Stedinger Johanniter bilden Wittmunder Rettungsdienst fort

Greiber/Ralf Klöker, Landkreis Wittmund - Berlin/Berne, 19. Juli 2017

Immer rein damit: Jan Gartemann, Dozent für taktische Medizin, demonstriert den Umgang mit Wundstopfverbänden.

Jan Gartemann und Carlos Glatz, Dozenten für taktische Medizin im Fachbereich Offshore des Ortsverbands Stedingen der Johanniter-Unfall-Hilfe, haben jetzt Mitarbeiter des Rettungsdienstes des Landkreises Wittmund fortgebildet. Thema war die „Versorgung von Traumapatienten bei Amok- und Terrorlagen“. Erfahrungen der vergangenen Monate in Deutschland, Europa und anderen Teilen dieser Welt zeigen, dass derartige Einsätze – bei Terroranschlägen oder Amokläufen – den Rettern nicht nur spezielle Kenntnisse abverlangen, sondern dass dabei auch ein besonderes Equipment zur Wundversorgung nötig ist, betont der Sprecher des Landkreises Wittmund, Ralf Klöker. Die die Einsatz- und Rettungskräfte müssen sich daher auf eine größere Zahl von Verletzten gleichzeitig und vor allem schwere Verletzungsmuster vorbereiten.

Um einer größeren Zahl Schwer- und Schwerstverletzter helfen zu können, hat der Landkreis Wittmund die Versorgung für den extremen Notfall weiter ausgebaut. Es wurden spezielle Verbandstoffe und Materialien angeschafft, die seit Jahren bereits im militärischen Bereich Anwendung finden. So sind unter anderem sowohl modulare Verbandstoffe und Wundstopfmöglichkeiten als auch Materialien zur Versorgung beispielsweise von Amputationen oder gravierenden Brustkorbverletzungen in großer Menge beschafft worden. „Es reicht nicht, die Materialien auf den Fahrzeugen zu haben“, sagt Jan Gartemann von den Stedinger Johannitern. Der sachgerechte Umgang in der Anwendung müsse geschult. An der Fortbildung nahmen neben Einsatzkräften, leitende Notärzten und Rettungsdienstmitarbeiter auch Praxisanleiter aus dem Rettungsdienst teil, die als Mediatoren ihre neuen Kenntnisse an ihre Kollegen weitergeben können.

Der Fachbereich Offshore stellt das rettungsdienstliche Personal für die Offshore-Rettungshubschrauber von Northern Helicopter sowie für die Sanitätsstationen auf den Plattformen in den Offshore-Windparks und trainiert regelmäßig die Anwendung taktischer Medizin. Hintergrund ist, dass bei Unfällen in den Offshore-Windparks weitere Rettungskräfte mindestens eine Stunde brauchen, bevor sie am Notfallort eintreffen können. „Wir trainieren regelmäßig die Anwendung taktischer Medizin, um auch im Notfall in den Offshore-Windparks in der Zeit bis zum Eintreffen der anderen Rettungskräfte Verletzte optimal versorgen zu können“, betont Gartemann.

Sie gaben den Wittmunder Einsatzkräften einen Einblick in das komplexe Themengebiet der skizzierten Einsatzlagen. Auch Gefahren für die eingesetzten Kräfte und die detaillierten Abläufe bei der Einsatzorganisation wurden umfangreich erörtert und besprochen. Die teilweise neu eingeführten Materialien kommen selbstverständlich auch im Regelrettungsdienst bei Unfällen auf der Straße oder im Haushalt zum Einsatz und verbessern so das Spektrum der Rettungsmöglichkeiten.