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Die Thüringer Rose

Frau Asta-Sybille Schröder zum 70. Geburtstag

Berlin, 04. Juli 2010

Verehrte, liebe Frau Schröder,
verehrte Gäste,

zu Ihrem 70. Geburtstag sind wir heute hier versammelt, um Ihnen von Herzen zu gratulieren, Gottes Segen zu wünschen und Ihnen zu danken.

Die Thüringer Rose, unter dieses Leitwort habe ich meine Gedanken zu Ihrem 70. Geburtstag gestellt.

Die Thüringer Rose, sie ist eine Auszeichnung des Landes Thüringen für Verdienste um das Land, eine Auszeichnung, die Jahr für Jahr immer nur an ganz wenige Bürger verliehen wird. Sie, liebe Frau Schröder haben diese Auszeichnung im vergangenen Jahr erhalten, einige von uns durften bei der beeindruckenden Feier auf der Wartburg dabei sein.

Die Legende des Rosenwunders der Elisabeth ist sicher allen bekannt, daher nur eine Kurzfassung.
Elisabeth, Gattin des Landgrafen von Thüringen hat sich um Arme und Schwache gekümmert, auch gegen den Willen ihres Gatten und des Hofstaats. Eines Tages soll sie mit einem Korb, in diesem Korb war unter einem Tuch Brot für die Armen verborgen, in die Hände ihres Gatten gelaufen sein. Was in diesem Korb sei, fragte er, Rosen war die Antwort. Als er das Tuch aufhob waren Rosen in dem Korb.
 

Rosen blühen manchmal im Verborgenen

Rosen unter einem Tuch verborgen, dieses Rosenwunder ist nach Auffassung des Freistaats Thüringen ein Zeichen, dass viel Gutes im Verborgenen getan wird, das mit der Verleihung der Thüringer Rose öffentlich bekannt gemacht werden soll.

Aus der Legende geht nicht hervor, welcher Art die Rosen der Elisabeth gewesen sind, so bleibt uns die Phantasie.
Die Rosenart, zu der unsere Vizepräsidentin zu rechnen ist, scheint mir zu den Wildrosen zu gehören, dies sind Rosen, die manchmal fast verborgen bleiben können und deren strahlende Blüten dem oberflächlichen Beobachter zunächst entgehen. Es sind Rosen, die oft nicht für sich allein stehen, sondern mit anderen Pflanzen z.B. in einer Hecke eng verbunden sind.
Ja, Rosen blühen manchmal im Verborgenen und enthüllen dann ihre Schönheit nur gelegentlich und immer nur dem Beobachter, der sich bemüht, genau zu schauen.
Welch ein Leben, das sich hinter den nüchternen Daten erschließt,  wenn man den Lebenslauf von Frau Schröder sich einmal genauer betrachtet.
 
Sie, liebe Frau Schröder, wurden am 28. Juni 1940 in Saalburg geboren und kamen 1953 nach Weimar. Ihr Vater war eine Zeit lang Rektor des Sophienhauses in Weimar und Kirchenrat. (Im Sophienhaus bin wiederum ich geboren).
In Eisenach wurden Sie zur Krankenschwester ausgebildet, waren als solche tätig, studierten dann Medizin in Berlin und in Erfurt. Sie wurden nach einer fachärztlichen Ausbildung Fachärztin für Innere Medizin, waren im Städtischen Krankenhaus tätig und arbeiteten dann als Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes in Weimar. Sie wurden 1990 1. Bürgermeisterin der Stadt Weimar und Dezernentin für Gesundheit, Soziales und Wohnen.
1992 wurden sie zunächst stellvertretende Leiterin später Leiterin der Abteilung Gesundheit im Thüringer Landesverwaltungsamt. Wie sehr und wie intensiv haben Sie die Wende mit gestaltet, die Sie noch heute als großes Glück empfinden. Wie viel Gutes haben Sie für die Menschen in Weimar bewirkt. Die Liebe zur Freiheit, die die Bereitschaft einschließt, Verantwortung zu übernehmen, dies war eine der wesentlichen Triebkräfte Ihres Handelns.
Manchen von uns ist dies zunächst verborgen beblieben. Vieles haben wir erst erfahren, als Ihnen wichtige Auszeichnungen verliehen wurden, die Auszeichnung zum Tag des Ehrenamts des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1996, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1997, die Auszeichnungen der JUH und die Thüringer Rose im letzten Jahr. Und, für mich als allerschönste Auszeichnung, das Ehrenritterkreuz des Johanniterordens, das Ihnen der Herrenmeister am letzten Wochenende in Nieder-Weisel in der alten Komturkirche der Herrenmeister im Rahmen des jährlichen Ritterschlages verliehen hat. Sie haben Ordensgeschichte geschrieben, da Sie diese Auszeichnung als erste Frau überhaupt erhalten haben.
Sie haben um solche Dinge nie Aufhebens gemacht, haben sich still und bescheiden zurückgehalten. Ja, manche Rosen blühen im Verborgenen aber es ist schön, dass es hin und wieder doch eine Gelegenheit gibt, die in der Verborgenheit vorhandenen Blüten ins helle Licht zu rücken.
 

