Katastrophenschutz in Niedersachsen und Bremen

Nach dem Niedersächsischen Katastrophenschutzgesetz (NKatSG) ist bei einer Katastrophe die Gemeinde oder der Landkreis zuständig, in dessen Gebiet eine großflächige und dauerhafte Schadenlage eingetreten ist. In Bremen hat der Innensenator die Federführung. Neben ihm sind Ortskatastrophenschutzbehörden in Bremen und Bremerhaven mit der Umsetzung des Katastrophenschutzes beauftragt. Grundlage bildet das Bremische Hilfegesetz.

Bevor eine dieser Behörden den Katastrophenfall feststellt und damit die Koordination der Einsatzkräfte übernimmt, sind die Regeleinsatzkräfte von Polizei, Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren sowie die Rettungsdienste der Hilfsorganisationen für die Erstbekämpfung und -versorgung zuständig. Wenn aber eine Behörde den Katastrophenfall feststellt, läuft ein geregeltes Krisenmanagement an. Die Hilfsorganisationen wie die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. übernehmen hierbei definierte Aufgaben.

Krisenmanagement im Katastrophenfall

Die 50 kreisfreien Städte, Landkreise und Kommunen in Niedersachsen unterhalten Katstrophenschutzbehörden. Deren Leiter stellen in Absprache mit den Einsatzkräften vor Ort den Katstrophenfall fest und lösen damit ein Verfahren aus, das in der Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 normiert ist. In Bremen sind ähnliche Vorschriften im Bremischen Hilfeleistungsgesetz (BremHilfeG) zusammengefasst und bestimmen die Zusammensetzung des Krisenmanagements.

Dem obersten Katstrophenbekämpfer steht in Niedersachsen ein Stab mit sechs Funktionseinheiten zur Seite, der koordinierende Aufgaben wahrnimmt. Ergänzt wird der Stab durch Fachberater und Verbindungspersonal zu anderen Behörden auf Landes- und Bundesebene sowie den öffentlichen und privaten Hilfsorganisationen.

Feuerwehr-Dienstvorschrift 100

Diese gesetzesgleiche Vorschrift basiert auf einem Runderlass des Niedersächsischen Innenministeriums mit dem sperrigen Titel „Einsatz- und Ausbildungsanleitung für Feuerwehren sowie Einrichtungen und Einheiten des Katastrophenschutzes im Lande Niedersachsen; Führung und Leitung im Einsatz – Führungssystem“, erlassen am 19. Oktober 2000. Der Stab hat keine direkten operativen Aufgaben, sondern übernimmt strategische, logistische und kommunikative Tätigkeiten. Er sorgt für die Rahmenbedingungen, in denen ein möglichst reibungsloser Einsatz gewährleistet wird. Seine Aufgaben liegen vor allem darin, alles zu ermöglichen, damit die Einsatzkräfte ihrer Aufgabenerfüllung am Schadenort gerecht werden können, um die Schadenlage schnellstmöglich abzuwenden. Der Stab ist in sechs Sachgebiete unterteilt:

  • Personal und Innerer Dienst,
  • Lage (Beurteilung, Analyse, Lösungsstrategien),
  • Einsatz (Koordination, Disposition, Nachschub),
  • Versorgung,
  • Presse und Unterrichtung der Öffentlichkeit und
  • Informations- und Kommunikationsinfrastruktur.

Den jeweiligen Sachgebietsleitern sind schadenabhängig Verbindungsleute zugeordnet, die Schnittstellen zu allen denkbaren Akteuren bilden. Diese können sein:

  • Bundeswehr,
  • Bundesgrenzschutz,
  • Bundes- und Landes-Polizeibehörden,
  • Transport- und Beförderungsunternehmen,
  • Strom-, Wasser- und Abwasserversorgungsunternehmen,
  • Industriebetriebe.

Dem Stab sollen idealerweise nicht mehr als 25 Personen angehören. Da aber noch viel mehr kommunale und Landesbehörden involviert sein können, unterhält der Stab abhängig von den Lösungswegen zu weiteren Verwaltungseinheiten, wie dem Ordnungsamt, den Sozial- und Gesundheitsbehörden, einen engen Kontakt.

Technische Einsatzleitung unterhalb des Stabes

Unter dem Katastrophenschutzstab arbeitet die Technische Einsatzleitung (TEL). Stab und TEL stehen in ständiger gemeinsamer Beratung und legen die Einsatzziele fest, die die TEL in konkrete Anweisungen für die eingesetzten Einsatzkräfte und Hilfsorganisationen umsetzt. Bei Bedarf kann die TEL Einsatzabschnitte einteilen. Die Befehlskette ist streng hierarchisch. Einem erteilten Befehl müssen die Einsatzkräfte und auch Hilfsorganisationen Folge leisten, es sei denn, er erweist sich aufgrund einer geänderten Lage als undurchführbar. Darüber müssen die Einsatzkräfte vor Ort den Stab unverzüglich unterrichten.

