Hamburger Hospizwoche: Veranstaltung der Johanniter und dem Hospiz am Israelitischen Krankenhaus

Hamburg, 14. Oktober 2015

Teilnehmer der Podiumsdiskussion am Israelitischen Krankenhaus (Foto: M. Egleder)

Josef Joffe, Dr. Maja Falckenberg, Franz Müntefering und Elke Lütgenau-Hawae (v.l.n.r. Foto: M. Egleder)

Ingrid Schumacher und Elke Lütgenau-Hawae (v.l.n.r. Foto: M. Egleder)

Im Rahmen der Hamburger Hospizwoche luden das Hospiz am Israelitischen Krankenhaus  und die Johanniter-Hospiz-Ambulanz am 14. Oktober zu einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion mit Franz Müntefering ein.

Der Ex-­Vizekanzler sprach sich in einem einleitenden Vortrag für den Ausbau der Hospiz-­ und Palliativversorgung und nachdrücklich gegen aktive Sterbehilfe aus, deren gesetzliche Neuregelung im Bundestag aktuell intensiv diskutiert wird. „Ich bin dafür, dass wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur aktiven Sterbehilfe so belassen, wie sie sind“, sagte er. Immerhin gehe es um die ärztlich assistierte Beihilfe zur Selbsttötung und darüber seien sich nur wenige Menschen im Klaren. Franz Müntefering, der sich aus der Politik zurückzog, um seine damals an Krebs erkrankte Frau Ankepetra bis zum Schluss zu begleiten, betonte den Wert von Hospizarbeit und Palliativmedizin: „Sie sind die schönste und größte Bürgerbewegung, die wir haben. Und ohne Ehrenamt gibt es kein Hospiz.“

Im Anschluss an die engagierte Rede Franz Münteferings kam bei der Podiumsdiskussion neben Experten, wie die Palliativexpertin Dr. Maja Falckenberg und die Seelsorgerin Ingrid Schumacher, Elke Lütgenau-Hawae von der Johanniter-Hospiz-Ambulanz zu Wort. Die 17 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Johanniter-Hospiz-Ambulanz ergänzen das Angebot des stationären Hospizes am Israelitischen Krankenhaus im Bereich der alltäglichen menschlichen Begleitung der sterbenden Patienten. Elke Lütgenau-Hawae erklärte, dass jeder Mensch ehrenamtlich in der Sterbebegleitung tätig werden kann, der mit Herz und Verstand seine Persönlichkeit hinter die Bedürfnisse des zu Betreuenden stellen kann, sei es im Hospiz oder auch im Zuhause der Menschen. "Sterbebegleitung kann man auch sinnbildlich wie ein Geländer verstehen. Man begleitet im Tempo des zu Betreuenden. Jeder Patient ist individuell. Es gibt keine Regeln bei der Sterbebegleitung", so Lütgenau-Hawae. ZEIT-Herausgeber Josef Joffe moderierte die Diskussion. Die Experten waren sich einig wie bedeutsam die umfassende Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase und ihren Angehörigen in Hospizen ist. Besonders am Herzen liegt ihnen eine individuelle Ausrichtung der medizinischen, pflegerischen und seelsorglichen Betreuung. Josef Joffe schloss den Abend unter langem Applaus der 170 Zuhörer.

 

Zur Verstärkung des ambulanten Hospizdienstes suchen die Johanniter weitere ehrenamtliche Hospizbegleiter. Sterbebegleiter geben Menschen und Angehörigen Kraft auf ihrem letzten Weg. An zwei Abenden informieren die Johanniter über die unterschiedlichen Tätigkeiten der ehrenamtlichen Hospizbegleiter und zu den Grundkursen "Sterbende begleiten lernen". Der nächste Kurs startet im Februar 2016 und bereitet professionell und sensibel auf die Tätigkeit als Sterbebegleiter vor.

 

Infoabende für Kursinteressierte "Sterbende begleiten lernen"

Montag, 30.11.2015 und 25.01.2016,  je 19:00 Uhr, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Regionalgeschäftsstelle, Helbingstraße 47, 22047 Hamburg

Um Anmeldung wird gebeten. Anmeldung und weitere Information unter 040/65054-470 oder per Mail an hospizdienst.hamburg@johanniter.de

 

Zum Grundkurs "Sterbende begleiten lernen"

Die Schulung setzt sich mit folgenden Fragen auseinander: Wie begegne ich Menschen in deren letzter Lebensphase? Was erwartet mich eigentlich als Hospizhelfer/in? Wie gehe ich selbst mit Trauer um? Weitere Themen sind: Grundlagen der Gesprächsführung, die Prozesse der Sterbephasen nach Kübler-Ross, Patienten- und Betreuungsverfügung, Rituale des Abschieds. Der Kurs findet im Zeitraum Februar bis Juni 2016 statt und umfassen ca. zehn Unterrichtseinheiten, die abends unter der Woche sowie zum Teil samstags absolviert werden. Teilnehmen kann jeder, der sich mit den Themen Tod, Trauer und Sterben auseinandersetzen möchte. Eine Entscheidung über eine ehrenamtliche Mitarbeit in der Hospizgruppe der Johanniter will dieser Kurs erst ermöglichen, sie ist nicht Teilnahmebedingung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, ein Praktikum in einer Senioreneinrichtung oder im Hospiz zu absolvieren.