Erster Einsatz für das neue Frauengesundheits-Mobil

Hamburg, 10. Februar 2017

Das Women's Health Team und die Johanniter nehmen mobile Praxis für geflüchtete und obdachlose Frauen in Betrieb

Foto: Women's Health Team

Seit Herbst 2015 bietet das Women's Health Team der Stadtteilinitiative Refugees Welcome Karoviertel jede Woche ehrenamtlich Sprechstunden für geflüchtete Frauen in mehreren Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen an. Das Angebot der aktuell ca. 30 ehrenamtlichen Hebammen und Gynäkologinnen wird jetzt ausgebaut: In Kooperation mit der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist am Donnerstag, 9. Februar 2017, das neue Frauengesundheits-Mobil in seinen ersten Einsatz gegangen. Die rollende Gynäkologiepraxis ist ein umgebauter Rettungswagen der Hamburger Johanniter. Dank einer Spende in Höhe von 40.000 Euro konnte das gemeinsame Projekt realisiert werden: Der Rettungswagen ist nun mit der medizinisch notwendigen apparativen Diagnostik ausgerüstet und kann neben der gynäkologischen Basisversorgung auch für die Versorgung und Untersuchung von Schwangeren und Wöchnerinnen eingesetzt werden. Bei den wöchentlichen Sprechstunden sind neben einer Gynäkologin und einer Hebamme auch zwei Dolmetscherinnen für die Sprachen Farsi und Arabisch dabei. Die Sprechstunden werden zurzeit rein ehrenamtlich geleistet.

Johanniter-Regionalverbandsarzt Dr. Tobias Horlacher koordiniert das Projekt Frauengesundheits-Mobil von Seiten der Johanniter, gemeinsam mit den beiden Projektleiterinnen vom Women's Health Team, Gynäkologin Dr. Mirjam Wagner und Hebamme Wibke Bohny. "Es war uns wichtig, ein niedrigschwelliges medizinisches Angebot zu machen und eine Lücke im bisherigen System zu schließen: Wir wollen direkte Hilfe vor Ort leisten, unkompliziert und ohne Papiere. Mit dem Projekt verbessern wir die Gesundheitsversorgung von geflüchteten Frauen erheblich, da die Kapazitäten in den niedergelassenen Praxen nahezu erschöpft sind. Zugleich können wir durch unseren Standort in der Innenstadt auch obdachlose Frauen erreichen."

"Einfache Erkrankungen können wir direkt vor Ort therapieren. Dies entlastet nicht nur die Frauen, sondern auch die Notaufnahmen, vermeidet unnötige Krankentransporte und verringert Kosten und Organisationsaufwand", erläutert Dr. Mirjam Wagner. "In den Sprechstunden werden ausführliche Anamnesen erhoben, Mutterpässe angelegt, Probleme erkannt und bei Bedarf Kontakt zu niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern hergestellt." Hebamme Wibke Bohny ergänzt: "Wir informieren nicht nur über Themen wie Verhütung, Stillen, Hygiene und Ernährung. Viele Frauen haben niemanden, an den sie sich mit ihren Ängsten und Sorgen wenden können. Wir sind dann manchmal die ersten Ansprechpartnerinnen von Vergewaltigungsopfern, die wir behutsam betreuen und beraten."

Zur besseren medizinischen Betreuung der Frauen hat die connected-health.eu GmbH die rollende Praxis kostenlos mit dem LifeTime Hub zum digitalen Austausch von Befunden und Patientendaten ausgestattet. Gründer und CEO Dr. Johannes Jacubeit erläutert das Prinzip: „Mobile Arztpraxen können künftig Befunde und Informationsmaterialien direkt digital an Patienten-Smartphones übergeben. Dafür werden sie mit LifeTime Hubs ausgestattet. Bei Folgeuntersuchungen haben die Flüchtlinge ihre Befunde auf ihrem Smartphone mit der LifeTime App dabei."

Die gynäkologischen Sprechstunden finden ab sofort jeden Donnerstag von 17:00- 19:00 Uhr an der Kirche Sankt Georg in der Hamburger Innenstadt statt. Ab Ende Februar ist eine zweite Sprechstunde geplant. Ort und Zeit stehen noch nicht fest.