf den Trageparcours und in einem Fallbeispiel bewähren. Dabei ging es um einen Fahrradunfall mit zwei verletzten Mädchen, die versorgt werden mussten. Statt Kreativ-Wettbewerb stellte sich die B-Mannschaft mit Marie Weber, Kea Schrör, Lennart Müller, Luca Harms, Daline Eilers, Annika Krause und Stine Lubek zusätzlich einem Praxistest, bei dem sie sich in zwei Teams aufteilen mussten. Lennart Müller und Daline Eilers versorgten ein Mädchen mit einer Verbrennung am Arm, Luca Harms und Kea Schrör einen älteren Mann mit Verdacht auf Herzinfarkt. In ihrem Fallbeispiel ging es ebenfalls um einen Fahrradunfall mit zwei Verletzten, erschwerend kam hinzu, dass eines der Mädchen bewusstlos war und sich bei dem anderen der Zustand während der Versorgung drastisch verschlechterte.

Am Ende entschieden Kleinigkeiten über die Platzierung. Der C-Mannschaft (72,96) fehlten nur 0,78 Punkte auf den Fünfplatzierten Hattingen (73,74), der B-Mannschaft (78,12) nur 0,83 Punkte auf den Sechsten Lübeck (78,95). Zusätzlich geschwächt waren die Edewechter Teams durch einen Unfall auf der Anfahrt. Ortsjugendleiterin und Trainerin Heike Dierks war bei einem Stopp auf einem Rastplatz gestürzt und hatte sich an Knie und Hand verletzt. Noch am Freitag vor der Mannschaftsbesprechung wurde sie im Krankenhaus untersucht, konnte am Sonnabend während der Wettkämpfe nicht richtig laufen.

Insgesamt waren 1800 Johanniter aus ganz Deutschland nach Koblenz gereist, um an den Wettbewerben teilzunehmen oder Mannschaften anzufeuern. Aufgeteilt in vier Kategorien wetteiferten insgesamt 41 Mannschaften mit 400 Wettkampfteilnehmern um die ersten Plätze darunter drei Johanniter-Teams aus Polen, eine Gastmannschaft der Bundeswehr sowie eine Mannschaft der Johanniter-Bundesgeschäftsstelle.

Der Wettkampftag begann mit einem Gottesdienst vor dem Kurfürstlichen Schloss, einem der letzten Residenzschlösser Deutschlands. Dort stellten die Wettkämpfer ihr theoretisches Erste-Hilfe-Wissen unter Beweis. Anschließend folgten die praktischen Übungen am Deutschen Eck, wo Mosel und Rhein zusammenfließen und das Reiterstandbild des Deutschen Kaisers Wilhelm steht. Da der Zugang natürlich auch während der Wettbewerbe geöffnet war, verfolgten zahlreiche Touristen aus Deutschland und dem Ausland das Geschehen. Nicht jeder verstand, worum es ging. Als eine Verletztendarstellerin laut um Hilfe schrie, eilte ein japanischer Tourist herbei und versuchte ihr aufzuhelfen. Erst die Schiedsrichter stoppten ihn und erklärten, worum es ging.