Hunde retten Leben – per Knopfdruck

Alarm erfolgreich ausgelöst. Foto: Rolf Oeser

Für einen Erfinder hält sich Tobias Winter nicht. Ein kreativer Geist und Lebensretter ist der Teamleiter beim Johanniter-Regionalverband Hanau & Main-Kinzig allemal. Winter baute eine Notrufsäule, mit der Hunde trainieren, den Notfallkopf des Johanniter-Hausnotrufs zu drücken, wenn Herrchen oder Frauchen Hilfe braucht. Das kann Leben retten.

Auf die zündende Idee brachte ihn der elfjährige Philipp. Weil er unter Asthma und einem posttraumatischen Belastungssyndrom leidet, begleitet den Jungen ein kleiner Assistenzhund. „Wie toll wäre es, wenn der Hund Philipps mobilen Notfallknopf drücken könnte, wenn der Junge unterwegs Hilfe braucht“, dachte Winter. Aber wie den kleinen Hund trainieren?

Für die örtliche Hundeschule festigte Winter den mobilen Alarmknopf des Johanniter-Hausnotrufs und ein Zugseil, wie es in altengerechten Bädern angebracht ist, an einer Holzbox – höhenverstellbar für große und kleine Hunde. Die Hunde lernen hier mit der Schnauze den Knopf zu drücken oder mit dem Maul am Seil zu ziehen, wenn ihr Besitzer in Not ist.

Nur gestellt: Tobias Winter von den Hanauer Johannitern simuliert den Ernstfall, damit „Kitty“ den Hausnotruf betätigt. Foto: Rolf Oeser

„Ein Sturz ist für Hunde leicht zu erkennen“, erklärt Winter. „Meist tippt der Hund den Menschen dann mit der Schnauze an und wenn keine Regung kommt, weiß das Tier, dass etwas nicht stimmt.“ Ein epileptischer Anfall wird in der Hundeschule hunderte Male simuliert, bis die Hunde die typischen Anzeichen verstehen. Auf Diabetes trainierte Hunde erkennen allein am menschlichen Geruch, ob ihr Herrchen unter- oder überzuckert ist. Zwar sind Assistenzhunde besonders gut mit der Behinderung ihrer Besitzer und den Signalen für einen Notfall vertraut. Doch im Grunde kann jeder Hund auf den Notfallknopf trainiert werden.

Und wie funktioniert die Kommunikation zwischen Hund und Johannitern? Auch dafür fand Tobias Winter eine Lösung: Eine Melodie signalisiert dem Hund, dass er erfolgreich den Alarmknopf gedrückt hat. Sofort meldet sich ein Mitarbeiter der Johanniter über das Notfallgerät. Aufgeregtes Bellen ist dann das Zeichen, dass schnell jemand ausrückt.

Seit Januar trainiert Philipps kleiner Hund nun alle zwei Tage an Tobias Winters Notfallsäule. Es dauere ungefähr sechs bis acht Monate, bis ein Hund auf den Alarmknopf trainiert sei, sagt Winter. Weil Philipps mobiler Notfallknopf mit einem GPS-System verbunden ist, können die Johanniter ihn im Notfall sofort orten. So kann der Junge also bald wieder allein zur Schule gehen oder im Wald spielen, ohne dass sich seine Mutter Sorgen machen muss.