Rosen strahlen

Wenn manche Rosen im Verborgenen blühen, heißt dies nicht, dass es ihnen an Strahlkraft mangelt. Die Schönheit auch einer verborgenen  Blüte strahlt nach außen und wird nach außen bedeutsam. Ihre  Strahlkraft, liebe Frau Schröder ist in und außerhalb der JUH immer wieder sichtbar geworden. In Weimar stehen Sie für die Mitarbeit an der Umgestaltung, der Wende, beileibe nicht nur im organisatorischen Bereich sondern noch viel mehr im geistigen und moralischen Bereich. Sie haben Ihr Christentum nicht verborgen sondern als Richtschnur Ihres Handelns weithin sichtbar gemacht. Sie haben als Demokratin gelebt, dies offen gezeigt, Ämter übernommen und Menschen für die Demokratie gewonnen. Sie haben beispielhaft gezeigt, dass ein demokratischer Staat von der Mitarbeit seiner Bürger lebt.
Ihre Strahlkraft in der JUH reicht weit über Ihren Verband und auch über das Präsidium hinaus.
Sie stehen in der JUH für gelungene deutsche Einheit. Schon 1990 wurde in Weimar unter Ihrer Federführung und, wir sollten dies nicht vergessen, mit guter Unterstützung aus dem Westen Deutschlands, aus Trier z.B. aber auch aus anderen Verbänden, die JUH gegründet. Die erste Rettungswache wurde vom Roten Kreuz übernommen.
Sie haben in einer Umgebung, der das Christliche weitgehend fremd war und in der die Johanniter allenthalben, sogar von der Diakonie misstrauisch beäugt wurden, der JUH einen anerkannten Platz gesichert. Dabei ging es gerade in Weimar nicht um eine Kopie eines beliebigen Westverbandes, natürlich hat man sich Einiges abgeschaut, sondern um ein Unikat, um die Nutzung der Chancen vor Ort, um gelebte Subsidiarität im besten Sinne der Traditionen der JUH. Sie haben engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden, die die Chance der Stunde gesehen haben.
Rosen strahlen, Sie lieben die leise Art, die geduldige Überzeugungsarbeit, dies ist auch in Ihrer Amtsführung als Vizepräsidentin, Sie sind dies seit 1997, also seit 13 Jahren, sichtbar geworden. Sie fühlten sich immer der gesamten JUH verpflichtet, haben aber auch immer wieder gemahnt, die Besonderheiten des Ostens nicht zu vergessen.
Sie stehen in der JUH für soziale Dienste am Menschen, die gemacht werden müssen, weil sie unserem Auftrag entsprechen, nicht weil man damit Geld verdienen kann. In Weimar wird dies beispielhaft vorgelebt. Notfallseelsorge, onkologische Beratung, Krebshilfe, Besuchsdienste sind keine Geschäftsmodelle sondern gelebte Hilfe für Hilfsbedürftige.
So können verborgene Rosen strahlen, in die gesamte JUH strahlen. So war es ein besonders schönes Zeichen, dass das Präsidium zum 10jährigen Bestehen der Weimarer JUH in Weimar war und heute weitere 10 Jahre später wieder hier tagt.
Rosen strahlen, Ihre Strahlkraft, liebe Frau Schröder wirkt positiv in die gesamte JUH und soll dies auch weiter tun.


Rosen haben Dornen

Rosen sind verletzlich und schützen sich gegen solche Verletzungen   durch Dornen, die je nach Art mehr oder weniger ausgeprägt sind.
Ihre Dornen, liebe Frau Schröder sind vorhanden, wenn auch wenig ausgeprägt, und statt von Verletzlichkeit würde ich lieber von Sensibilität, von Empfindsamkeit sprechen.
Verletzlichkeit, Empfindsamkeit, Feinfühligkeit, Sensibilität, dies alles gehört zusammen und diese Eigenschaften sind ein wesentlicher Bestandteil Ihrer unverwechselbaren Persönlichkeit. Dabei geht es Ihnen in der Regel nicht um Sie selbst. Sie reagieren unwirsch, wo Sie Ungerechtigkeit, Nachlässigkeit, mangelndes Feingefühl in der Menschenführung vermuten, jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter liegen Ihnen am Herzen. Denkt daran, wie es bei den Betroffenen ankommt, dies ist die Mahnung, die Sie uns und anderen immer wieder zuteil werden lassen, durch einen Redebeitrag, durch den Gesichtsausdruck, durch Abstimmungsverhalten. Was wir sagen und was wir tun, muss zusammenpassen, das steckt dahinter, wir sind für diese Mahnungen dankbar. Klar und deutlich sprechen Sie auch aus, wenn Sie glauben, dass z.B. die Leistungen der Verbände in den neuen Bundesländern nicht genug Anerkennung erfahren. Rosen haben Dornen, man muss sie spüren, aber auf diese Weise können auch Dornen wichtig sein.
Dornen bei Rosen haben aber auch noch einen anderen Zweck, sie dienen auch zum Festhalten, zum Abstützen. Ihre Dornen, liebe Frau Schröder dienen ebenfalls diesem Zweck, sie helfen, sich in entscheidenden Momenten darauf zu besinnen, worum es eigentlich geht.


