Krankenhausübung

Hamburg, 08. November 2016

Hamburger Marienkrankenhaus probt Versorgung von 80 Verkehrsunfallopfern unter den Augen von Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks

Täuschend echt verletzt und erstversorgt - zwei Verletztendarsteller werden von Julian Jungjohann für die Übung vorbereitet

Am Donnerstag, den 3. November gegen 18.30 Uhr meldet der Lagedienst der Feuerwehr Hamburg, in der von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz vorbereiteten und verantworteten Übung, einen schweren Verkehrsunfall im Hamburger Stadtgebiet, und bittet das Marienkrankenhaus, unverzüglich entsprechende Vorkehrungen für die Aufnahme und Versorgung der Verletzten zu treffen. Die Lage sei noch unübersichtlich. Es gäbe schätzungsweise 80 Verletzte, darunter auch Schwerverletzte mit Rauchgasvergiftungen, da einige der verunglückten Fahrzeuge in Brand geraten seien. In zirka 20 Minuten würden die ersten von ihnen mit den Rettungsmitteln in der Notaufnahme ankommen. Aber auch einzelne Personen hätten sich als „Selbsteinweiser“ eigenständig auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.

Was die abendliche Routine, selbst in der Notaufnahme, in der Klinik auf einen Schlag aufhebt, kann die 25 Helferinnen und Helfer der Johanniter-Unfall-Hilfe und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) sowie knapp 75 Verletzten-, Angehörigen und Pressedarstellerinnen und -darsteller nicht aus dem Konzept bringen. Sie haben sich längst zu dieser behördlich angeordneten Übung angemeldet, die jede Klinik mit Notaufnahme alle paar Jahre durchlaufen muss. Die knapp 70 Verletzten- und Angehörigendarsteller sind größtenteils Auszubildende von Kranken- und Pflegefachschulen. Die Pressereferenten aus dem Landesverband Nord und ein Johanniter Rettungssanitäter aus dem Ortsverband Nördliches Hamburg, der gleichzeitig Kommunikationsdesign studiert, wechseln für die Übung komplett die Seiten und geben alles in ihren Rollen als Journalisten, um der Pressestelle des Marienkrankenhauses so richtig auf den Zahn zu fühlen und deren Kompetenzen im Krisenfall zu testen.

Aber erstmal heißt es für Einsatzleiter Julian Jungjohann, Zugführer und Leiter der Realistischen Unfalldarstellung (RUD) im Regionalverband Harburg, mit Effizienz und Besonnenheit diverse krankheitsbedingte Ausfälle bei den Verletztenpräparatoren und in der Leitung der Helfer und Helferinnen zu kompensieren. Als das Krankenhauspersonal die Übungsmeldung bekommt, laufen die Vorbereitungen in der Hauptfeuer- und Rettungswache der Hamburger Feuerwehr am Berliner Tor bereits zwei Stunden lang auf Hochtouren: Das RUD-Team gibt alles, um die Mimen nicht nur realitätsgetreu verletzt, sondern auch erstversorgt aussehen zu lassen. Ganz so, wie sie nach einer wirklichen Massenkarambolage in der Notaufnahme eines Krankenhauses ankämen. Die Helferinnen und Helfer der Johanniter, der DLRG und die Mitarbeiter der Feuerwehr stellen die nötigen Rettungs- und Transportmittel im Hof der Wache bereit.

In einem etwas abgelegenen Raum sitzt unterdessen eine ganz andere Runde zur Übungseinweisung zusammen: Neben Cornelia Prüfer-Storcks, der Hamburger Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, die als Gast an der Übung unter der Regie ihrer Behörde teilnimmt, lassen sich 30 Übungsbeobachterinnen und -beobachter, darunter viele Ärzte von Ines Lampe, der Katastrophenschutzreferentin und Übungsleitung der BGV, mit letzten Details instruieren. Dann beginnt Helge Timm, Sanitätsdienstkoordinator im Ortsverband Quickborn, Einsatzkräfte und Darsteller aufzurufen, und es geht los.

Viel bekommen wir nicht mehr voneinander mit während der Übung. Zu weit liegen die Betreuungsräume, in denen sich die Psychologen des Palliativ-Care-Teams von der Klinik um die Angehörigen kümmern, die Behandlungsplätze der Verletzten und das Informationszentrum für die Pressevertreter auseinander. Um halb zehn treffen wir wieder aufeinander, nachdem die Übungsleitung feststellt, dass alle geplanten Verletzen eingetroffen und versorgt sind, und die Übung für beendet erklärt.

Zurück auf der Wache zieht dann auch Einsatzleiter Jungjohann mit Blick auf den Part, den die Hilfsorganisationen übernommen haben, ein positives Fazit: „Für uns war es super stressig, aber alles ist gut gelungen!"

Fotos: Margareta Mensch / Johanniter

Pressestelle: Aleksandra Doneva

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Regionalverband Harburg
Am Saal 2
21217 Seevetal