Hausnotruf: Sicherheit und Selbstständigkeit rund um die Uhr

Der Hausnotruf kann im Notfall Leben retten. Er trägt aber auch jeden Tag dazu bei, dass sich Menschen zu Hause sicher und selbständig fühlen. Dafür sorgen unter anderem Mario Schulz und seine Kollegen aus der Hausnotrufzentrale in Berlin.

Mario Schulz in der Hausnotrufzentrale in Berlin.

Foto: Johanniter/Stelley

Wenn man aus dem Fenster der Hausnotrufzentrale in Lichterfelde blickt, dann schaut man auf große Laubbäume, die die Straße säumen. In der Ferne erklingt fröhliches Kinderlachen. Drinnen in der Zentrale riecht es nach frischem Kaffee, die Computermonitore summen, und es ertönt ein eifriges Stimmengemurmel. Insgesamt kümmern sich 27 Mitarbeiter um die Belange der Hausnotrufpatienten – und das rund um die Uhr, an sieben Tagen der Woche.

Die Arbeit in der Hausnotrufzentrale erfüllt ihn sehr, als eine Art Schutzengel sieht er sich aber keineswegs. „Fliegen können auch wir nicht“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Aber wie genau läuft es ab, wenn ein Notruf in der Zentrale eingeht? „Bei einem Notfall kommt der Rettungsdienst, und bei Stürzen wird die betroffene Person in maximal 40 Minuten am Einsatzort versorgt.“ Es geht, wie Schulz erzählt, aber um viel mehr als um reine Notfallbetreuung. Was zählt, ist das Gefühl von Sicherheit und Eigenständigkeit, das das Team durch seine Bereitschaft vermitteln kann. In der Hoffnung, dass es eben erst gar nicht zu einem Notfall kommt. „Vielen Nutzern und ihren Angehörigen reicht es oft auch, zu wissen, dass der ‚Piepser’ immer am Handgelenk ist. Die Beruhigung, die ein solcher roter Knopf den Kunden schenken kann, ist enorm.“ Mario Schulz hat Spaß an seiner Arbeit und kommt gerne in den Dienst.

Nach einer kurzen Übergabe der Kollegen, die ihn auf den neusten Stand der Alarmdokumentation bringen, bearbeitet er dann technische Meldungen, kümmert sich um die Datenpflege, erledigt Serviceanrufe. Ein Notruf kann hier natrürlich jederzeit eingehen.

Monatlich betreut das gesamte Team etwa 26.000 Telefonate, davon 6.500 Anrufe im Pflegenotruf. Eine beachtliche Zahl, die auch ein hohes Maß an Geduld erfordert, denn für den Bereitschaftsdienst braucht es nun mal, wie Schulz findet, ein ruhiges Gemüt. „Wir sind hier ganz dicht an Leben und Tod. Feingefühl, Empathie, Flexibilität und Belastbarkeit sind ein Muss, genauso wie eine fundierte medizinische Ausbildung.“ 

Nicht zu vergessen sind auch ein dickes Fell und eine gesunde Portion Humor, denn so manche Situation berührt auch die Mitarbeiter der Zentrale sehr. Wie zum Beispiel die kuriose Geschichte einer demenzkranken Frau, die den Notfallknopf auslöste und aufgewühlt berichtete, dass ihr Partner tot neben ihr läge. Als das Team an Ort und Stelle war, fanden sie neben ihr auf dem Sofa keinen Mann, sondern einen alten Teddy. Das tat der schmerzlichen Trauer der Frau jedoch keinen Abbruch, und es benötigte einiges an Mitgefühl und Herzlichkeit, um sie wieder zu beruhigen. 

„Was mir persönlich bisher am nächsten ging“, erinnert sich Schulz, „war ein Feueralarm durch den Notruf, den ich hier in der Zentrale angenommen habe. Ich konnte die Flammen durch das Gerät knistern hören und war förmlich selbst dabei. Als die Rettungsaktion erfolgreich abgeschlossen war, musste ich erst einmal an die Luft und kräftig durchatmen.“

Solche Dinge gehen Schulz auch nach Dienstschluss nicht immer aus dem Kopf. „Jeder Job hat seine Besonderheiten und Herausforderungen. Wir machen uns unsere enorme Verantwortung regelmäßig bewusst, denn jede noch so harmlos wirkende Kontaktaufnahme über das Notrufgerät mit der Zentrale kann sich zu einer Situation auf Leben und Tod entwickeln.“

Wichtig zu wissen ist, dass der Notruf keineswegs eine Frage des Alters, sondern vielmehr des gesundheitlichen Zustandes ist. So nutzen etwa auch junge Leute, bei denen es aufgrund ihrer Krankheit zu plötzlichen Beschwerden kommen kann, und Menschen mit Behinderungen den Service des Notrufs. Was außerdem zählt, ist die Kooperation und Zusammenarbeit der Angehörigen, die der Aktualisierungspflicht zum Beispiel von Medikamenteninformationen oder Listen von Ansprechpartnern mit Haustürschlüssel regelmäßig nachkommen sollten. „Das ist ganz wichtig, wenn es mal schnell gehen muss“, sagt Schulz. 

Geht Mario Schulz dann in den Feierabend, tut er dies oftmals auch mit einem Anruf der besonderen Art. „Es gibt eine ältere Frau, die sich jeden Abend per Tagestaste, das ist eine sogenannte Aktivitätskontrolle des Hausnotrufgerätes, die auf Wunsch aktiviert werden kann, abmeldet und uns eine gute Nacht wünscht. Das ist ein richtiges Ritual geworden. Schon ihre Stimme haben wir sehr lieb gewonnen.“