Spaß am Spiel für bessere Integration

Stefan Greiber - Oldenburg/Stedingen, 20. November 2015

Forscher der Johanniter stellen Beschäftigungsboxen zusammen

Forscher mit Spaß am Spiel (von links) Simon Timmermanns, Alexandra Kolozis, Andreas Felscher und Timo Hinrichsen stellten Boxen für Flüchtlingsunterkünfte zusammen.

Weiterhin kommen täglich zwischen 800 und 1200 Menschen in Niedersachsen an, viele müssen in Notunterkünften untergebracht werden, die teilweise in kürzester Zeit eingerichtet werden müssen. Um den Menschen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern, bieten viele Betreiber dieser Einrichtungen Betreuungsleistungen an. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele vor allem der ehrenamtlichen Helfer aber erstmal ratlos vor dem Problem standen: Was kann ich überhaupt mit Menschen unternehmen, die meine Sprache nicht sprechen und aus einem anderen Kulturkreis kommen“, erzählt Andreas Felscher, Fachbereichsleiter Forschung & Entwicklung bei der Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband Weser-Ems. „Wir haben vom Kompetenzteam Flüchtlingshilfe unseres Regionalverbandes den Auftrag bekommen, uns Gedanken um eine Lösung dieses Problems zu machen.“

Herausgekommen ist eine so genannte Beschäftigungsbox, in der zahlreiche Materialien mit übersichtlichen Anleitungen zum Spielen, Deutsch lernen und Sport treiben enthalten sind. „Wir haben bei der Zusammenstellung eng mit Leitern von Notunterkünften und Sozialpädagogen aus anderen Einrichtungen zusammen gearbeitet“, erklärt Felscher. Mit dabei war auch Marie-Luise Schwarz. Die Sozialpädagogin leitet den Mietertreff „Vogelnest“ in Brake und die Demenzgruppe des Ortsverbands Stedingen. Jetzt wurden 30 Boxen im Gesamtwert von rund 4500 Euro gepackt, die anschließend an Notunterkünfte für Flüchtlinge der Johanniter in Weser-Ems verteilt werden. Darin enthalten sind unter anderem Straßenmalkreide, ein Schwungtuch, Ausmalbilder als Kopiervorlagen, Zeigebücher zum Deutsch lernen, Zeichenpapier und Buntstifte und vieles mehr. Ein Muss sind Dosen mit Seifenblasen. „Sie sorgen bei Flüchtlingskindern immer wieder für staunende Blicke und lassen selbst traumatische Erlebnisse für einen Augenblick vergessen“, erklärt Felscher.

Ganz wichtig sind auch Bälle, darunter auch ein richtiger Fußball. „Steht eine Gruppe Kinder und junger Menschen zusammen und Sie werfen ihnen einen Ball zu, fangen alle zu kicken an“, berichtet Felscher aus den Erfahrungen in den Einrichtungen. „Dieser Sport ist überall auf der Welt bekannt.“ Für den Fachbereich Forschung & Entwicklung war diese Aufgabe ein außergewöhnlicher Auftrag. Normalerweise beschäftigen sich die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Entwicklung von technischen Assistenzsystemen für ein Leben im Alter. Auch wenn der Hintergrund ernst ist, Spaß gemacht hat es trotzdem. „Irgendwie“, sagt Felscher, „ist bei uns allen wieder der Spieltrieb durchgekommen.“