Johanniter-Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge schließt

Münster, 30. September 2017

Alev Akdeniz und Thorsten Uphues, Sozialarbeiter der JUH kümmern sich um die Jugendlichen

Am 30. September 2017 schloss die von den Johannitern geführte Wohngruppe für unbegleitete, minderjährige Ausländer (UMA) auf dem Gelände der Oxford-Kaserne. Da die Brückeneinrichtung, zur Entlastung des Jugendamtes, nun nicht mehr benötigt werde, wird die Stadt Münster den Vertrag nicht weiter verlängern. In diesem Zuge begegnet Alexander Milic von der Stadt Münster, Johanniter Regionalvorstand Udo Schröder-Hörster mit großem Dank für den unermüdlichen Einsatz und das oftmals ganz persönliche Engagement der MitarbeiterInnen.

Einsatz in schwierigen Zeiten

„In einer angespannten Flüchtlingssituation haben die Johanniter, gerade für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, Möglichkeiten geboten, sie stets individuell und auf den Bedarf angepasst zu betreuen“, so Alexander Milic von der Stadt Münster. Dass die Arbeit seines Teams diese Wertschätzung erfährt, freut Schröder-Hörster sehr, auch wenn er diesen Dienst am Nächsten gerne weitergeführt hätte. „Diese Kinder und Jugendlichen brauchen unseren Schutz! Sie sind in eine Lebenslage geraten, für die sie in keinem Falle die Verantwortung tragen. Hier zu helfen war uns eine Herzensangelegenheit“, beschreibt der Vorstand die Einsatzarbeit.

v.l. Thorsten Uphues u. Alev Akdeniz (Sozialarbeiter JUH), Daniel Nießen (Einrichtungsleitung)

So geht es auch Thorsten Uphues und Alev Akdeniz, die als Sozialarbeiter der JUH den teilweise schwer traumatisierten Minderjährigen einen ersten Halt in der Einrichtung geben konnten, nach oft monatelanger Phasen in Angst und Unsicherheit. Für insgesamt 50 Jugendliche, boten die Johanniter seit dem 1. Januar 2016 einen Schutzraum. „Unsere Aufgabe war und ist weit mehr, als lediglich die Unterbringung und Versorgung sicherzustellen oder ihnen bei den Behördengängen zu helfen. Es geht darum, das Vertrauen der jungen Menschen zu gewinnen, die bislang auf sich allein gestellt waren und sich fern der Heimat befinden. Wir möchten ihnen zeigen: Wir nehmen dich ernst, du bist nicht allein“, so Thorsten Uphaus.

Rund um die Uhr waren er und seine KollegInnen für die minderjährigen Jugendlichen als Ansprechpartner vor Ort. Neben den Unterbringungskosten, die durch das Jugendamt finanziert wurden, konnten die Johanniter dank einer großzügigen Spende von Leon Windscheid, aus der Eröffnungsveranstaltung der „MS Günther“, viele zusätzliche Aktionen realisieren. Das waren unter anderen gemeinsame Zoobesuche in den Allwetterzoo, Kanutouren über die Werse oder die Teilnahme an Jugend-Zeltfreizeiten. „In diesen Momenten rücken die Ungewissheit, der graue Alltag und auch die grauenvollen Erfahrungen aus ihren Heimatländern in den Hintergrund“, erklärt Alev Akdeniz. 

Dass diese Aufgabe nun endet, stimmt Thorsten Uphaus und Alev Akdeniz traurig. Die Arbeit sei herausfordernd, aber jeder kleine Erfolg, wie die Einbindung in eine schulische Einrichtung oder ein offenes Gespräch, machten es lohnenswert. Der Betrieb auf der Oxford-Kaserne geht für die Johanniter im Bereich der Erstaufnahmeeinrichtung weiter.

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Die Einrichtung für unbegleitet, minderjährige Ausländer (UMA) wurde am 1. Januar 2016 auf dem Gelände der Oxfordkaserne eröffnet. Sie diente mit insgesamt neun Plätzen als Brückeneinrichtung um im Zuge des Clearing-Verfahrens das Jugendamt Münster zu entlasten. In diesem Verfahren, werden die individuellen Lebens- und fluchtumstände geklärt. Dazu zählen zum Beispiel Fluchtgründe, Verwandte in und außerhalb Deutschland und welche Vorstellungen, Wünsche und Ziele die Jugendlichen in Deutschland haben. Die Einrichtung bot insgesamt 50 jungen Menschen eine Unterkunft und schloss am 30. September 2017.