Kleine Sattelrobbe weckt große Gefühle

Greiber/Foto: Birgit Beerhorst - Nordenham, 04. September 2017

Die Johanniter-Tagespflege Nordenham im Haus Tongern hat einen neuen Mitarbeiter. Er ist 57 Zentimeter lang und wiegt 2,7 Kilogramm. PARO ist eine computergesteuerte, künstliche Sattelrobbe und eine Leihgabe des Instituts für Technische Assistenzsysteme der Jade Hochschule in Oldenburg. „Wir dürfen ihn in der Tagespflege mit unseren demenziell erkrankten Gästen testen“, sagt Birgit Beerhorst, stellvertretende Pflegedienstleiterin in der Johanniter-Tagespflege Nordenham. Der Kontakt zur Hochschule lief über Alexandra Kolozis, Mitarbeiterin im Fachbereich Forschung und Entwicklung der Johanniter-Unfall-Hilfe mit Sitz in Elsfleth. PARO wird als niedrigschwelliges Angebot zu therapeutischen Zwecken eingesetzt und dient als Instrument, um die Stimmung aufzuhellen, einen Zugang zum Patienten zu gewinnen und ins Gespräch zu kommen. Dabei erzielt PARO vergleichbare Effekte wie die Tiertherapie. „Die Robbe wird durch geschultes Personal eingesetzt und soll keine menschliche Zuwendung ersetzen, sondern bei der Betreuung aktivieren“, betont Alexandra Kolozis. Die Akzeptanz der Gäste sei dabei unumgänglich. Er diene als "emotionaler Begleiter". „PARO wurde ganz bewusst so gestaltet, dass er wie eine Robbe aussieht“, berichtet Beerhorst. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ein Mensch in einer Pflegeeinrichtung schon mal einen direkten körperlichen Kontakt zu einer echten Robbe hatte. „Somit können negative gedankliche Verknüpfungen weitgehend ausgeschlossen werden“, erklärt Birgit Beerhorst.

PARO ist ein echtes Multitalent. Er hat einen Tag- und Nachtrhythmus, kann Licht und Dunkelheit erkennen sowie fühlen, wenn er gestreichelt wird. Er erkennt die Richtung, aus der Geräusche kommen, und kann darauf reagieren. Zudem hört PARO auf seinem Namen, versteht Grüße und Lob, erinnert sich an seinen sozialen Umgang und passt sich daran an. Durch Geräusche, Bewegungen und unterschiedlichem Mienenspiel kann er Gefühle ausdrücken. In der Johanniter-Tagespflege wird die mehr als 5000 Euro teure Robbe jetzt im täglichen Umgang mit demenziell veränderten Menschen getestet.  Eindruck hat PARO nach den ersten Tagen jedenfalls mächtig hinterlassen. Und nicht nur bei den Gästen. „Mit seinen hochemotionellen Gesichtsausdrücken und den großen, zwinkernden Augen ist er wirklich echt niedlich“, gesteht Birgit Beerhorst.