Johanniter stark im EU-Katastrophenschutz

Tinglev/ Rendsburg/ Bad Oeynhausen, 08. Februar 2018

EURACARE Flight & Shelter ist eine neue Einheit im Katastrophenschutzverfahren der Union, welche in weltweiten Krisensituationen EU-Bürger evakuieren kann.

Als Gemeinschaftsprojekt der Johanniter-Unfall-Hilfe, der Flugbereitschaft der slowakischen Regierung, des slowakischen Arbeiter-Samariter-Bundes und der österreichischen Landesregierung der Steiermark ist das Team in der Lage, mit einem Airbus A319 schnell und unkompliziert in Krisenregionen zu fliegen, um EU-Bürger zurück nach Europa zu transportieren. Vom 25. bis 29. Januar übte die Komponente innerhalb der europäischen Katastrophenschutzübung (EU-ModEX) in Süd-Dänemark und dem Norden Schleswig-Holsteins. Hier will sie ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.

In diesem Projekt ist auch Guido Schanz, ehrenamtlicher Johanniter in Bad Oeynhausen, engagiert. Guido Schanz ist seit 28 Jahren im Katastrophenschutz in den Kreis Minden-Lübbecke und Herford aktiv und seit 10 Jahren auch auf europäischer Ebene. „Ich finde es spannend, in einem europäischen Kontext gemeinsam Krisen zu bewältigen. Der europäische Gedanke wird in solchen Momenten besonders gelebt“, beschreibt Guido Schanz seine Motivation für die vielen zusätzlichen Fortbildungsstunden und zusätzlichen Übungen.

„Dieses Gemeinschaftsprojekt ist einzigartig im Katastrophenschutzverfahren der Union und zielt auf die neuen Lagen, die sich in den letzten Jahren herausgebildet haben“, sagt Bastian Harms, Leiter Internationale Projekte und Kooperationen der Johanniter-Unfall-Hilfe. Ziel ist es, nach der Übung eine Registrierung für CECIS vorzunehmen - ein System, welches den Informationsfluss der beteiligen EU-Länder unterstützt - um im Krisenfall schnell alarmiert werden zu können.

Deutsche, finnische und ungarische Johanniter simulierten in einem 20-köpfigen multinationalen Team einen Hilfseinsatz nach einem Erdbeben und begleiteten die Übung fachlich. Das Team betreute betroffene Menschen psychosozial, versorgte sie medizinisch und bot logistische Unterstützung an, um sie dann in ihre Heimatländer transportieren zu können. Weitere EU-Module für den Bereich „Suchen und Retten“ sowie medizinische Versorgungseinheiten aus Finnland, Italien, Rumänien, den Niederlanden, Polen und Frankreich nehmen an dieser Übung teil.

Euracare Flight & Shelter

Ob Naturkatastrophen oder politische Krisen – immer wieder kommt es zu Situationen, in denen größere Gruppen von EU-Bürgern aus einer betroffenen Region ausreisen müssen. Oft sind die Kapazitäten von Flughäfen oder Hafen vor Ort ausgelastet oder beschädigt. Menschen sammeln sich an Verkehrsknotenpunkten und kommen nicht weiter. Hier setzt das Projekt Euracare Flight & Shelter an. Es bietet konsularische Unterstützung für betroffene Botschaften, bietet Unterkunft für bis zu 100 Personen, sowie psychosoziale Betreuung und medizinische Versorgung für leicht und mittelschwer verletzte Personen. Durch das projekteigene Flugzeug können bis zu 69 Personen pro Flug ausgeflogen werden. Die psychosoziale und medizinische Betreuung ist auch während des Fluges abgesichert.

EU-ModEX

Europaweite Katastrophenschutzübungen sind Teil des Europäischen Zivilschutz-Mechanismus. Die EU-ModEX in Tinglev ist die zweite von fünf europaweiten Übungen bis September 2018. Die Johanniter nehmen nicht nur mit einem Einsatzteam daran teil, sondern leiten diesen Übungszyklus federführend.