Risikosituationen bei der Johanniter-Jugend

Die Johanniter-Jugend verfügt mit Schulsanitätsdiensten, Jugendgruppen, Erste-Hilfe-Ausbildungen, Freizeiten, Zeltlagern und Großveranstaltungen über ein vielfältiges Verbandsleben. In diesen Strukturen wachsen vertrauensvolle Beziehungen zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Diese Beziehungen lassen bei Vielen eine starke Bindung und Identifikation mit der Johanniter-Jugend entstehen. Auch eine sehr gut organisierte und etablierte Struktur von Leitungspositionen und Funktionsträger*innen (z.B. Jugendausbilder*innen, Mentor*innen, SSD-Leiter*innen) zeichnen den Verband aus.

Damit verfügt der Jugendverband über große Stärken. Diese bringen jedoch auch spezielle Risiken mit:

  • Täter*innen können die enge Beziehung zu Kindern und Jugendlichen zur Vorbereitung sexualisierter Gewalt ausnutzen
  • Viele Kinder und Jugendliche haben ein großes Vertrauen gegenüber Respektpersonen (zum Beispiel Jugendgruppenleiter*in, Jugendleiter*innen, Schulsanitäter*innen). Täter*innen können dies ausnutzen.
  • Die Beschäftigung mit Erster Hilfe birgt spezielle Risiken für unbeabsichtigte Grenzüberschreitungen und beabsichtigte Übergriffe, denn Erste Hilfe-Ausbildung ist ohne Berührungen und Körperkontakt unmöglich. Hilflosigkeit und Hilfe spielen eine große Rolle.
  • Mit der Bindung an die Gruppe wird es für einige Betroffene erschwert, von Gewaltvorfällen zu erzählen. Sie möchten den Verband vielleicht nicht in einem schlechten Licht dastehen lassen oder befürchten, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden.

Dieser Risiken sollten wir uns bewusst sein. Es ist deshalb wichtig, sensibel für solche Situationen und möglicherweise grenzverletzendes Verhalten zu sein. Es sollten Regeln und Maßnahmen etabliert werden, die sexualisierte Gewalt erschweren, ohne den positiven Aspekten den Raum zu nehmen.

Ein wichtiger Baustein ist dabei Transparenz, also das offene Ansprechen und Besprechen schwieriger Situationen. Dazu gehört auch, Möglichkeiten zur Reflexion von Verhaltensweisen und Aktionen zu schaffen.

Es sollten verbindliche Regeln dazu entwickelt werden, über welche Vorfälle berichtet werden muss und wo das geschehen soll. Das hilft, falschen Vermutungen vorzubeugen. Hinweise und Hilfestellung zur Umsetzung solcher Regelungen findest du in der Arbeitshilfe.

 

 

Ihr Ansprechpartner Malte Jansen

Lützowstraße 94
10785 Berlin