„Es muss nicht gleich was passieren, aber mit dem Hausnotruf fühlt man sich einfach sicherer“

Herr Krause ist Experte für den Hausnotruf bei den Johannitern.

Foto: Johanniter/Friese

Als Zivildienstleistender fing Matthias Krause 1997 bei den Johannitern an. Neben seinem Job als Techniker in einer Computerfirma blieb er seinen Kollegen als freiwilliger Rettungssanitäter erhalten. Die Kombination aus Technikverständnis und praktischer medizinischer Erfahrung machte ihn 2000 zur perfekten Besetzung für die Abteilung Hausnotruf im Regionalverband Mittelhessen. Seit 17 Jahren treibt der achtfache Familienvater nun die Weiterentwicklung des Hausnotrufs bei den Johannitern voran – heute für den Landesverband in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland.

 

Wie funktioniert der Hausnotruf der Johanniter?

Unsere Kunden bekommen die Möglichkeit rund um die Uhr 365 Tage im Jahr mit uns in Kontakt zu treten. Und zwar über eine technische Einrichtung, die entweder in der Wohnung installiert ist oder die man bei sich tragen kann. Drückt ein Kunde auf den roten Notfallknopf, wird sofort eine Sprachverbindung mit den Kollegen der Notrufzentrale hergestellt. Die klären dann erstmal, was das Problem ist. Wenn es sich um einen medizinischen Notfall handelt, schicken wir einen Rettungswagen vorbei. Oft gibt es aber eher ein soziales Problem oder die Notwendigkeit einer Dienstleistung. Wenn ein Kunde den Notfallknopf drückt, weil die Glühbirne kaputt ist, schicken wir ihm nicht die Feuerwehr, sondern die Hilfe, die benötigt wird. Manchmal kontaktieren wir auch die Angehörigen, Nachbarn oder einen Pflegedienst, damit sie nach dem Rechten sehen. 

Das ist ja ein sehr individueller Service. Erfordert das nicht ein ziemlich komplexes System im Hintergrund?

Für die Kunden ist der Hausnotruf sehr einfach zu bedienen. Aber wenn man dahinter schaut, was alles notwendig ist, damit unser System 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ausfallsicher funktioniert, dann staunen schon viele.

Was zeichnet Johanniter besonders aus?

Der Hausnotruf der Johanniter ist eines der besten Produkte, das man bekommen kann. Das bekommen wir auch von unseren Kunden immer wieder gespiegelt. Wir arbeiten mit modernster Technik und sind dank unserer Größe und der Verbandsstruktur mit einer zentralen Geschäftsstelle in Berlin auch in der Weiterentwicklung unseres Services immer am Puls der Zeit. Wir haben sogar eine eigene Abteilung „Forschung und Entwicklung“, die sich unter anderem mit sprachgesteuerter Notruftechnologie beschäftigt. Es gibt ja mittlerweile Kameras und sogar Fußböden, die erkennen, wenn jemand gestürzt ist und dann selbsttätig einen Notruf absetzen. 

Für wen ist der Hausnotruf sinnvoll?

Der Hausnotruf kann für jeden interessant sein, der ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit hat. Aber unser Standardkunde ist zwischen 70 und 80 Jahren alt, weiblich und wohnt alleine. Frauen sind aus unserer Erfahrung sensibler, offener und vorausschauender bei diesem Thema. Bei alleinlebenden Senioren, deren Angehörige weiter weg wohnen, taucht irgendwann die Frage auf: Wer guckt denn nach mir, wenn etwas passiert? Die Sozialkontakte sind heute nicht mehr so verlässlich wie früher. Egal, ob im Mehrfamilienhaus oder im Einfamilienhaus, das über die Straße vielleicht noch ganz gut vernetzt ist: Wer klingelt schon beim Nachbarn, wenn man ihn zwei Tage nicht gesehen hat? Genau da setzt der Hausnotruf ein: Der Kunde muss nicht warten, bis ihn irgendwer findet, sondern er löst selbst den Notruf aus und es kommt Hilfe.

Auch bei Ehepaaren, die sich aufgrund ihrer körperlichen Konstitution nicht mehr gegenseitig helfen können, ist ein Hausnotruf sinnvoll.

Wann sollte man über einen Hausnotruf nachdenken?

Schon wenn man selbst oder Angehörige merken, dass man schwächer  wird oder unsicherer auf den Beinen, sollte man sich mit dem Thema befassen. Denn leider kommen die meisten erst dann zu uns, wenn ihnen selbst oder im Umfeld etwas passiert ist. Der Klassiker: Gestürzt und zwei Tage gelegen, bis zufällig jemand vorbei kam. Mit einem Notrufgerät wäre es gar nicht so weit gekommen. 

