Ökumenischer Festgottesdienst mit Bundespräsident Gauck

Berlin, 07. September 2013

Anlässlich der 900-Jahr-Feier der Bulle „Piae postulatio voluntatis" von Papst Paschalis II. haben am Sonnabend, den 7.September, Johanniter- und Malteserorden gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck einen ökumenischen Festgottesdienst im Berliner Dom gefeiert. Zu den rund 800 Gottesdienstbesuchern gehörten der Herrenmeister des Johanniterordens, S.K.H Dr. Oskar Prinz v. Preußen, und der Großhospitalier des Malteserordens, Albrecht Frhr. v. Boeselager. Geleitet wurde der Festgottesdienst von Dr. Markus Dröge, Landesbischof  der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, und Dr. Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin.

 

Vor dem Dom stellten Johanniter und Malteser gemeinsam der Öffentlichkeit ihre Arbeit vor. Dazu gehören unter anderem stationäre wie ambulante Altenpflege, die Trägerschaft von Krankenhäusern sowie Sanitäts- und Rettungsdienst. Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt zeigten sich beeindruckt von der Jugendarbeit beider Hilfsorganisationen und freuten sich besonders über gemeinsame Aktionen beider Orden wie etwa bei der Kooperation in der Hospizarbeit und der Notfallseelsorge. Auch die Einsätze der ehrenamtlichen Motorradstaffeln der Johanniter weckten die Aufmerksamkeit.

 

Nach dem Gottesdienst wurden gemeinsame Projekte von Johannitern und Maltesern ausgezeichnet. Dazu zählen das Malteser-Johanniter-Johanneshaus im bayerischen Gröbenzell. Seit 28 Jahren betreiben dort Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst eine Rettungswache. Seit dem Jahr 2003 organisieren Johanniter und Malteser in Wennigsen / Niedersachsen die Gerhards-Vesper, um an den Ordensgründer Bruder Gerhard zu erinnern und Ökumene in der heutigen Zeit zu gestalten. Dieses Projekt wurde ebenso honoriert wie die gemeinsamen Aktivitäten von Johanniter- und Malteser-Jugend. Gewürdigt wurde auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Malteser Hilfsdienst Rumänien und dem Landesverband Sachsen-Anhalt/Thüringen der Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Kooperation begann 2005 mit einer Weihnachtspaket-Aktion für die Flutopfer im Banat. Heute helfen die Johanniter unter anderem bei der Ausstattung eines Krankenhauses. Seit 2007 finden gemeinsame Sanitätsdienste zwischen der Johanniter-Jugend Dessau und der Malteser-Jugend Rumänien statt.

 

Den Festvortrag nach dem Gottesdienst hielt Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments a.D. und Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Das Christentum in Europa und die Bedeutung des Hospitalordens.“ Dr. Pöttering stellte unmissverständlich klar: „Europa und das Christentum sind eng miteinander verwoben. Viele christliche Gemeinschaften, wie die Johanniter und Malteser, haben das Gesicht Europas durch die Jahrhunderte geprägt und prägen es noch heute. Ohne die Johanniter und Malteser wäre unser Land, wäre Europa und wäre die Welt menschlich kälter.“

 

Hintergrund zur Entstehung der Orden

Gemäß den Quellen gründeten Kaufleute aus Amalfi zwischen 1048 und 1071 in Jerusalem ein Johannes dem Täufer geweihtes Hospital für arme und kranke Pilger. Das Hospital wurde von einer Laienbruderschaft geleitet, der sich christliche Ritter 1099 nach ihrem Einzug in Jerusalem anschlossen.

 

Mit der Urkunde aus dem Jahr 1113 erteilte Papst Paschalis II. dem Orden Privilegien wie die Befreiung von der Zehntpflicht und unterstellte die ersten europäischen Niederlassungen dem Leiter des Jerusalemer Hospitals, dem als Gründer des Ordens verehrten und später selig gesprochenen Bruder Gerhard. Die Befreiung von Abgaben in Italien und Südfrankreich gegenüber den jeweiligen Bistümern war der Grundpfeiler für die bis heute andauernde kirchliche Sonderstellung der Hospitalritter.

 

Ab etwa Mitte des 12. Jahrhunderts kann man von einem eigenen Orden vom Hospital des Hl. Johannes von Jerusalem sprechen, der dann, wie alle Ordensgemeinschaften, direkt dem Papst unterstellt war.

 

Die Balley Brandenburg, Teil des Gesamtordens, erhielt im Jahr 1382 mit dem Vertrag von Heimbach eine Sonderstellung im Orden. Aus der Balley entwickelte sich der evangelische Johanniterorden, während der verbleibende Orden heute als katholischer Malteserorden bekannt ist. Der Malteserorden ist der erste zentralistisch aufgebaute Orden in der katholischen Kirche.