Sanitätsdienst bei hochsommerlichen Temperaturen

Hendrik Boomgaarden - Emden, 04. August 2014

Hitze macht Johannitern bei der Betreuung des Emder Delftfestes zu schaffen.

Eine Woche nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wartete in Emden das Delft- und Hafenfest mit zahlreichen Attraktionen für Groß und Klein auf, um viele Besucher aus Stadt und Land zum kurzweiligen Fest-Bummel in die Innenstadt der Seehafenstadt zu locken und so auch alle diejenigen zu trösten, die nach dem Ende der WM unter Entzugserscheinungen leiden.

Die Festmeile präsentierte sich heuer vergrößert um die Faldern- und Neutorstraße sowie den Bereich rund um die Wester-Ems-Tonne zwischen beiden Märkten.

Neben "alten Bekannten" gab es hier auch etliche Neuheiten zu bestaunen: So hatte eine größere Abordnung des Dörpmuseums Münkeboe den Weg nach Emden gefunden, um hier am Standort Faldernstraße in einem aus mehreren Fahrzeugen bestehenden mobilen Museum (welches ansonsten beim Münkeboer Erntekorso im August zum Einsatz gelangt) Einblicke in das Leben in einem historischen ostfriesischen Dorf zu gewähren. Im Stadtgarten wurden kulinarische Gaumenfreuden aus aller Welt feilgeboten, während am Delft zu zahlreichen Aktivitäten am und auf dem Wasser Gelegenheit bestand. Freunde der Musik durften sich in diesem Jahr über ein verdoppeltes Angebot freuen: Zu den Bühnen am Rathausplatz und am Hafentor kamen zwei weitere in der Faldernstraße und an der Wester-Ems-Tonne hinzu; überall luden die aufspielenden Bands zum Feiern bis tief in die Nacht ein.

Einen Dämpfer erfuhr der Festgenuss einzig durch die vom Wetter vorgegebenen Rahmenbedingungen: Bei Temperaturen von weit über 30 Grad mieden viele potenzielle Besucher tagsüber das Fest; dafür wurde es nach Sonnenuntergang umso voller. So manchem späten Besucher fiel es denn auch schwer, ein Ende zu finden, und für viele ging das lustige nächtliche Treiben in den Lokalen der Innenstadt weiter, nachdem rund um den Delft längst der letzte Ton verklungen war.

 

Die Kameradinnen und Kameraden des Emder Ortsverbandes der Johanniter-Unfall-Hilfe, welche aufgrund der Vergrößerung der Festveranstaltung pro Schicht in größerer Personalstärke als gewohnt vor Ort waren, hatten ebenfalls unter den Wetterbedingungen zu leiden. Dagegen blieb die Zahl hitzebedingter Notfälle über den Zeitraum der drei Festtage angesichts der hohen Temperaturen eher gering: lediglich drei weniger gravierende Fälle wurden verzeichnet.

Doch erwies sich der Einsatz für die anwesende Helferschaft, zumal während der Tagschichten, als wahre Hitzeschlacht mit großer Belastung für alle Beteiligten, bei dem jede Gelegenheit zur Abkühlung und jedes schattige Plätzchen dankend angenommen wurde. So versammelten sich diejenigen, welche gerade keine Streifengänge zu versehen hatten, im Schatten der Bäume hinter dem Sanitätszelt, das als Einsatzzentrale wie gewohnt am Stadtgarten errichtet worden war. Manch einer erinnerte sich dabei an die 2011er Auflage des Delft- und Hafenfestes, als die Veranstaltung zeitweise nachgerade in Regen und Wind versank und die anwesenden Sanitäter sich ebenfalls mit widrigen, wenn auch andersartigen, Witterungsverhältnissen konfrontiert sahen.

In medizinischer Hinsicht stellte das Fest die Einsatzkräfte der Johanniter vor keine schwerwiegenden Herausforderungen - mit der Ausnahme einer extremen Verdichtung von Notfällen in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag, welche sich somit aufgrund der tropischen Außentemperaturen im doppelten Sinne als "heiße Nacht" erwies: So waren innerhalb von einer guten Stunde Patienten mit einer akuten Nierenkolik, akuter Atemnot und einem Verdacht einer Schulterfraktur zu versorgen, wobei die beiden Erstgenannten nach Erstversorgung vor Ort mittels angeforderten Rettungstransportwagens (RTW) ins städtische Klinikum verbracht; im letztgenanntem Falle wurde der Transport verweigert.

Neben besagten Hitzenotfällen wurde noch vor Ort eine Glasscherbe aus einem Fuß entfernt, ein umgeknickter Finger mit einer Sofortkältekompresse sowie diverse Schürf- und Schnittwunden mit Wundschnellverbänden versorgt. Sowohl der Einsatzleiter Keno à Tellinghusen als auch der kommissarische Ortsvorstand Heinrich Nannenga - beide mit jahrelanger Erfahrung in der sanitätsdienstlichen Betreuung großer Feste - zeigten sich im Ergebnis mit dem Gesamtverlauf des Einsatzes hochzufrieden. Insbesondere seien aggressive Auseinandersetzungen - bei hohen Temperaturen in Kombination mit überhöhtem Alkoholkonsum nicht ungewöhnlich - ausgeblieben.

Die Emder Bereitschaft bedankt sich zudem bei ihren Kameradinnen und Kameraden des Ortsverbandes Norden für die wie stets erwiesene kompetente Unterstützung bei der Einsatzabwicklung.

Weitere Impressionen in Wort und Bild: