Eine Verabschiedung ohne Abschied

Stefan Greiber - Wilhelmshaven, 19. März 2017

„Wir werden die Johanniter immer mit Ihrer Person verbinden“,  sagte Ursula Glaser, Bürgermeisterin der Stadt Wilhelmshaven, bei der Verabschiedung von Traute Pauli als Dienststellenleiterin des Ortsverbands Wilhelmshaven der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Sie haben die Johanniter gelebt und nicht nur als Beruf gesehen.“ Auch für Paulis Nachfolger, Marcel Colter, hatte Ursula Glaser warme Worte: „Ich bin überzeugt, dass Sie das hervorragend meistern werden.“ Pastor Kai Wessels, stellvertretender Kreispfarrer für den Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, erinnerte daran, dass Traute Pauli zwar als Dienststellenleiterin in Ruhestand geht, sich aber weiter ehrenamtlich engagiert. „Ich freue mich, dass wir Sie heute nicht verabschieden, weil Sie ja auch im Ruhestand aktiv bleiben.“

Zuvor war Traute Pauli in einem Gottesdienst mit Pastor Dr. Stefan Welz, Regionalverbandspfarrer der Johanniter in Weser-Ems, in der St. Jacobi-Kiche Neuende offiziell verabschiedet und Marcel Colter in sein Amt eingeführt worden. Für die Lesung hatte Pastor Welz einen Vers aus dem Lukas-Evangelium ausgewählt, in dem ein Mann erst sein Feld pflügen möchte, bevor er Jesus folgt. „Am Ende der Pflugarbeit stellen Sie, liebe Frau Pauli, den Pflug zur Seite und schauen zurück aufs Feld. Ob jetzt was wächst, liegt nicht mehr in ihren Händen.“ Wilfried Barysch, Mitglied des Regionalverstands im Regionalverband Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe, erinnerte in seiner Rede an die Anfänge von Traute Pauli und ihren Anteil an der Entwicklung des Ortsverbands Wilhelmshaven.

Traute Pauli war im September 1991 bei den Johannitern eingetreten und hatte sich ehrenamtlich in der Müttergruppe engagiert. Ein Jahr später absolvierte sie ihre Ausbildung zur Jugendgruppenleiterin und war anschließend zwei Jahre Ortsjugendleiterin und Ausbilderin für Erste Hilfe. Am 1. April wurde sie hauptamtliche Dienststellenleiterin. „Es gab auch Zeiten, die waren nicht so schön“, betonte Barysch. „Aber im Großen und Ganzen ging es immer aufwärts.“ Meilensteine waren zum Beispiel die Übernahme der Ambulanten Pflege im Johanneshaus Carolineum in Carolinensiel 2011 und der Bau der beiden Tagespflegen. 2010 eröffnete „Die Insel“ auf dem Gelände der Dienststelle an der Bismarckstraße, vier Jahre später „Die Muschel“ in Fedderwardergroden gegenüber vom Freibad Nord. „Das war eine spannende Zeit“, sagte Barysch, denn „Die Insel“ war die erste Tagespflege-Einrichtung der Johanniter-Unfall-Hilfe bundesweit, die neu errichtet worden war. „Es gab ja nichts an Vorlagen, wir mussten alles selbst erarbeiten.“ Traute Pauli war von Beginn an eine der treibenden Kräfte und bis zuletzt Heimleiterin der beiden Einrichtungen. „Hätten wir Sie nicht gehabt, hätten wir diese beiden Einrichtungen wahrscheinlich gar nicht“, betonte Barysch.

Umso mehr freue er sich, mit Marcel Colter einen sehr erfahrenen Nachfolger gefunden zu haben. Der gelernte Tischler hatte als Zeitsoldat im Rang des Sanitätsfeldwebels zum Rettungsdienst gefunden und ist heute Lehrrettungsassistent und Notfallsanitäter. 2005 absolvierte er sein Praktikum als Rettungsassistent an der Johanniter-Wache des Ortsverbands Stedingen in Berne und wurde Mitglied der Johanniter-Unfall-Hilfe. Ein Jahr später gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Johanniter-Ortsverbands Delmenhorst, dessen ehrenamtlicher Ortsbeauftragter er heute ist. Von 2010 bis 2012 absolvierte er in der Regionalgeschäftsstelle eine Berufsausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen und schloss als Jahrgangsbester im IHK-Bezirk ab. Anschließend arbeitete er in Berne als Lehrrettungsassistent und später als Leiter der Rettungsschule Wesermarsch. Von August bis November 2013 war er am Aufbau der medizinischen Notfall-Leitstelle Offshore der Johanniter-Unfall-Hilfe in Berne beteiligt. „Dass die Leitstelle heute so erfolgreich arbeitet und die Menschen, die draußen auf der Nordsee in den Windparks die Anlagen errichten und warten, sich so sicher fühlen können, ist auch Ihrer Arbeit zu verdanken“, betonte Barysch.

2015 kam ein Einschnitt. „Das war für uns alle ein spannendes Jahr“, sagte Barysch. Als die Ankunft der ersten Schutzsuchenden aus dem Bürgerkriegsland Syrien vorbereitet werden musste, war Colter von Beginn an dabei. Seit März 2012 war er ehrenamtlicher stellvertretender Regionalbereitschaftsführer Weser-Ems, einer Großeinheit für die Bewältigung von Katastrophenlagen. Colter war ehrenamtlich am Aufbau mehrerer Notunterkünfte für Flüchtlinge beteiligt und hatte sich innerhalb kürzester Zeit ein umfangreiches Wissen in einem Bereich aufgebaut, in dem es kaum Erfahrungen gab. „Als wir dann für die geplante Notunterkunft in der Kaserne Ebkeriege in Wilhelmshaven einen Einrichtungsleiter gesucht haben, fiel unsere Wahl sehr schnell auf Herrn Colter.“ Besonders bitter: die Einrichtung war fertig eingeräumt, die Zimmer mit Möbeln ausgestattet, die Sanitätsstation einsatzbereit, als die Weisung des Landes Niedersachsen kam, sie wieder zu räumen. Nach dem Schließen der Balkanroute kamen kaum noch Schutzsuchende nach Deutschland, die Einrichtung wurde nicht mehr gebraucht. „Schön war das nicht, weil wir uns auch von Mitarbeitern trennen mussten, die gerade erst eingestellt worden waren“, erinnerte sich Barysch. Aber zu ändern sei es nicht gewesen. Anschließend kümmerte sich Colter als Projektbeauftragter für Bevölkerungsschutz im Regionalverband um Nachfolgeprojekte in der Flüchtlingshilfe. „Sie sind gut ausgebildet, haben viel Erfahrung und sind bestens vernetzt“, lobte Barysch. „Einen besseren Dienststellenleiter kann sich der Ortsverband Wilhelmshaven nicht wünschen.“

Siegfried Werner, der als ehrenamtlicher Ortsbeauftragter 17 Jahre zusammen mit Pauli den Ortsverband geleitet hat, erinnerte sich gut an die erste Begegnung. „Wir haben 1994 zusammen den Sanitätshelferlehrgang gemacht.“ Als Ortsbeauftragter hatte er zudem oft die Müttergruppe zu Basaren gefahren, auf denen sie zugunsten der Jugend Bastel- und Hand arbeiten verkauften. Als der Verband immer größer wurde und nicht mehr ausschließlich ehrenamtlich zu führen war, fragte er die damalige Bürovorsteherin einer Rechtsanwaltskanzlei, ob sie auch hauptamtlich bei den Johannitern arbeiten würde. „Wir haben zusammen viel bewegt in den 17 Jahren“, sagte Siegfried Werner. Das die Tagespflege-Einrichtungen heute so schön seien, ist vor allem Traute Pauli zu verdanken. „Ich hätte sie in Johanniter-Rot-Weiß gestrichen und den Rest in Nato-Oliv“, sagte der ehemalige Berufssoldat scherzhaft. Nach 17 Jahren gemischtes Doppel freue er sich jetzt auf eine Verbandsspitze mit zwei ehemaligen Bundeswehr-Soldaten.

Traute Pauli, die weiterhin ehrenamtlich unter anderem in der Johanniter-Auslandshilfe aktiv bleibt, dankte allen Gratulanten und Siegfried Werner ganz besonders. Anschließend bedankte sich Colter für die vielen guten Wünsche. „Ich habe mich auch schon bei der Stadtverwaltung vorgestellt, sogar mit Foto“, erzählte er. „Hat mich nur 15 Euro gekostet und acht Stundenkilometer, die ich zu schnell unterwegs war.“ Bei so einem Einstand kann fast nichts mehr schiefgehen.