Eine meiner Kundinnen beschrieb das einmal so: „Ich habe immer einen Schirm in der Handtasche, wenn ich rausgehe, egal ob es regnet oder nicht. Genauso ist es mit den Hausnotruf: Egal, ob mir heute etwas passiert oder nicht. Für den Fall der Fälle habe ich meinen Hausnotruf.“ Daher rate ich immer dazu, den Hausnotruf lieber früher als später einzubauen: Es muss nicht immer gleich etwas passieren, aber man fühlt sich einfach sicherer in den eigenen vier Wänden. 

Welche Vorteile hat der Hausnotruf für Angehörige?

Für die Angehörigen ist es eine große Entlastung zu wissen, dass jemand für die Eltern oder Großeltern da ist, wenn sie selbst arbeiten, im Urlaub sind oder weiter weg wohnen. Dieses Maß an Sicherheit lässt viele erst wieder ruhig schlafen.

Es gibt aber auch jüngere Menschen, die sich auf den Hausnotruf verlassen. Warum?

Viele unserer jüngeren Kunden haben in irgendeiner Art und Weise ein Handicap. Manche sichern sich zu Hause für die Zeiten ab, wenn der Pflegedienst einmal nicht da ist. Menschen, die den Notfallknopf nicht mehr drücken können, bieten wir eine sogenannte Pustesensorik oder eine Sprachsteuerung an. Viele Kunden mit Elektro-Rolli nutzen auch unser mobiles Notrufgerät, falls sie sich auf der Straße festgefahren oder der Akku des Rollstuhls leer ist. In solchen Fällen hilft keine Feuerwehr oder ein Taxiunternehmen. Aber wir Johanniter haben hier eine besondere Expertise, weil wir selbst auch Behindertenfahrdienste betreiben. Über die GPS-Daten wissen wir genau, wo der Kunde steht und schicken dann jemanden vorbei, der medizinisches Hintergrundwissen über die Behinderung des Kunden hat und ihn abholt. 

Eine neue Entwicklung ist, dass sich auch Schwangere einen Hausnotruf zulegen. Wenn etwa der Mann tagsüber arbeitet und nicht erreichbar ist oder bei Risikoschwangerschaften.

Wo wird der Hausnotruf noch eingesetzt?

Wir haben auch viele Firmen, die auf unsere Dienstleistung setzen, weil sie zum Beispiel abends Alleinarbeitsplätze haben und von der Berufsgenossenschaft die Auflage haben ihre Mitarbeiter zu schützen. Früher hat man das sehr aufwändig mit so genannten Personennotrufanlagen sichergestellt. Da landete der Notfall beim Empfang oder bei kleineren Firmen direkt beim Chef auf dem Handy. Der Johanniter-Notruf ist von der Technik und dem Aufwand her sehr viel schlanker und schneller. Gerade für kleine Firmen wie Druckereien ist das interessant, weil sich der Mitarbeiter, der nachts die Maschinen am Laufen hält, im Notfall unkompliziert Hilfe holen kann.

Was war die berührendste Geschichte, die Sie mit dem Hausnotruf erlebt haben? 

Wir hatten mal eine pflegebedürftige Kundin, deren Rauchmelder in der Wohnung mit unserem Notrufsystem verbunden waren. Als Kettenraucherin und Demenzkranke hatte sie schon öfter versehentlich ihre Wohnung in Brand gesetzt. Als dann ein weiteres Mal die Rauchmelder anschlugen, fragten wir sie über den Hausnotruf, ob es brenne. Sie: Nein, Nein! Zur Sicherheit informierten wir aber trotzdem die Hausbewohner, die Schlüssel zur Wohnung hatten und die die Dame aus den Flammen holten. Wir sind so lange in der Leitung geblieben, bis die Feuerwehrleute uns bestätigten, dass alles gelöscht sei. Es war wirklich kurz vor einem exzessiven Wohnungsbrand, nur hatte unsere Kundin das aufgrund ihrer Demenz gar nicht wahrgenommen. Am Ende waren alle glücklich, dass wir über den Hausnotruf sowohl die Anwohner als auch die Kundin selbst sehr schnell und unversehrt aus dem Haus retten konnten. Das Gesamtsystem Hausnotruf hat hier wieder einmal ganz wunderbar seine Aufgabe erfüllt.