Hilfsorganisationen

Während Berufs- und Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Polizei sowie Sondereinsatzkräfte wie die Bundespolizei und sogar die Bundeswehr an der unmittelbaren Katastrophenbekämpfung arbeiten, obliegt den Hilfsorganisationen die Versorgung der betroffenen Bevölkerung.

Neben der Johanniter-Unfall-Hilfe zählen zu den Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz:

  • Deutsches Rotes Kreuz,
  • Arbeiter-Samariter-Bund,
  • Malteser Hilfsdienst,
  • Deutsche Lebensrettungsgesellschaft sowie
  • bei Katastrophen an der Küste die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Diese Aufgaben übernimmt die Johanniter-Unfall-Hilfe im Katastrophenfall

Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist in Niedersachsen/Bremen mit 19 Einheiten, unzähligen Fahrzeugen, Dutzenden hauptamtlichen Kräften sowie 1.500 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bei einem Großschadenereignis oder einer Katastrophe im Sinne des Niedersächsischen Katastrophenschutzgesetzes (NKatSG) im Einsatz. Die ehrenamtlichen Helfer sind in Sanitäts- und Betreuungseinheiten organisiert. Viele von ihnen arbeiten auch im regulären Rettungsdienst. Zudem trainieren sie regelmäßig bei Großveranstaltungen, Sportevents und Konzerten ihre Kompetenzen. Sie alle wissen, was eine Katastrophe, eine Notlage, mit Menschen macht, die plötzlich davon betroffen sind.

Führungskräfte und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind in verschiedene eingespielte Einsatztruppen unterteilt, die jeweils eine definierte Aufgabe übernehmen. Diese sind:

Bei einem Großschadenereignis kommen zunächst die Schnell-Einsatz-Gruppen im Sanitäts- und Betreuungsdienst zum Einsatz. Diese Gruppen gut ausgebildeter Helfer sind dafür ausgestattet, dass sie Verletzte, Erkrankte oder anderweitig Geschädigte versorgen können. Bei einem Massenanfall Verletzter (MANV) kommen Einsatzzüge und Einsatzeinheiten beziehungsweise eine oder mehrere Medizinische Task Forces zum Einsatz. Hierbei gilt es, eine Doppelverplanung zu vermeiden. Denn die Einsatzgruppen auf den Einsatzzügen können zunächst auf Anforderung von Polizei oder Feuerwehr zum Ersteinsatz verpflichtet sein.

Die Katastrophenschutzbehörden entscheiden mit den mitwirkenden privaten Trägern unter Beachtung der jeweiligen Risiken, wie viele taktische Einheiten aufzustellen sind und in welcher Kombination sie zum Einsatz kommen. Aus einer Sanitäts- und einer Betreuungsgruppe sowie einem Trupp Technik und Sicherheit kann ein Einsatzzug gebildet werden, der für sanitäts- und betreuungsdienstliche Hilfeleistungen in größeren Schadenlagen eingesetzt und von einem Zugtrupp geführt wird. Ein Zugtrupp kommt in der Regel erst dann zum Einsatz, wenn dies wegen Koordination und Führung mehrerer selbstständiger taktischer Einheiten erforderlich erscheint.

Nach Feststellung des Katastrophenfalls durch den zuständigen Leiter der kommunalen Katastrophenschutzbehörde können die Einheiten auch als Medizinische Task Force eingesetzt werden. Eine ausführliche Darstellung finden Sie auf der Seite über die Medizinische Task Force.

Aufbau, Ausstattung und Gruppenstärke: Einsatzzug NI/Einsatzeinheiten

Derzeit (Stand November 2016) umfasst ein Einsatzzug 30 Personen und besteht aus:

  • acht Fahrzeugen mit zwei Anhängern für Feldküche und Technik,
  • zwei Führungspersonen,
  • sechs Unterführungspersonen und
  • 22 Helfern. 

Er wird geleitet von einem Zugtrupp mit dem Zugführer, seinem Stellvertreter sowie einer Sprecher-/Funker-Person. Einem Zugtrupp können mehrere taktische Einheiten oder Schnell-Einsatz-Gruppen unterstehen. Diese Zusammensetzung befindet sich gerade in der Überarbeitung und wird voraussichtlich zum 1. Januar 2017 erweitert werden.  

Die Sanitätsgruppe kann als eigenständige taktische Einheit, etwa als Schnell-Einsatz-Gruppe, eingesetzt werden. Sie wird in diesem Fall durch die Gruppenführerin oder den Gruppenführer geführt. In einem kombinierten Einsatz mit mehreren anderen taktischen Einheiten — entweder Sanitäts- oder Betreuungsgruppen — übernimmt der Gruppenführer der Sanitätseinheit die Führung, die zuerst am Schadensort eingetroffen ist, solange nicht ein Zugtrupp zum Einsatz kommt. Sie besteht aus zehn Personen:

  • einem Arzt,
  • einem Gruppenführer,
  • vier Sanitätshelfern Patientenablage,
  • vier Sanitätshelfern Transport auf
  • zwei Fahrzeugen.

