Integration dank Ausbildung

Bonn, 18. Januar 2018

Für einige Schüler der Evangelischen und Johanniter Bildungs-GmbH Bonn ist der 17. Januar ein besonderer Tag. Es ist nämlich der „Welttag des Migranten und Flüchtlings“, und der betrifft sie direkt. „An unserer Schule haben wir einige Auszubildende mit Migrationshintergrund, teils auch anerkannte Flüchtlinge, zum Beispiel aus Afghanistan“, sagt Christina Körner, Leiterin der Schule.

Sie absolvieren eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beziehungsweise zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin.  „Wir alle hier haben den Eindruck, dass den Betroffenen ihre Ausbildung hilft, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren“, so die Schulleiterin. Die Schüler würden sich nicht nur in ihre Ausbildungsumgebung integrieren, sondern auch auf der privaten Ebene.


In der Gesellschaft angekommen

„Wir sehen, dass sich hier Freundschaften entwickeln und sich die Schüler mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund nicht absondern. Sie sind Teil der Gruppe. Und auch privat unternehmen sie etwas gemeinsam mit unseren deutschen Auszubildenden“, weiß Körner zu berichten. „Seit ich die Ausbildung mache, fühle ich mich viel besser. Ich habe Freundinnen gefunden und fühle mich auch in meiner eigenen Familie mehr respektiert“, sagt Schülerin Parvaneh Madmoly. Die Mutter von zwei Kindern ist aus dem Iran nach Bonn gekommen. „Ich fühle mich in der Gesellschaft in Deutschland angekommen.“

Das Gleiche gilt für Mahmuda Masumi aus Afghanistan. „Deutschland hat mich aufgenommen, ich erhalte Asyl, aber ich möchte selber für mein Auskommen sorgen. Deutschland hat schon viel für mich getan, und ich möchte etwas zurückgeben. Vor allem der Einsatz in der ambulanten Pflege war für mich sehr wertvoll. Ich habe einen ganz anderen Einblick in die deutsche Kultur bekommen.“

 

Sprachbarriere überwinden

Natürlich ist die Sprache immer noch eine große Hürde. „Zuerst klappte es nicht wegen der fehlenden Sprache“, sagt Parvaneh M. „Meine Deutschkenntnisse haben sich aber sehr verbessert durch die Ausbildung. Dadurch kann ich wiederum meine Kinder in der Schule und bei den Hausaufgaben besser unterstützen.“ Für ihre Ausbildung müssen die Auszubildenden mindestens den Sprachkurs B2 absolviert haben. „Wir empfehlen den Sprachkurs C, denn schließlich müssen unsere Schüler auch mit dem medizinischen Vokabular umgehen können“, so Christina Körner. Auch Pablo Tumbaco aus Ecuador musste sich der deutschen Sprache stellen. Dabei hilft ihm sein Mitschüler Christopher Spölmink. Inzwischen hat er weniger Schwierigkeiten und freut sich, hier zu sein. „Es ergibt sich für mich hier in Deutschland eine Chance, die ich zu Hause nie gehabt hätte."

 

In gemeinsamen Lerngruppen gelingt es den Schülern, die Sprachbarrieren zu überwinden. „Darüber hinaus vermitteln wir auch noch Sprachkurse außerhalb des Unterrichts.“ Und das alles mit Erfolg. So ist es einer ehemaligen Schülerin aus Turkmenistan gelungen, ein Stipendium zu bekommen. Das erlaubte ihr, vier Wochen lang die Pflege in einem deutschen Altenheim in Boston/USA kennenzulernen. Inzwischen arbeitet sie als Pflegerin im Johanniter Waldkrankenhaus. „Die junge Frau steht mittlerweile voll im Leben und hat sich hier in Deutschland hervorragend eingelebt“, freut sich Körner.


Umfassende Ausbildung

Drei Jahre dauert die Ausbildung in den Räumlichkeiten der Johanniter Bildungs GmbH in direkter Nachbarschaft zum Bonner Johanniter-Krankenhaus. Bis zu ihrer Abschlussprüfung kommt auf die Auszubildenden einiges zu. So umfasst der theoretische Anteil ihrer Ausbildung mindestens 2.100 Stunden, der praktische Anteil mindestens 2.500 Stunden. Dabei werden Theorie und Praxis in abwechselnden Blöcken von vier bis zehn Wochen Dauer vermittelt. Fachbezogene Exkursionen, Teilnahme an Seminaren zu speziellen Pflegekonzepten und alternativen Pflegemethoden sowie Workshops zu Kommunikation, Ethik und christlicher Anthropologie ergänzen die gesetzlich vorgegebenen Themenbereiche. Die Evangelische und Johanniter Bildungs GmbH Bonn bietet jeweils zum 1.4. und 1.10. eines Jahres Ausbildungskurse in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege an. Bewerbungen sind jederzeit willkommen.