Weihnachten an der Rettungswache Elstorf

Elstorf, 22. Dezember 2017

Notruf zwischen Mandarinen und LED-Gesteck

Der Duft von Mandarinen erfüllt den Pausenraum der Rettungswache Elstorf. Auf dem Esstisch steht ein Adventsgesteck mit einer großen weißen LED-Kerze. "Dann müssen wir nicht daran denken, die Kerze auszupusten, wenn wir schnell zum Einsatz müssen", erzählt Patrick Ploch. Der Wachleiter der Johanniter-Rettungswache Elstorf hat heute gemeinsam mit seiner Kollegin und Stellvertreterin Karin Tiege-Schulze Dienst. Für Notfalldienst-Mitarbeiter bedeutet das vor allem eines: warten. Warten auf den nächsten Einsatz. "Das Schöne an unserem Beruf ist, dass wir nie wissen, was der Tag bringt", sagt Ploch, der von seinen Kollegen liebevoll "Padda" genannt wird.

Gedanken auf dem Weg zum Einsatzort

Wenn die Rettungswache Elstorf alarmiert wird, hat irgendwo im Landkreis Harburg eine Person die Notfallnummer 112 gewählt. "Der Anruf geht zuerst an die Rettungsleitstelle in Winsen ein, die den Notfall aufnimmt und die wichtigsten Fragen abklärt", erzählt der Johanniter. Danach geht ein Einsatzfax und parallel dazu eine digitale Meldung nach Elstorf oder eine andere Rettungswache, die einsatzbereit ist. 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr. In Elstorf stellen die Johanniter täglich rund um die Uhr einen Rettungswagen sowie einen zweiten Rettungswagen als Tagdienstverstärker für die Samtgemeinden Neu Wulmstorf, Hollenstedt und Teile der Gemeinde Rosengarten. Wenn das grüne Einsatzlämpchen im Pausenraum leuchtet und ein akustisches Signal ertönt, geht es los. Das Faxgerät wirft zeitgleich ein Blatt mit dem Einsatzort und einem Einsatzstichwort aus.

"Der Vorteil ist, dass man sich auf dem Weg zum Einsatzort nicht viel grübelt, was man vorfindet, weil man keine Details kennt", sagt Ploch. Denn als im Rettungsdienst Tätiger sollte man es tunlichst vermeiden, mit einer fertigen Diagnose zu einem Notfallopfer zu fahren. "Vor Ort wird der Patient genau begutachtet und erst danach stellen wir die Diagnose." Doch es gebe auch Fälle, bei denen mehr Details auf eben diesem Einsatzfax stehen. Zum Beispiel, dass Kinder betroffen sind. Oder noch weitere Feuerwehren alarmiert wurden. "Das kann auf einen schweren Verkehrsunfall hindeuten. Da macht man sich bei der Anfahrt schon seine Gedanken", berichtet Ploch, der selbst Vater von zwei Kindern ist.

Einsatznachsorge bei schweren Fällen

Fast zehn Jahre ist es her – sein eigener Sohn war gerade geboren – da wurde er mit einem Kollegen zu einem Verkehrsunfall gerufen, bei dem die Fahrerin des Wagens ums Leben gekommen ist und ihr kleines Kind schwer verletzt in seinem Kindersitz auf dem Rücksitz saß. "Ich versuche, die Arbeit bei der Arbeit zu lassen. Aber es gibt Einsätze, die haften bleiben. Das war ein solcher." Plochs Frau ist ebenfalls bei den Johannitern aktiv und in der Einsatznachsorge geschult. Er war dankbar, in diesem Fall eine Einsatznachsorgekraft direkt zu Hause zu haben.

Bei ihren Einsätzen erleben Tiege-Schulze und Ploch täglich die gesamte Bandbreite der Notfallmedizin: "Wir werden zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Beinbrüchen, Krampfanfällen, Platzwunden und Kindernotfällen gerufen", sagt Ploch, der auch schon bei zwei ungeplanten Hausgeburten als Hebamme fungieren musste. Meist sind es aber keine freudigen Ereignisse, die die Rettungskräfte begleiten: "Es passieren eben schlimme Dinge. Wir tun unser Bestes, um zu helfen, aber manchmal hat es eben nicht sein sollen", weiß Tiege-Schulze.

Sie und ihre Kollegen sind schon jahrzehntelang bei den Johannitern dabei – auf die stolze Summe von insgesamt 100 Jahren Erfahrung kommt das Team an der Rettungswache Elstorf: Rettungsassistent Wolfgang Junker ist seit 30 Jahren dabei, Karin Tiege-Schulze und Rettungsassistent Holger Geske beide 25 Jahre sowie Rettungsassistent Nils Möller und Patrick Ploch beide zehn Jahre.

Ein Danke an der Wache

Wenn das Team aus Elstorf einen Patienten ins Krankenhaus bringt, ist die Arbeit abgeschlossen. Meist erfahren sie nie, was aus den Menschen geworden ist. Aber es gibt auch Ausnahmen: Vor drei Jahren gab es einen schweren Verkehrsunfall, bei dem zwei Männer ums Leben gekommen sind und ein schwer verletzter Mann von den Elstorfer Johannitern gerettet werden konnte. "Die Mutter von dem Überlebenden kommt jedes Jahr zu uns und bedankt sich. Das ist toll, weil man eine Rückmeldung für seine Arbeit bekommt", freut sich Tiege-Schulze über diese Geste.

Neben der weihnachtlichen Deko achten die Elstorfer Johanniter auch darauf, dass ihre Mitarbeiter eine Kleinigkeit geschenkt bekommen. "Wir möchten uns damit für die geleistete Arbeit und ihren Einsatz bedanken", sagt Tiege-Schulze. Und natürlich kommt in der Rettungswache Elstorf an Weihnachten auch etwas Festliches auf den Tisch: "Am besten sind Gerichte, die man gut vorbereiten kann und die – wenn ein Notfall reinkommt – auch später noch mal aufgewärmt werden können", sagt die 48-Jährige, die begeisterte Hobbyköchin ist. An Heiligabend hat sie die Erfahrung gemacht, dass es eher ruhig bleibt: "Da wollen uns die Leute zu Hause nicht sehen. Erst am 1. und 2. Weihnachtstag kommen die Anrufe."

Raclette in der Rettungswache

Für Silvester gibt es auch schon Planungen: "Da machen wir Raclette. Jeder bringt etwas mit, wir setzen uns zusammen, reden und essen", erzählt Tiege-Schulze. Aus der Erfahrung der letzten Jahre weiß sie: "Um Mitternacht können wir kurz mit einem alkoholfreien Sekt anstoßen und dann geht die Arbeit für uns los."

Pressestelle: Sonja Schleutker-Franke

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Regionalverband Harburg
Am Saal 2
21217 Seevetal