Ihre Aufgaben sind:

  • Verletzte aufzusuchen, zu retten und zu transportieren,
  • bei der Einrichtung und dem Betrieb von Patientenablagen und Behandlungsplätzen mitzuwirken,
  • medizinische Sofortmaßnahmen nach ärztlicher Entscheidung und Anleitung zu unterstützen,
  • Verletzte und Betroffene zu registrieren und sie sanitätsdienstlich zu betreuen und Sanitätsdienste im Rahmen einer Evakuierung durchzuführen.

Eine Betreuungsgruppe besteht aus 13 Personen und untergliedert sich in:

  • einen Gruppenführer Unterkunft und Soziale Betreuung mit
  • einem Truppenführer,
  • sechs Betreuungshelfern;
  • einen Truppenführer Verpflegung mit
  • vier Betreuungshelfern.

Ebenso wie die Sanitätsgruppe kann die Betreuungsgruppe als taktische Einheit, etwa als Schnell-Einsatz-Gruppe, geführt durch ihren Gruppenführer, eingesetzt werden. Sie kann auch in Kombination mit anderen Sanitäts- oder Betreuungsgruppen eingesetzt werden.

Ihre Aufgaben sind:

  • Betroffenen, die sich aus eigener Kraft nicht helfen können, Hilfe zu leisten,
  • hilfsbedürftige Menschen zu betreuen und mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen,
  • für die vorläufige oder vorübergehende Unterbringung der Betroffenen zu sorgen,
  • soziale Belange der Betroffenen zu sichern,
  • hilfsbedürftige Personen im Rahmen einer Evakuierung zu betreuen sowie
  • mobile Verpflegungsausgabestellen einzurichten und zu betreiben.

Ein Trupp Technik und Sicherheit setzt sich aus vier Personen zusammen, die sich untergliedern in:

  • einen Truppenführer,
  • drei Helfer technischer Dienst mit
  • einem Fahrzeug.

Der Trupp Technik und Sicherheit gewährleistet die technische Unterstützung der Sanitäts- und Betreuungsgruppen und übernimmt, in Abstimmung mit anderen Organisationen, deren technische Absicherung. Er unterstützt die Aufgabenerfüllung der Sanitäts- und der Betreuungsgruppe, indem er technisches Gerät und Anlagen, etwa zum Aufbau von Behandlungsplätzen, zur Stromversorgung oder zur Beleuchtung, installiert und dabei Gefahrenstellen am Einsatzort sichert und markiert.

Die Sanitäts- und Betreuungsgruppen können mit dem Trupp Technik und Sicherheit im Einsatz- und Übungsfall unter einer Führung kombiniert werden, auch wenn sie verschiedenen Trägern angehören. Die Katastrophenschutzbehörde stimmt sich mit den Trägern der Einheiten ab, von welchem Gruppenführer oder von welchem Zugtrupp die Gruppen geführt werden.

Weitere Einheiten der JUH im Katastrophenschutz

Neben den Sanitäts- und Betreuungs- sowie Technik-Trupps kommen zwei weitere Einheiten im Katastrophenschutz zum Einsatz:

Die beiden Einheiten erfüllen ihre Aufgaben auch im Alltag im Rahmen des regulären Rettungsdienstes. Im Katastrophenfall sind ihre Kompetenzen unersetzlich.

Supernasen auf der Suche nach Vermissten

Die Rettungshunde der Johanniter gehören zu den bestausgebildeten Spürnasen, die in unwegsamem Gelände, in Wäldern, aber auch bei Katastrophen vermisste Personen aufspüren. Allein die Ausbildung der vierbeinigen Spezialisten dauert für Tier und Mensch zwei Jahre. Insgesamt gibt es im Landesverband Niedersachsen/Bremen der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. sechs Rettungshundestaffeln.

Psychosoziale Notfallversorgung und Krisenintervention

Die Kriseninterventionskräfte der Johanniter sind immer dann zur Stelle, wenn Menschen in Extremsituationen einer psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) bedürfen. Im Alltag ist dies beispielsweise die Begleitung von Angehörigen von Gewalt- oder Unfallopfern. Nach Katastrophen helfen die PSNV-Kräfte dabei, Betroffene zu stabilisieren.

Ihr Ansprechpartner Thorsten Ernst

Kabelkamp 5
30179 Hannover

Landesverband Niedersachsen/Bremen
Landesgeschäftsstelle

Telefon 0511 67896-0
Fax 0511 67896-504
Online-Kontakt-Formular

Kabelkamp 5
30179 Hannover