Ungewöhnlicher Hilfstransport mit drei Osterhasen

Hanau, 25. April 2018

Ungewöhnlicher Hilfstransport mit drei Osterhasen

Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe liefern auf eigene Faust Hilfsgüter nach Rumänien 

1600 Kilometer hin, 1600 Kilometer zurück. Spontan. Ungeplant. Mit Hilfsgütern im Gepäck. Ziel: Rumänien. Ein Krankenhaus, das von seinem Glück nichts weiß. Und ein kleines Dorf, in dem spontane Jubelfeiern ausbrechen. So sieht sie aus, die Liebe zum Leben, mit der die Johanniter-Unfall-Hilfe über ihren Slogan wirbt. Delia, Anca und Florin Notar, Mitarbeiter des Regionalverbands Hanau & Main-Kinzig, haben den Slogan wörtlich genommen - und einen außergewöhnlichen Hilfstransport organisiert.

„Eigentlich war das eine Schnapsidee - wir hatten keinen richtigen Plan, hatten uns nicht angekündigt“, lacht Florin Notar, der zusammen mit seinen Schwestern Anca und Delia für die Johanniter in der Flüchtlingshilfe arbeitet. Dort kam dem Trio, das in Rumänien geboren wurde und das um die Hilfsbedürftigkeit der Menschen in ihrer Heimat weiß, auch die Idee für einen Hilfstransport. Insbesondere in der Kleiderkammer sammelte sich immer mehr Bekleidung an, die in der Erstaufnahmeeinrichtung in Hanau, in der die Johanniter als Dienstleister für das Regierungspräsidium Gießen agieren, keine Verwendung findet. „Wir bekommen immer wieder Kleidung, die zu groß ist oder die nicht der Jahreszeit angemessen ist“, berichtet Regionalvorstand Sven Holzschuh. Er stimmte sofort zu, als die Notars mit ihrer Idee an ihn herantraten, diese Kleidung nach Rumänien zu fahren. „Das ist sicherlich sinnvoller, als sie zu zerschreddern“, meint Holzschuh.

Aus der fixen Idee wurde schnell Realität. Anfang April brachen die Notars auf - mit jeder Menge Kleidung und allerlei medizinischem Material aus dem Lager des Regionalverbands im Gepäck. 24 Stunden dauerte die beschwerliche Tour nach Albu Iulia. Dort wurden der 42-jährige Florin und seine beiden Schwestern im örtlichen Krankenhaus vorstellig - unangekündigt. „Die waren erstmal ziemlich überrascht - und dann schnell begeistert“, erzählt Notar, der seit 1999 in Deutschland lebt. Beatmungsmasken, Spritzen und ähnliches Zubehör wechselten in den Bestand des Krankenhauses, dessen Leitung derart erfreut war, dass sie umgehend die örtliche Presse informierte. Und so landete der ungewöhnliche Hilfstransport aus Deutschland auch prompt in der lokalen Tageszeitung. Chefärztin Dr. Maria Hannelore Kast, eine Deutsch-Rumänin, setzte sogar noch ein offizielles Dankesschreiben auf, das flugs übersetzt wurde und dass die Notars voller Stolz als Andenken an die Reise mitgebracht haben.

Noch enthusiastischer werden sie aber, wenn sie von der zweiten Station ihrer Reise berichten. Pünktlich zum orthodoxen Osterfest kamen sie in ihrem Heimatdorf Bagaciu an. „Da haben wir einfach an einer zentralen Kreuzung gehalten, den Transporter geöffnet und die Kleidung verteilt“, schmunzelt Florin Notar. „Innerhalb kürzester Zeit war das halbe Dorf da - die haben uns für die Osterhasen gehalten, weil wir quasi Geschenke gebracht haben“, erzählt der 42-Jährige weiter. Es dauerte nicht lange, bis alle Jacken, alle Hosen, alle Shirts einen neuen Besitzer gefunden hatten. Und es dauerte nicht lange, bis die Beschenkten die ersten eiligst gestalteten Dankesplakate in die Höhe reckten. „Die Dankbarkeit der Menschen war überwältigend“, so Notar.

„Die Aktion war eigentlich ziemlich verrückt, aber ich finde dieses Engagement herausragend“, lobt Regionalvorstand Holzschuh seine Mitarbeiter. Die Fotos, die die Notars aus Rumänien mitgebracht haben, haben auch ihn beeindruckt. Und sie haben ihn zu der Überlegung gebracht, ob das Projekt eventuell wiederholt werden könnte. Dann vielleicht etwas weniger spontan. Und etwas geplanter.