Ukraine-Hilfe

Die Osteuropahilfe der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. in Hamburg transportiert jährlich etwa 20 Tonnen Hilfsgüter nach Kiew transportiert. Bei den gesammelten Sachspenden handelt es sich in erster Linie um gebrauchte Bekleidung, Sanitäts- und Krankenhausbedarf sowie Schulausstattung, Kinderspielzeug und Fahrräder für Krankenhäuser, Schulen und gemeinnützige Einrichtungen. Seit mehreren Jahren engagieren wir uns über den Mizhnarodnyj Blagsdijnyj Fond "Olyva" in Kiew/Ukraine, indem wir Krankenhausbedarf und Kleiderspenden sammeln, sortieren und mehrfach pro Jahr auf Hilfsgütertrailern dorthin senden. Die Transportkosten wurden bisher jeweils von dem Mizhnarodnyj Blagsdijnyj Fond "Olyva" übernommen. Edda Lipphardt kümmert sich bei uns engagiert um dieses Projekt und hält den Kontakt zu dem katholischen Priester Maxim Mauritsson, der seit 14 Jahren in Kiew lebt und dort Bedürftige unterstützt.

 

 

Wie alles begann...


„Bei einer Zugfahrt Anfang 2002 saß neben mir ein netter älterer Herr, der in einem Brevier mit kyrillischer Schrift las – wir kamen ins Gespräch: Es war Maxim Mauritsson, ein katholischer Priester, gebürtiger Schwede, der seit vielen Jahren in der Ukraine lebt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, den armen Leuten zu helfen. Maxim hat Theologie, Medizin und Physik studiert, spricht 10 Sprachen
und ist inzwischen 84 Jahre alt. Er reist immer noch quer durch Europa um Hilfstransporte zu organisieren. Dazu hält er oft Vorträge oder gibt Orgel- und Klavierkonzerte, um Spenden zu sammeln. Für sich selbst gibt er nichts aus, außer den Reisekosten, er lebt in totaler Bedürfnislosigkeit. In Kiew arbeitet er mit dem Fond ‚Olyva‘, einer staatlich kontrollierten Organisation, zusammen. Sie wird von Frau Valentina Budovna geleitet, die vor Ort die Verteilung der Hilfsgüter organisiert (siehe auch Besuchsbericht über den Besuch in Kiew 2008 von H.B. Harms). Dank der Johanniter Auslandshilfe in Hamburg ist es möglich, eingehende Sachspenden (viel Kleidung) zu sortieren, zu verpacken und in der Lagerhalle Brandstücken 19 für den Transport zwischenzulagern. Der Fond ‚Olyva‘ steht in Kontakt zu einer Spedition vor Ort in Kiew, die nach Absprache Trailer, die meist schon in Deutschland unterwegs sind, nach Hamburg dirigiert, wo sie dann von Ehrenamtlichen o.a. beladen werden. Bei einem Besuch in Kiew im Jahr 2008 konnten wir (Harm Bastian Harms, Leiter der Johanniter Auslandshilfe Hamburg; Ortwin Krieger, ehrenamtlicher Helfer und Fachmann für Russisch; Edda Lipphardt, ehrenamtliche Helferin und Kontakt-Frau zu Maxim Mauritsson) uns von der guten und korrekten Arbeit vor Ort überzeugen, verschiedene Institutionen und Krankenhäuser besuchen und zum Teil Spenden wiedererkennen, die hier in Hamburg auf den Trailer verladen wurden, z.B. Computer, Krankenhausbetten u.a. Im Krankenhaus Iwankiv, ganz dicht vor Tschernobyl, werden z.B. unter einfachsten Bedingungen Menschen mit Spätfolgen der ‘Katastrophe‘ betreut. Dort traf ich eine Untersuchungsliege aus einer Arztpraxis wieder, die einer älteren Frau als Bett diente. Die Krankenhausbetten, die in Deutschland im Rahmen der Umstrukturierung auf ‚elektrisch‘ entsorgt werden, landen mit Glück bei den Johannitern und treten die Reise nach Kiew an, wo sie als großes Geschenk empfangen werden. Die Krankenhäuser für Arme, die ja keinerlei Versicherungsschutz haben, sind derart schlecht ausgestattet, dass Nahtmaterial, Verbandsstoffe, Stethoskope, Geräte aller Art, Betten, Wäsche, einfach alles gebraucht wird. Dank guter Kontakte einer Organisation in Cuxhaven konnten 2009 und 2010 mehrere Trailer voller Krankenhausbetten in die Ukraine geschickt werden.“
 