Rosen tragen Früchte

Über die strahlenden Blüten hinaus wird oft vergessen, dass Rosen Früchte tragen. Die Frucht der Rose ist eine Hagebutte.
Früchte tragen, diese Eigenschaft der Rosen wird bei Ihnen, liebe Frau Schröder, besonders deutlich.
Sie stehen für eine JUH mit einem deutlichen gesellschaftlichen Auftrag.
Damals, im Jahre 1990, ich zitiere Sie aus einem Interview in der Johanniter Mitglieder Zeitung, hat kaum jemand begriffen, warum es uns als Rettungs- und Hilfsorganisation geben muss. Dies war die Lage in den neuen Ländern 1990.
Sie haben klar gemacht, es geht nicht um uns, es geht um andere.
Das von Ihnen inspirierte und geleitete Programm „Anpassungsjahr für Ärzte aus nicht EU Staaten“, ich zitiere die Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in einem Schreiben an Sie, hat 160 qualifizierte Ärzte ins deutsche Gesundheitssystem gebracht. Die  JUH hat einen gesellschaftlichen Anspruch, er wurde mit dem Programm für die Ärzte eingelöst. Insgesamt füllen wir ihn sicher noch nicht genügend aus. Dabei geht es nicht um Parteipolitik. Es geht darum, sich für Schwache einzusetzen. Lobby für Schwache sein, dies kann nicht bei der konkreten Hilfe stehen bleiben, sondern verlangt auch politische Aktivität und Wirken in die Gesellschaft. Die beeindruckende Zahl ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer der JUH, die nicht nur ihrer Aufgabe sondern auch der Gesellschaft verpflichtet sind, unterstreicht, was ich meine. Auch in Weimar gibt es eine große Zahl ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer.
JUH mit gesellschaftlichem Anspruch und Auftrag, dafür stehen Sie und haben die JUH in Weimar und weit darüber hinaus bekannt gemacht, sie stehen bei Ihren Auftritten in und außerhalb der JUH für einen solchen Anspruch und verkörpern ihn in dem, was Sie selbst tun besonders glaubhaft.
Rosen tragen Früchte, wir sind für diese Früchte Ihrer Arbeit besonders dankbar.


Rosen wurzeln tief

In einem Internet Forum wurde die Frage diskutiert, in welcher Tiefe man Wurzelrosen entfernen müsse, um sicher zu gehen, dass keine neuen Triebe zu erwarten sind.
Alle Schreiber waren sich einig, dass die meisten Rosen sehr tiefe Wurzeln haben.
Tiefe Wurzeln zu haben, ermöglicht, einen sicheren Stand zu haben, ermöglicht, den Stürmen zu trotzen, ermöglicht immer wieder neue Blüten und Früchte hervorzubringen.
Tiefe Wurzeln geben der Arbeit Halt und dem Leben Richtung und Ziel, die Wurzel und der Trieb, der sich in der Richtung des Lichts entwickelt, gehören zusammen. Die tägliche Arbeit auch die für die Johanniter und das dem Tagesgeschehen und seiner Hektik enthobene Ziel gehören zusammen.
Ihre Wurzeln, liebe Frau Schröder, sind tief, sie geben Ihnen sicheren Halt. Es sind die Wurzeln, die uns unser Glauben anbietet. Es sind die Wurzeln, die den Johanniterorden nun schon seit mehr als 900 Jahre
tragen.
Die tiefen Wurzeln sind Voraussetzung für die schönen Blüten und die guten Früchte.
Liebe Frau Schröder, liebe Johanniter, verehrte Gäste, lassen Sie mich zum Schluss von einer ganz besonderen Rose erzählen, die man in Hildesheim finden kann. Ludwig der Fromme fand ein verlorenes Kreuz an einem wilden Rosenstock wieder und ließ dort eine Kapelle bauen. Dieser Rosenstock blüht der Legende nach seither Jahr für Jahr nun schon über 1000 Jahre und ist auf alle Fälle seit Jahrhunderten bestaunter Teil des Hildesheimer Doms und der Stadt. An diese Wildrose habe ich auch denken müssen, als ich diese Rede schrieb.

So dürfen wir gute Hoffnung haben, dass auch die Thüringer Rose noch lange Zeit blüht und wir an ihren Blüten und Früchten Freude haben.
Alle guten Wünsche für Sie und Ihre Familie, alle guten Wünsche für die JUH, mögen wir uns alle noch lange an unserer Thüringer Rose erfreuen.

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