PSG I: künftig zählt Selbstständigkeit

Seit 1. Januar gilt das Pflegestärkungsgesetz II. Neben der Umstellung der Leistungsbeträge der Pflegeversicherung bringt es ein neues Begutachtungsinstrument für Pflegepatienten mit sich.

Hauptstück der Reform ist die künftige Ersetzung der bislang geltenden Pflegestufen durch fünf Pflegegrade. Für die Eingruppierung wird zudem der Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert: Dabei rückt der Mensch in seiner Lebenswelt und mit allen seinen für das Leben und die Bewältigung des Alltags relevanten Einschränkungen in den Blick. Beeinträchtigungen des Körpers, der Psyche und der Wahrnehmung werden bei der Einstufung gleichermaßen berücksichtigt. Darunter fallen auch Auswirkungen demenzieller Erkrankungen.

Künftig zählt Selbstständigkeit
Bei der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen gemessen: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte. Mit unterschiedlicher Gewichtung werden die Ergebnisse dann zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Daraus ergibt sich am Ende die Einstufung in einen Pflegegrad.

Der Pflegegrad 1 ist für Menschen gedacht, die noch keinen erheblichen Unterstützungsbedarf haben, aber zum Beispiel eine Pflegeberatung benötigen, eine Anpassung des Wohnumfeldes (etwa eine altersgerechte Dusche) oder Leistungen der allgemeinen Betreuung. So wird der Kreis  der Menschen, die erstmals Leistungen der Pflegeversicherung bekommen, deutlich erweitert. In den kommenden Jahren wird deshalb mit zusätzlichen 500 000 Anspruchsberechtigten gerechnet.

Wer bereits Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, wird per Gesetz automatisch in das neue System übergeleitet. Niemand muss einen neuen Antrag auf Begutachtung stellen. Dabei gilt: Alle, die schon Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten, bekommen diese mindestens in gleichem Umfang weiter. Viele erhalten sogar deutlich mehr. Ebenfalls positiv: „Künftig werden mehr demenziell erkrankte Menschen Pflegeleistungen erhalten“, bilanziert Holger Dudel. „Das freut uns als Johanniter sehr.“

In der vollstationären Pflege kommt es für die Betroffenen vor allem auf die Höhe des Eigenanteils an, der aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Dieser Eigenanteil steigt bisher mit der Einstufung in eine höhere Pflegestufe. Künftig wächst der pflegebedingte Eigenanteil mit zunehmender Pflegebedürftigkeit nicht mehr an. Auch das entlastet viele Pflegebedürftige.

Dienstleistungen verändern sich
Weitere Veränderungen durch das Pflegestärkungsgesetz II betreffen neben den Pflegekunden die Dienstleister: Ambulante Pflegedienste müssen neben körperbezogenen Maßnahmen und Hilfen bei der Haushaltsführung auch pflegerische Betreuung anbieten. Das Leistungsspektrum der Pflegedienste erweitert sich dadurch. Entsprechende Angebote werden zurzeit nach regionalem Bedarf erarbeitet.