Nacht der Lichter mit 12.000 Kerzen

Wittenberg, 27. Mai 2017

Foto: Johanniter/Tonja Knaak

Mit Texten aus der Bibel, Gebeten, Stille und vor allem Liedern, die zu Herzen gehen, feiern tausende von Kirchentagsbesuchern am Samstagabend die Taize-Nacht. Kurz nach 22 Uhr brennen die ersten Kerzen, bis sich ein Lichtermeer über den großen Raum vor der Bühne erstreckt. In verschiedenen Rottönen erstrahlt die runde Bühne, davor knien die Brüder aus Taize in Frankreich. Der Chor singt. Eine Johanniterin, die seitlich der Bühne steht, summt leise mit: Katharina Hille aus dem Johanniter-Medienteam ist Taize-Fan.

Foto: Johanniter/Tonja Knaak

Die spirituellen Klänge, die gelesenen Bibeltexte in mehrere Sprachen, sie sollen die Besucher zur Ruhe kommen lassen nach turbulenten Tagen in Berlin und den Städten der „Kirchentage auf dem Weg“. Bei Johanniter Michael Petzold hat es schon gewirkt. Er gehört zu einer der drei Unfallhilfsstellen auf den Elbwiesen. „Psst, sind diese Klänge nicht wunderbar?“, fragt er leise und hält sein Handy filmender Weise Richtung Bühne. Sieglinde Dietzsch braucht noch einen Moment, um die Stimmung ihres Kollegen nachempfinden zu können. Die beide aus dem RV Zwickau-Vogtland können es sich leisten, dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. Arbeit gibt es für die Sanis an diesem Abend zum Glück wenig.

Die Besucher haben es sich am Boden auf Decken bequem gemacht, manche der Übernachtungsgäste kuscheln sich schon in ihren Schlafsack ein. In der ersten bestuhlten Reihe sitzt Knuth Fischer, Pfarrer in der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter. Er genießt die Ruhe und die innere Einkehr sichtlich.

„Ja, die Sanitäter haben wir durchaus schon wahrgenommen“, sagen die Kirchentagsbesucher Sebastian und Anneliese aus Nürnberg. „Es gibt mir ein sehr gutes Gefühl, dass sie hier sind“, sagt der junge Vater. Gerade, weil das Paar ihre knapp zweijährige Tochter Luisa dabei hat. „Gottes schützende Hand ist über uns. Und die schützende menschliche Hand sind die Johanniter“, so formuliert es Sebastian.

Kurz vor 23 Uhr - die Taize-Nacht klingt langsam aus – gibt es einen Stau vor der Elbbrücke. „Ein logistisches Problem der Polizei“, wie drei Helfer aus dem RV Niederrhein wissen. Sie kommen wegen neuerlicher Sperrungen der Polizei mit ihrem Einsatzfahrzeug nicht weiter. Klar, die Sicherheit wird groß geschrieben an diesem Festwochenende. Doch Wege müssen für die Retter frei bleiben. Diese Balance gilt es in der Nacht noch zu finden. Ganz sicher: Bis zum Festgottesdienst am Sonntag wird alles laufen.

Auf der Festwiese gehen die Lichter aus. Diejenigen, die unter dem freien Sternenhimmel ihre Schlafsäcke aufgeschlagen haben, dürfen nun selig schlummern. Die Johanniter aber halten Wache. Bis morgen früh. Um 6 Uhr sollen 40.000 Tassen Tee ausgegeben werden...