(Bericht von Edda Lipphardt, Oktober 2010)

 

 

Die Bedarfssituation in der Ukraine


Im Juli 2008 reisten Harm Bastian Harms, Leiter des Hamburger Auslandzentrums zusammen mit Edda Lipphardt und Ortwin Krieger als Dolmetscher aus der Hamburger Auslandshilfegruppe nach Kiew, um die Mitarbeiter des ukrainischen Partners persönlich kennen zu lernen, einige von den Empfängern der Hilfsgüter zu besuchen und sich einen Eindurck von der Situation vorort zu verschaffen. Dabei sprachen sie mit der Leiterin des Mizhnarodnyj Blagsdijnyj Fond ‚Olyva‘, Frau Valentina Budovna, und wurden von Ihr und Maxim Mauritsson zu den einzelnen Einrichtungen begleitet. Der Mizhnarodnyj Blagsdijnyj Fond "Olyva" hat seinen Sitz auf einem teilweise nicht mehr genutzten Ausstellungsgelände am Stadtrand von Kiew. Er hat inklusive Frau Budovna drei Mitarbeiter und nutzt eine Lagerhalle, wo die Hilfsgüter bis zur Auslieferung an die jeweiligen Empfänger unter Zollverschluss lagern.


Der Fond Olyva
Der Fond "Olyva" besitzt eine Lizenz zur Einfuhr humanitärer Hilfe. Er führt eine Art Vermittlerfunktion zwischen den Spendern im Ausland und den Organisationen in der Ukraine durch, die die Humanitäre Hilfe weiter verteilen oder, wie Krankenhäuser, selbst einsetzen. Zur Finanzierung der Transportkosten sucht die Leiterin des Fonds, Frau Budovna, jeweils Sponsoren in der Ukraine, die einen Teil der Transportkosten übernehmen, wenn z.B. das Krankenhaus in ihrer Stadt Hilfsgüter aus Deutschland erhält. Dieses ist nicht einfach, funktioniert aber bis heute noch so einigermaßen. Uns wurden ein ganzer Stapel Anfragen nach humanitärer Hilfe aus allen Bereichen der Ukraine gezeigt. Darunter sind verschiedene Krankenhäuser, örtliche Rot-Kreuz-Verbände oder Sozialeinrichtungen. Diese Anfragen haben sich die Hamburger Auslandhelfer auszugsweise kopieren und von Ortwin Krieger übersetzen lassen. Die Hamburger Auslandhelfer besuchten in Kiew vorort die folgenden Einrichtungen, die einen Spendenbedarf beim Fond ‚Olyva‘ gemeldet haben:


Institut für Ökonomie und Verwaltung in Bela Cerkva


Bela Cerkva ist eine größere Stadt ca. 70 km südlich von Kiew, die stark unter der radioaktiven Belastung nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl gelitten hat. Herrn Petro Vadymowich Schischkowskij, Prorektor des Instituts, war als Oberst der sowjetischen Streitkräfte drei Jahre in Halle an der Saale stationiert. In dem Institut, welches im weiteren Sinne zur Universität in Kiew gehört und zu einem großen Teil von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl betroffenen Kindern eine Berufsausbildung in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung mit akademischem Abschluss ermöglicht, war mit aus Hamburg gespendeten Computern eine Computerklasse eingerichtet worden , in der Jugendlichen in englischer Sprache am Computer arbeiten. Er bedankte sich für die Hilfe der Johanniter. Das Projekt erschien nach Eindruck der Auslandshelfer unbedingt weiter unterstützenswürdig.


