Starkes Interesse am Patienteninformationstag zum Thema Krebs

Bonn, 18. Oktober 2017

Über 200 Gäste kamen zum VII. Patienteninformationstag des Onkologischen Zentrums Bonn/Rhein-Sieg & Partner im Großen Saal des Bonner Johanniter-Krankenhauses. „Gemeinsam gegen Krebs – Therapieergänzende Möglichkeiten und unterstützende Maßnahmen“ lautet das Motto der Veranstaltung.

„Neues aus der Onkologie“

Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Prof. Dr. Yon-Dschun Ko, Chefarzt der Abteilung für Internistische Onkologie des Bonner Johanniter-Krankenhauses und Leiter des Onkologischen Zentrums. Er hatte „Neues aus der Onkologie“ zu berichten. „Bis 2000 haben wir nichts anderes gekannt als die Chemotherapie, wenn es um die Behandlung von Krebs ging“, sagte Prof. Ko. „Heute gibt es viele neue Methoden, wie die Antikörper- und Tablettentherapien. Hinzu kommen neue immuntherapeutische Ansätze. Es dreht sich also nicht mehr alles nur um die Chemotherapie“, so Prof. Ko.

Fünfmal besser als Chemotherapie

An einigen Beispielen machte Prof. Ko dies deutlich. Wie etwa beim Lungenkrebs. „Bevor eine Chemotherapie eingeleitet wird, sollte heute eine Mutationsanalyse durchgeführt werden. Denn es gibt Mutationen, die mit speziellen Medikamenten behandelt werden können.“ Dieser Ansatz wirke deutlich besser als die Chemotherapie. Dies sei bei rund 15 Prozent der Patienten der Fall. Und wenn dem nicht so ist, gilt es, nach Antiköpern zu suchen, welche das Immunsystem stimulieren. Auch diese würden deutlich besser als eine Chemotherapie wirken. „Bei einem Drittel der Lungenkrebspatienten bilden sich Hirnmetastasen, die beim Einsatz neuartiger Medikamente deutlich weniger häufig auftauchen“, so Prof. Ko. Das seien riesige Fortschritte für den Patienten und keine kleinen Schrittchen wie bei der Chemotherapie.

Prof. Ko ging auch auf neue Behandlungsmethoden bei Brustkrebs ein. Patienten erhalten bei der Bildung von Metastasen eine Antihormontherapie, da 70 Prozent der Tumore hormonreaktiv sind und der Entzug von Hormonen dabei sehr effektiv ist. „Hier gibt es ein neues Medikament, das der Zelle sagt, sie soll sich nicht mehr teilen, also ein Teilungsblocker. So wird die Zeit, bis ein Rückfall auftritt, verdoppelt“, so Prof. Ko. Das könne lebensverlängernd sein.

„Eine extrem gute Kurve“

Neben Eierstock-, Prostata- und Blasenkrebs sprach Prof. Ko auch über Blutkrebs bzw. Leukämie. „Bei der chronisch myeloischen Leukämie führt eine genetische Störung zur chronischen Vermehrung des Blutes, was schließlich den Tod zur Folge hat.“ Seit zehn Jahren sei ein Medikament auf dem Markt, das die Knochenmarktransplantation ersetzt, ohne Nebenwirkungen. „Damit verfügen wir heute über die Zehn-Jahres-Daten zu dem Medikament. Die zeigen, dass 85 Prozent der damit behandelten Patienten noch leben, das ist eine extrem gute Kurve“, meint Prof. Ko. Und es habe sich herausgestellt, dass 50 Prozent der Patient als geheilt diagnostiziert werden, nachdem bei ihnen das Medikament abgesetzt wurde. Gleichzeitig sei festgestellt worden, dass das Medikament seine Wirksamkeit nicht verliert, wenn es nach dem Absetzen wieder angewendet wird. Solche Ergebnisse müsse man reflektieren, wenn man bei der Behandlung von Krebs weiter kommen will.

Expertenrunden

Nach Prof. Kos Vortrag bildeten sich Gesprächsrunden mit Fachexperten, in denen die verschiedenen Krebsarten in die Tiefe gehend erörtert wurden. Es gab folgende Expertenrunden: Brustkrebs und gynäkologische Tumore, Darm-,  Bauchspeicheldrüsen-,  Magen-, Speiseröhren- und Schilddrüsenkrebs, Lungenkrebs,  Prostata-, Blasen-, Hoden und Nierenkrebs, Seltene Bluterkrankungen und Krebsarten: Kopf- und Halstumore, Leukämie, Lymphome, Plasmozytome, Palliativmedizin und Sport und Krebserkrankungen. Im Anschluss folgte der Vortrag der Fachärztin für Palliativmedizin Margarete Ruppert „Essen und die darin verborgene Dimension -  Rezepte für mehr Lebensqualität“.

 

Weitere Informationen vom Onkologischen Zentrum gibt es in der neuen Auflage der Broschüre und des Flyers.