Nordenhamer Johanniter stellen Katastrophenschutz neu auf

Stefan Greiber/Fotos: Dennis Weiß - Nordenham, 17. Februar 2018

Bei einer Informationsveranstaltung für alle ehrenamtlichen Helfer mit mehr als 60 Teilnehmern hat der Ortsverband Nordenham der Johanniter-Unfall-Hilfe seine neue Struktur für den ehrenamtlichen Katastrophenschutz vorgestellt. Alle Helferinnen und Helfer waren aufgefordert, sich aktiv in den Gestaltungsprozess einzubringen und sich für die Teilbereiche zu melden, in denen sie sich engagieren wollen. „Mit dieser neuen Struktur wollen wir den Katastrophenschutz an die geänderten Bedingungen anpassen und uns noch besser auf regionale und überregionale Einsätze vorbereiten‘“, erklärt Matthias Dirksen, Ortsbeauftragter der Johanniter in Nordenham.

Die Hintergründe für die Neustrukturierung sind vielfältig. „Zum einen hat sich die Einsatzlage geändert“, sagt Markus Wedemeyer, Ortsverbandsarzt der Nordenhamer Johanniter und Mitglied des Regionalvorstands Weser-Ems. In der Vergangenheit sei von Lagen mit vielen Verletzten, so genannten Behandlungslagen, ausgegangen worden. Die Realität, nicht zuletzt in der Flüchtlingshilfe, habe gezeigt, dass alle größeren Einsätze Betreuungslagen waren. „Selbst bei größeren Unfällen werden die Verletzten oft recht schnell versorgt und abtransportiert“, erklärt Wedemeyer. „Aber irgendjemand muss sich um die Unverletzten kümmern.“ Auch bei Bombenräumungen, Evakuierungen bei Hochwasser und ähnlichen Einsatzlagen gehe es vorrangig um die Betreuung unverletzter Menschen. „Die brauchen etwas Warmes zu essen, heiße Getränke und vielleicht sogar ein Bett.“

Zudem baue das Land unter dem Eindruck der Flüchtlingshilfe mit den Hilfsorganisationen Einsatzzüge mit klar umrissenen Aufgabengebiet, Qualifikation-, Material- und Personalanforderungen auf, die wie ein Baukastensystem je nach Einsatzlage zusammengestellt werden können. Hier gehe es darum, schlagkräftige, gut eingespielte Einheiten aufzustellen, die sich trotzdem nahtlos mit anderen zu größeren Einheiten zusammenfügen lassen. „Die Konzepte greifen ineinander und sind klar definiert“, sagt Wedemeyer. Für Stefan Onken, Zugführer der Regionalbereitschaft Weser-Ems und Fachbereichsleiter Einsatzdienste der Nordenhamer Johanniter, macht das Sinn. „Bisher war es so, dass im Notfall Hilfe gerufen wurde und man dann geschaut hat, wer kommt.“ Zukünftig soll ganz gezielt angefordert werden. Dabei ist es egal, wer kommt, sondern was kommt. „Wenn eine Betreuungsgruppe gerufen wird, dann kommt eine fest definierte Einheit – ganz gleich von welcher Organisation oder ob aus Nordenham oder Lüneburg.“

Für den Ortsverband Nordenham, der als einer der ersten in der Region seine Struktur im ehrenamtlichen Katastrophenschutz diesen neuen Herausforderungen anpasst, ist der Zeitpunkt ideal. Die ehrenamtliche Bereitschaft ist auf über 60 aktive Helfer gewachsen, eine solche Größe lässt sich nicht mehr vernünftig führen. „Wir schaffen jetzt drei Teilbereiche mit einer eigenen Führung: die Betreuungsgruppe, die Patientenablage für 25 Verletzte und den Patiententransport mit drei Fahrzeugen“, erläutert Dirksen. Patientenablage und –transport sind primär für den erweiterten Rettungsdienst des Landkreises Wesermarsch vorgesehen, der angefordert wird, wenn der Regelrettungsdienst Unterstützung braucht. Die Betreuungsgruppe soll Teil des Betreuungsplatzes für 500 Menschen werden, den die Regionalbereitschaft Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe bis 2020 aufbauen wird. „Dazu brauchen wir 98 gut ausgebildeter Leute in doppelter Stärke, also 196“, erklärt Wedemeyer. So viele Ehrenamtliche kann kein Ortsverband alleine stemmen. „Aber zusammen können wir es“, verspricht Wedemeyer. Der Weg dahin ist lang. Der Ortsverband Nordenham aber hat seine ersten Schritte schon getan.