Diese Einrichtung hat folgenden weiteren Bedarf:
- Schulmöbel für Kinder ab 10 Jahre
- gebrauchte Kopierer, Faxgerät, Scanner
- Computer,
- Diaprojektor
- Overheadprojektor


Onkologische Klinik in Bela Cerkva


In einem Gespräch mit dem Chefarzt Jaroslav Födorowich Kolesnik erläuterte dieser, dass das größte Problem die Diagnostik sei. Aus Kostengründen wird in der Ukraine keine Mammografie durchgeführt. Die Ärzte seien durch Schulungen im Ausland gut ausgebildet, jedoch bedauert er sehr, dass er seinen Ärzten oftmals nicht einfachstes Handwerkszeug bieten kann. Für unsere Hilfe der Hamburger Johanniter ist er sehr dankbar und zeigt wo überall die aus Hamburg gespendeten Krankenhausbetten in seinem Hause wieder zum Einsatz kommen. An dem Gespräch mit den Hamburger Johannitern nahm auch die stellvertretende Direktorin des Krankenhauses teil, die Mitglied im Verband der Unternehmer der Ukraine ist. Sie sagte zu, dass der Verband der Unternehmer der Ukraine die Transportkosten für einen Sattelzug von Hamburg über Kiew nach Bela Cerkva übernehmen wird.


Diese Einrichtung folgenden weiteren Bedarf:
- Gerät zur Mammographie
- Krankenhausbetten
- Ultraschallgerät
- Endoskope
- Gastroskope
- Zystoskop
- Krankenhausbettwäsche
- Chirurgische Instrumente
- Nadeln + Nahtmaterial
- bewegliche OP Leuchten
- Rollstühle + Gehhilfen


Krankenhaus in Iwankiv


Besonders am Herzen lag Valentina Budovna ein Besuch im Krankenhaus in Iwankiv. Iwankiv ist der Verwaltungssitz des Iwankiv Rajons und liegt ca . 40 km vom zerstörten Reaktor in Tschernobyl entfernt sowie ca. 80 km nördlich von Kiew. Es gehörte zu der Zone, aus der Menschen einige Tage nach der Reaktorkatastrophe evakuiert wurden und erst seit wenigen Jahren wieder zurückkehren können. Über die derzeitige radioaktive Belastung des Gebietes gibt es keine verlässlichen Auskünfte. Wir sahen überwiegend ältere Menschen. An der Landstraße werden Pilze und Beeren zum Verkauf angeboten, die sicherlich noch stärker radioaktiv belastet sein dürften. Das Krankenhaus in Iwankiv besteht aus einer medizinischen Ambulanz inklusive Bettenstation und einer neurologischen Abteilung mit 40 Betten. Ein Neubau wurde 1986 (dem Jahr der Reaktorkatastrophe) nicht mehr fertiggestellt und verfällt seit dem. Aus Quarantänegründen konnte nur die neurologische Station besichtigt werden, die überwiegend ältere bis ganz alte Patienten beherbergt. Das Krankenhaus hat in den vergangenen Jahren schon einige, wenige Male humanitäre Hilfe erhalten. Frau Budovna findet jetzt aber keine Sponsoren mehr und würde hier gerne engagiert helfen, wenn sich die Kosten für einen Transport vielleicht hier bei uns in Deutschland aufbringen ließen. Institut für Tuberkulose & Lungenkrankheiten in Kiew Dieses Institut konnte auf der Reise nicht mehr besucht werden. Nach Auskunft von Maxim Mauritsson benötigt es aber dringend ein gebrauchtes Bronchoskop.

 

(aus einem Bericht von Harm Bastian Harms, Juli 2008)