60 Jahre Johanniter in Hamburg

Hamburg, 21. September 2013

Der Regionalverband Hamburg feiert 60. Jubiläum

Mit rund 200 geladenen Gästen beging der Regionalverband der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. (JUH) am 21. September sein 60-jähriges Jubiläum in der Hauptkirche St. Jacobi. Im Rahmen des Festgottesdienstes mit Abendmahl feierten Ehrenamtliche der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Mitglieder des Johanniterordens und Vertreter anderer Hilfsorganisationen sechs Jahrzehnte Engagement, Solidarität, Mitmenschlichkeit und Einsatz für den Nächsten. Anschließend ließen die Gäste bei einem Empfang die vergangenen Jahre Revue passieren. Auf dem Jakobikirchhof konnten Einsatzfahrzeuge besichtigt werden. Für die kleinen Gäste standen Kinderschminken, Hüpfburg und Buttons-Basteln mit der Johanniter-Jugend auf dem Programm.

 

„Diese Veranstaltung ist eine Hommage an das Engagement für andere Menschen. Wir möchten damit unseren vielen Helfern und Mitarbeitern, unseren Freunden, Unterstützern und Partnern Dank sagen“, sagte Regionalvorstand Olaf Bien während seiner Ansprache. "Durch ihre Begeisterung sind wir heute ein moderner christlicher Wohlfahrtsverband. Neben dem Rettungsdienst und der Ausbildung zählen viele weitere Leistungen zu unserem Angebot, z. B. die Auslandshilfe, der Betrieb von ambulanten Pflegediensten, Jugendhilfe und vier Kindertagesstätten. Ehrenamtlich engagieren wir uns im Katastrophenschutz, bieten Hospizdienste, ein Seniorencafé, betreiben das Kinder-Trauerzentrum Lacrima und Jugendarbeit“, erklärt Bien. Ohne das Engagement der rund 800 ehrenamtlichen Helfer in den Ortsverbänden Mitte, Nördliches Hamburg, Wedel, Quickborn und Pinneberg könnten die Johanniter dieses breite Leistungsspektrum nicht anbieten.

 

Stellvertretend für die vielen Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer ehrte Olaf Bien den Johanniter Dirk Walter für sein lebenslanges Engagement in der Johanniter-Unfall-Hilfe. Der 75-jährige hat die Geschichte der Hilfsorganisation mitgeschrieben: Mit einem Erste-Hilfe-Kurs bei den christlichen Pfadfindern 1953 hat alles begonnen. Der damals 15-jährige Dirk Walter war sofort begeistert von den Johannitern: vom Helfen, von der Gemeinschaft – und vom christlichen Hintergrund. Seitdem engagiert sich der gebürtige Hamburger bei den Johannitern in der Hansestadt und weltweit. Er war Mitglied des Johanniter-Präsidiums, Bundesdatenschutzbeauftragter und Bundesrechnungsprüfer der Organisation. Nach seiner Pensionierung übernahm Walter das Amt des Ehrenamtsbeauftragten im Regionalverband Hamburg und ist damit heute der dienstälteste, ehrenamtliche noch aktive Johanniter in Deutschland.

 

Der unermüdliche Helfer

 

Als ehrenamtlicher Helfer hat Walter seit den 1950er Jahren unzählige Menschen in Erster Hilfe ausgebildet. Auch im Sanitäts- und Rettungsdienst engagierte sich der energiegeladene junge Mann schon früh: "Am Wochenende war ich auf einem Unfallwagen der Hamburger Feuerwehr im Hafen, in der Innenstadt und auf Sankt Pauli aktiv. Damals gab es häufig Probleme mit Schlägereien in den Kneipen, regelrechte Straßenschlachten entstanden – oft waren hunderte Männer darin verwickelt. Da gab es viel zu tun. Gut, dass früher im Unfallwagen, einem Opel Blitz, auf doppelstöckigen Liegebetten Platz für zwei Verletzte pro Fahrt war!" berichtet er. Unter seinen Patienten waren zahlreiche Landgänger, amerikanische Marines, die nicht in den hamburgischen Krankenhäusern, sondern direkt im Hafen auf den Kriegsschiffen in den Schiffslazaretten behandelt wurden. Auch in den Werften gab es schwere Verletzungen bei Unfällen beim Be- oder Entladen der Schiffe oder beim Umgang mit den großen Maschinen. "Durch den alten Elbtunnel über die Autofahrstühle haben wir die Verletzten ins Hafenkrankenhaus transportiert, schließlich kam es auf jede Minute an."

 

In den Anfängen der Bundesrepublik gehörte Improvisation zum Alltag, auch bei den Johannitern. "Ich kann mich gut daran erinnern, dass wir ab 1954 zum Sanitätseinsatz ins Volkspark Stadion mit der S-Bahn oder Straßenbahn gefahren sind – in voller Montur: Sandfarbene Sanitäteruniform, lederne Sanitätstasche und die Eisentrage mit Wolldecken im Gepäck", so Dirk Walter. "Da sind meine heutigen Kollegen deutlich besser ausgestattet." Auch die Einsätze des Rettungsdienstes unterscheiden sich heute sehr von denen in der Startphase der jungen Hilfsorganisation. "Am Wochenende haben wir mit unserem ersten Rettungswagen ehrenamtlich Autobahndienste an der Süderelbbrücke und am Horster Dreieck geleistet. Wenn wir von der Polizei über das Funkgerät das Codewort für „Unfall mit Verletzten“ hörten, sind wir sofort losgefahren und haben geholfen." Das Magazin 'Der Spiegel' stiftete den Johannitern später eine kleine Hütte am Horster Dreieck, die für die Wochenenddienste als Sanitätsstation genutzt werden konnte.

 

Seitdem hat sich viel getan: Aus dem rein ehrenamtlichen Verein ist eine moderne Hilfsorganisation gewachsen, die neben dem professionellen und TÜV-zertifizierten Rettungsdienst auch zahlreiche weitere Dienstleistungen anbietet. Eine Aufgabe für die Zukunft ist die Gewinnung neuer Helfer. "Die Jugendarbeit lag mir immer am Herzen. Ich lebe nach dem Motto 'Jeder braucht ein Ehrenamt und wünsche mir, dass viele Johanniter-Generationen die Freude am Helfen und Gebrauchtwerden erleben."

Ansprechpartnerin: Maria Bönisch

Helbingstraße 47
22047 Hamburg