Medizinische Task Force im Bevölkerungsschutz

Bei einem großflächigen und bundeslandübergreifenden Katastrophen- oder Zivilschutzfall mit Hunderten Verletzten zählt jede Minute. Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk und die Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) der Hilfsdienste bekämpfen die Ursachen sowie die unmittelbaren Folgen für Menschen und die Infrastruktur. Die anschließende Versorgung der Betroffenen ist eine der Hauptaufgaben der Hilfsdienste wie der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Damit wir dieser Aufgabe gerecht werden können, brauchen wir neben Dutzenden ehrenamtlichen Helfern auch die technische Ausrüstung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelte dafür 2007 das Konzept der Medizinischen Task Force (MTF), das seither flächendeckend in Deutschland eingeführt wird. Bis zum Jahr 2020 werden 61 MTFs bundesweit einsatzbereit sein.

Aufgaben der Medizinischen Task Force

Die Medizinische Task Force ist eine standardisierte taktische Spezialeinheit, die mit Ärzten, ausgebildeten Sanitätern, technischen Helfern und Betreuungspersonal besetzt ist. Ihre Aufgaben bestehen vor allem in der Akutversorgung von Verletzten und der Organisation nachgelagerter logistischer Prozesse. Diese sind:

  • Dekontamination Verletzter bei CBRN-Lagen (chemische, biologische und radiologische sowie nukleare Verunreinigungen)
  • Patiententransport aus dem Katastrophengebiet
  • Aufbau und Betrieb von Patientenablagen in und zwischen kontaminierten und nichtkontaminierten Bereichen
  • Aufbau und Betrieb von Sichtungsstellen vor Krankenhäusern zur Klassifizierung von Aufbau und Betrieb von Dekontaminationsstellen vor Krankenhäusern.

Die MTFs sind für den überörtlichen Einsatz bei Katastrophenfällen konzipiert, die nach dem Ersteinsatz regulärer Einsatzkräfte die Lage stabilisieren. Sie sollen nach 90 Minuten einsatzbereit sein.

Aufbau und Besatzung einer Medizinischen Task Force

Eine MTF umfasst 24 Fahrzeuge mit einer 126 Personen starken Besatzung. Sie ist in fünf Teileinheiten aufgeteilt:

  • Führung (zwei Fahrzeuge, neun Personen)
  • Dekontamination (fünf Fahrzeuge, 36 Personen)
  • Behandlung (zehn Fahrzeuge, 66 Personen)
  • Transport (sechs Fahrzeuge, zwölf Personen)
  • Logistik (ein Fahrzeug, drei Personen)
Ausbaustand Medizinische Task Force in Niedersachsen (Konzeptstand März 2016)

Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Ausbaustand der Medizinischen Task Force in Niedersachen

In Niedersachsen wurden sechs solcher mobilen MTFs stationiert. Ihre Ausstattung mit Fahrzeugen ist noch nicht abgeschlossen. Ihre Standorte sind bei den Polizeidirektionen in Lüneburg, Oldenburg, Hannover, Osnabrück, Göttingen und Braunschweig, die die MTFs auch koordinieren. Die Johanniter-Unfall-Hilfe stellt zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), dem Malteser Hilfsdienst (MHD) sowie den Feuerwehren die überwiegend ehrenamtlichen Besatzungen. Sie unterstehen den sechs Polizeidirektionen an ihren Standorten und kommen auch bei Großveranstaltungen zum Einsatz. Eine erste Bewährungsprobe bestanden die MTFs beim Elbehochwasser 2013 in Lauenburg und zeigten, dass sie heute bereits einen unersetzlichen Dienst am Gemeinwesen leisten.

Einsatzszenarien für die Medizinische Task Force

Die MTFs sind spezialisiert auf Großschadenereignisse bei einem Katastrophen- und Zivilschutzfall. Sie decken die Versorgungsstufen 3 und 4 ab. In diesen beiden Versorgungsstufen ist nach der Definition ein Teil der Infrastruktur zerstört, funktionieren bestehende Kommunikations-, Versorgungs- und Verkehrsstrukturen nur noch eingeschränkt oder sind zusammengebrochen. Besonders bedrohlich sind Lagebilder, bei denen sowohl das Telekommunikationsnetz, die Internetverbindungen, Strom-, Wasser- und Gasversorgung sowie Verkehrswege und Verkehrsleitsysteme zusammengebrochen sind. In solchen Situationen muss eine Medizinische Task Force autark agieren und mit der zentralen Einsatzstelle der Katastrophenhilfe in Verbindung bleiben.

Ihr Ansprechpartner Thorsten Ernst

Kabelkamp 5
30179 Hannover