Der Hausnotruf auf Türkisch und Russisch

Der Hausnotruf schenkt Sicherheit und Vertrauen. Wichtig ist, dass Kunden die Funktionsweise des Notrufs gut verstehen und sich leicht mit den Helfern verständigen können. Daher bieten die Johanniter ihren Hausnotruf auch auf Türkisch und Russisch an.

Ahmet Ayyildiz war maßgeblich am Johanniter-Hausnotruf auf Türrkisch beteiligt.

Foto: Johanniter

Ahmet Ayyildiz ist ein waschechter Schwabe. In Tübingen geboren und aufgewachsen hat selbst sein Hochdeutsch einen schwäbischen Einklang. Der 44-Jährige ist einer, der „schaffe“ kann – wie man im Ländle sagt. Er ist ein kreativer Kopf, der auch noch ein großes Herz für Menschen hat, die Hilfe brauchen. So ist er auch bei den Johannitern in Heilbronn gelandet. Dort hat er eine seiner besten Ideen gemeinsam mit seinen Kollegen in die Tat umgesetzt: den Hausnotruf in türkischer Sprache. 

Denn Ahmet Ayyildiz ist nicht nur Schwabe. Er hat auch türkische Eltern, die in den Sechziger Jahren als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland kamen. „Wie fast alle der ersten Generation sprechen meine Eltern kaum Deutsch. „Sie haben immer geschafft und all diese Integrationsangebote von heute gab es damals noch nicht“,sagt Ahmet. Jetzt, wo diese Generation immer mehr auf Hilfe angewiesen ist oder gar pflegebedürftig wird, stellt sich das als ein echtes Problem heraus. Denn Angebote wie den Hausnotruf können diese Menschen gar nicht nutzen – schlicht, weil sie sich mit den Helfern nicht verständigen können. Viele wissen nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt.Daher ging Ahmet Ayyildiz auf einen türkischen Hausarzt vor Ort zu, der seine Patienten über den Hausnotruf informiert. Ayyildiz hielt Vorträge in der türkischen Gemeinde, hatte einen Stand auf der Kirmes und bat die Johanniter, Flyer auf Türkisch zu drucken. Das Engagement hat sich gelohnt: Heute nutzen 100 der 350 Kunden vor Ort den türkischen Hausnotruf. „In der Muttersprache helfen zu können, baut Vertrauen auf“, sagt Ahmet Ayyildiz.

Daher installiert er den Notruf bei den Kunden zu Hause immer selbst und erklärt ihnen alles auf Türkisch. Mit der Zentrale in Mannheim, wo die Notrufe eingehen, hat er einen Code vereinbart: „Wenn jemand Hilfe, Ambulanz‘ ruft, schicken die Kollegen sofort den Rettungsdienst. Wenn ich selbst Dienst habe und es irgendwelche Probleme gibt, schalten sie den Kunden direkt zu mir durch. Das funktioniert hervorragend.“Ebenfalls hervorragend funktioniert die Mundpropaganda: In Heilbronn und Umgebung kommen mittlerweile auch viele Griechen und Italiener auf Ahmet Ayyildiz zu und wünschen sich einen Hausnotruf in ihrer Muttersprache. „Eine echte Marktlücke, die wir hier entdeckt haben", freut sich Ahmet Ayyildiz.

Frau Schamber mit einer russischsprachigen Hausnotruf-Kundin.

Foto: Johanniter/Schoelzel

In Berlin gibt es ein ähnliches Angebot schon seit 2004. Allerdings in russischer Sprache. Ludmila Schamber ist eine von sechs zweisprachigen Johanniter-Mitarbeitern in der Berliner Zentrale. Hier landen Notrufe der 320 russischsprachigen Hausnotruf-Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet. Dann sind Ludmila Schamber und ihre Kollegen gefragt. „Je nachdem, was passiert ist, schicken wir Angehörige, einen Nachbarn oder die örtliche Ambulanz vorbei. Manchmal können wir auch Entwarnung geben. Allein im Notfall ihre Muttersprache zu hören, beruhigt schon viele. Dann setzt automatisch eine innere Entspannung ein“, berichtet Schamber.Die gebürtige Ukrainerin kam selbst 1994 aus Kirgistan nach Berlin. Die 66-jährige weiß, wie hilflos man sich fühlen kann, wenn man die Sprache des Landes nicht spricht. Und so geht es vielen älteren Menschen, die zwar noch in ihrer eigenen Wohnung leben, aber eben doch hin und wieder Hilfe brauchen und für den Notfall gewappnet sein wollen. Nach der Wende kamen hunderttausende russischsprachige Menschen nach Deutschland – Russlanddeutsche und viele jüdische Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. „Das alte System, wo sich die Kinder um die Älteren kümmerten, funktioniert hier nicht mehr“, erklärt Schamber. „Oft wohnen die Kinder nicht in der Nähe oder arbeiten Vollzeit. Manche sind auch wieder in die alte Heimat oder nach Israel gezogen.“ Außerdem kämen Menschen, die nicht im Westen aufgewachsen seien, oft gar nicht auf die Idee, dass es so etwas wie einen Hausnotruf überhaupt gebe, sagt Schamber. 

Dabei kann der Hausnotruf der Johanniter das Leben im Alter so viel leichter und sicherer machen.Schamber freut sich, dass sie ihre Landsleute nicht nur bei der Einrichtung des Notrufs beraten kann, sondern auch beim Ausfüllen der Formulare für die Krankenkasse oder das Sozialamt. Denn sie kennt die Tücken der Bürokratie. Das schönste Erlebnis hatte Ludmila Schamber, als sie einer 86-jährigen Russin bei einem technischen Problem half. Die alte Dame, deren Kinder in Österreich und Moskau leben, umarmte sie und sagte: „Sie haben mir das Leben gerettet!“ Vor einiger Zeit habe sie undefinierbare Kopfschmerzen gehabt, die sie zunächst auf das Wetter geschoben habe. Aber als sie dann nach einer Ohnmacht im Bad aufgewacht sei, habe sie den Notfallknopf an ihrem Arm gedrückt und der Krankenwagen sei schnell gekommen. Es waren innere Blutungen, die zum Glück schnell behandelt werden konnten. „Allein dafür hat sich der Hausnotruf der Johanniter in russischer Sprache doch schon gelohnt“, findet Ludmila Schamber.

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