Johanniter Hochwasserhelfer feiern letztes Richtfest nach der Flut

Leipzig/Trebsen, 18. Januar 2018

Geschafft: Bauherr Gerd Däumichen schlägt den letzten Nagel ein.

Mehr als vier Jahre nach dem Hochwasser feiert Familie Däumichen in Trebsen Richtfest. Vorausgegangen ist ein Wechselbad der Gefühle – von Resignation bis Euphorie war alles dabei. Im Juni 2013 kam die Flut. Der Keller des kleinen Familienheims in der Badergasse, der Gemeinde Trebsen stand unter Wasser, die Wände sogen sich voll. Nachdem das Wasser abgeflossen war, dachte Familienvater Gerd, das sei schnell ausgestanden. Ein bisschen saubermachen, Farbe drauf und fertig. Es kam anders: Der Gewölbekeller des Hauses war so stark geschädigt, dass ihr Heim langsam abrutschte. Die Fassade bekam Risse und auch das Nachbarhaus war in Gefahr. Doch wie sollte es weitergehen? Würde die Familie Hilfsgelder erhalten? Aus eigenen Mitteln war die Sanierung undenkbar.

Es war einmal: Das Familienheim kurz vor dem Abriss.

Doch zuerst musste klar sein, ob das Haus zu retten ist. Über drei Jahre hinweg gaben sich verschiedene Gutachter die Klinke in die Hand: Die einen sahen eine Sanierung des Hauses, andere attestierten, es sei stark einsturzgefährdet. Im Juli 2016 kam dann das endgültige Aus. Das Landratsamt untersagte die Nutzung, die Familie musste ausziehen. Gerd und Birgit fanden eine kleine Wohnung, Sohn René fand vorerst beim Onkel eine Bleibe. Damals wusste keiner, ob sie jemals wieder in ihr Haus zurück dürfen. Die Familie war am Ende, fand etwas Unterstützung bei Freunden und den beiden bereits ausgezogenen Töchtern. Doch die Sorgen um die Zukunft bestimmten den Tag.

Den Durchbruch brachte schließlich der Flutstammtisch. In diesem koordinierten verschiedene Hilfsorganisationen Hochwasser-Spenden. Es kam zum Kontakt mit den Johannitern und ihrem Projektteam Hochwasserhilfe 2013. Beim ersten Vororttermin trauten sich die beiden äußerst erfahrenen Koordinatoren Michael Alten und Markus Bergforth nicht in den maroden Keller. „Doch von da an ging es Schlag auf Schlag“, erinnert sich das Ehepaar Däumichen. Die Johanniter halfen der Familie mit Förder-, Bauanträgen und stellten schließlich die Finanzierung auf die Beine. Der Keller wurde mit Beton verfüllt, das Haus abgerissen. Dafür zahlte das DRK. Die restlichen Mittel kamen aus Spendengeldern der Johanniter und der Sächsischen Aufbaubank. Die Familie bekam zudem einen zinslosen Kredit für den Eigenanteil.

Trauer und Hoffnung dicht beieinander: Das alte Haus macht dem neuen Platz.

Obwohl es schon längst wieder Hoffnung gab, war es der Familie unbeschreiblich schwer ums Herz, als der Abrissbagger kam. „In diesem Augenblick konnte ich nicht denken“, beschreibt Birgit die Szene. Erst am Abend habe ich realisiert, dass unser Haus wirklich weg ist. In den Folgemonaten entsteht der Neubau an gleicher Stelle mit identischer Fassade, denn die Straße gehört zu einem Flächendenkmal. Sohn René sieht, wie seine Eltern langsam wieder aufblühen. Zum Richtfest am Donnerstag, 18. Januar, ist von den schweren Tagen, der Verzweiflung nicht mehr viel zu spüren. Die Vorfreude hat Oberhand gewonnen. Am 16. Juni werden Birgit, Gerd und René nach zwei Jahren in Interimsunterkünften in ihr Häuschen einziehen. Von außen wird es wie das alte aussehen. Nur innen beginnt ein völlig neues Leben.   Auch die Hochwasserhelfer der Johanniter gehen einem neuen Abschnitt entgegen. Ende des Jahres ist ihre Arbeit in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen getan. Der Spendenrat Hochwasserhilfe – das Entscheidungsgremium – wurde bereits Ende 2017 aufgelöst. Nach 39 Monaten und gut 300 Beschlüssen aus mehr als 1.000 Anträgen. Das verwaltete Gesamtspendenvolumen beträgt 14 Millionen Euro. Die Däumichens waren die letzte Familie, mit der die Hochwasserhelfer der Johanniter Richtfest feiern konnten.

Richtfest nach harten Monaten

Die Johanniter Markus Bergforth (l.) und Michael Alten (r.) mit der Familie Däumichen: Gerd (2.v.l.); Birgit (m.) und Sohn René (2.v.r.)