Tag des Ehrenamtes - Portrait von Christoph Hartmann

Hanau, 05. Dezember 2017

Tag des Ehrenamtes

Mehr als 14 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Laut einer Erhebung des IfD Allensbach wenden die meisten von ihnen bis zu fünf Stunden ihrer Freizeit in der Woche dafür auf. Allein bei der Johanniter-Unfall-Hilfe sind knapp 36.000 ehrenamtliche Helfer aktiv. Sie engagieren sich zum Beispiel im Bevölkerungsschutz, im Sanitätsdienst, im Hospizdienst, in der Seniorenbetreuung, in der Flüchtlingshilfe in den Rettungshundestaffeln und in der Erste-Hilfe-Ausbildung. Im Regionalverband Hanau & Main-Kinzig sind 139 Ehrenamtliche aktiv. „Sie alle leisten tagtäglich wertvolle Arbeit – freiwillig und unentgeltlich. Das kann man gar nicht oft genug würdigen“, meint Regionalvorstand Sven Holzschuh.

In einer losen Serie erzählen ehrenamtliche Helfer aus dem RV Hanau & Main-Kinzig, was sie motiviert, sich für die Gesellschaft im Namen der Johanniter-Unfall-Hilfe einzusetzen. Heute erzählt Christoph Hartmann wie er zur JUH kam und was ihn antreibt, sich in der Freizeit für hilfsbedürftige Menschen zu engagieren.

„Mein Name ist Christoph Hartmann, ich bin 52 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter. Obwohl ich seit jetzt gut 25 Jahren in Hessen wohne, sagt man mir nach: ‚Des is enne Fischkopp. Des heert ma noch imma.‘ Sei´s drum.

1988 war ich beim Flugtag in Ramstein, wo es zu der bekannten Flugunfall-Katastrophe kam. Vorher wollte man uns Demonstranten nicht reinlassen; nach dem Unglück hat man uns die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt: „Wenn Ihr jetzt nicht helft, kriegt Ihr ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung reingedrückt.“ Ich hatte irgendwann meinen EH-Kurs zum Führerschein gemacht. Ansonsten hatte ich keine Ahnung von der Ersten Hilfe. Also haben meine Freunde und ich beim ASB in Münster (Westfalen) eine EH-Ausbildung vergleichbar unseres Sanitätshelfers begonnen.

Mit meinem Umzug nach Hessen 1992 kam ich zu den Johannitern. Beginnend mit dem Katastrophenschutz in Hanau, habe ich 1995 dann mit einem hauptamtlichen Kollegen den Ortsverband in Bad Soden-Salmünster aufgebaut. Im Jahr 2000 kam dann noch ein Versuch mit dem Kreisverband Osthessen in Fulda dazu. Leider blieb es hier aber bei einem Versuch.

Ab Herbst 2004 wurde in Hanau eine ehrenamtlich Ortsverbandsleitung eingesetzt. Dort wurden alle Belange rund um die ehrenamtliche Arbeit im Katastrophenschutz, die Ausbildung und dem Sanitätsdienst zusammengeführt. So lernte ich Führungsarbeit kennen. Die hauptamtliche Führung kam und ging. Der Kreisverband wurde zum Regionalverband,  um später mit dem aus Offenbach zu fusionieren. Irgendwann ging man dann wieder getrennte Wege.

Wir wurden alle älter. Einige haben geheiratet, bekamen Kinder. Irgendwann hatten dann ein paar ehrenamtliche Helfer die Idee,  eine Jugendgruppe zu gründen. Die ersten Mitglieder waren fast ausschließlich die eigenen Kinder. Aber das hat uns nicht gestört. Wir haben gemerkt, dass Helfer wegbrechen und niemand mehr nach kommt. Später kamen dann andere Kinder und Jugendliche dazu. Nach einem berufsbedingten Weggang der damaligen Führung wurde ich als ‚Alter Mann‘ von den Kindern und Jugendlichen zur Regionaljugendleitung gewählt.

Durch den intensiveren Kontakt zu anderen aus der Johanniter-Jugend auf Landes- und Bundesebene habe ich 2009 auch bei der logistischen Unterstützung der Kirchentage mitgeholfen. Immer wieder ein schönes Event.

Durch einen ehrenamtlichen Kollegen wurde ich 2010 von einigen Johanniter-Rittern angesprochen, ob ich nicht in der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Hanau mit machen wolle. So bin ich 2015 das erste Mal mit einem Hilfskonvoi nach Ostpolen gefahren. Dort herrschten  damals noch ganz andere, sehr viel ärmlichere Verhältnisse als bei uns. Ich habe mich zum Teil in die 70er Jahre versetzt gefühlt. Seitdem bin ich auch regelmäßig mit den Rittern auf dem Weihnachtsmarkt am Schloss Emmerichshofen zu finden.

Und dann kam im Herbst 2015 der Zustrom der Flüchtlinge über die Balkan-Route. Gerade von einem Transport aus Ostpolen wieder in Frankfurt/Oder angekommen, erhielt ich von unserem damaligen Chef einen Anruf: „Wo bist Du? Wir müssen heute Abend eine Notunterkunft mit 1000 Betten aufbauen! Wann kannst Du in Hanau sein?“ Den Aufbau der Notunterkunft habe ich dann doch nicht mit gemacht. Ich bin dann erst mit der zweiten Alarmierung dazu gekommen. Und geblieben. Bis zur Einrichtung der HEAE in Sportsfield Housing.

Was bleibt aus dieser Zeit? Die strahlenden Augen der Kinder und der Erwachsenen, die wir dort Nacht für Nacht aufgenommen und versorgt haben. Und: Die für mich immer noch unverständliche Missgunst aus Teilen der Bevölkerung à la ‚Die kriegen das, was uns zusteht.‘; der Neid derjenigen, die nie Krieg, Not und Leid erlebt haben. Und es bleibt immer wieder die Dankbarkeit ‚unserer Bewohner‘.

Warum ich immer noch dabei bin, wurde ich bereits mehrmals von ehemaligen Weggefährten gefragt. Meine Antwort lautet: „Erst die Gruppe - dann Du!“ Solange wir der Gesellschaft, den Hilfsbedürftigen, den Kindern und Jugendlichen etwas weitergeben können, sollten wir es tun. Nur so kommt eine Gesellschaft, ein Gemeinwesen voran.

Auf viele weitere schöne Jahre mit Euch...“