Pathologischer Befund

(Feingewebliche Untersuchung)
Jedes entfernte Präparat wird den Pathologen geschickt, die das Gewebe akribisch aufarbeiten um die Zellen genau zu charakterisieren. Unsere Pathologen haben ein Labor direkt im Haus, so dass wir hier sehr eng miteinander arbeiten können. Heimat der Pathologe ist die Universität Köln mit dem Direktor Prof. Dr. R. Büttner.

Je nach Situation können Gewebe als Schnellschnitt (innerhalb von 15 Minuten), als Schnelleinbettung (innerhalb von 24 Stungen) oder routinemäßig exakt (innerhalb von 3-5 Tagen) aufgearbeitet werden.

Der endgültige Befund
Durch den Pathologen wird jedes Gewebe exakt aufgearbeitet Dadurch ist die abschließende Risikoeinschätzung Ihrer Situation möglich. Ein „p“ vor der Eigenschaft beschreibt, dass diese Bewertung durch die Pathologie vorgenommen wurde.

Als erstes wird der feingewebliche Typ des Krebses festgestellt: Krebszellen entwickeln sich hauptsächlich aus dem Bereich der Milchgängen (NST = nicht spezifischer Typ, ductal) oder aus den Läppchen der Drüsen (invasiv lubulares Carcinom).

Karzinom = Krebs
Mammakarzinom = Brustkrebs

Tumorgröße (T)

Wesentlich ist die tatsächliche Ausdehnung der bösartigen Zellen. Diese wird unter dem Mikroskop gemessen und kann deutlich von der Messung der durchgeführten Bildgebung (Ultraschall, Mammographie oder Kernspin-Mammographie) abweichen.

pTis  nur vorveränderte böse Zellen (in-situ-Zellen) sind nachweisbar, d.h. der Pathologe findet keine Invasion.
Es handelt es sich an sich noch nicht um Krebs!

pTmi Mikroinvasion
Die Ausdehnung des Krebses ist ≤ 1mm

pT1 Die Ausdehnung des Krebses ist > 1mm und ≤ 20mm)

  • pT1a > 1mm bis ≤   5mm
  • pT1b > 5mm bis ≤ 10mm
  • pT1c > 10mm bis ≤ 20mm


pT2 > 20mm bis ≤ 50mm
                                         
pT3 > 5 cm

pT4  Die Ausdehnung erreicht die Haut oder die Muskulatur

  • pT4a  Krebsausdehnung bis zur Thoraxwand
  • pT4b  Hautbefall
  • pT4c  Thoraxwand und Hautbefall
  • pT4d  Inflammatorischer Karzinom (starke Hautrötung)

Lymphknoten (N)

N von „Nodus“
Sind Lymphknoten frei von bösartigen Zellen, so werden sie pN0 genannt. Falls ein Lymphknotenbefall vorliegt, werden sie als pN1-N3 bezeichnet und entsprechend der Ausdehnung weiter differenziert. Wichtig ist dann auch, wie viele der entfernten Lymphknoten befallen sind.

Wurde ein Wächterlymphknoten entfernt so wird er mit „sn“ (sentinel node) bezeichnet.

Fernmetastasen (M)

Ob es bereits Tochtergeschwülste im Körper gibt, wird durch den Metastasenstatus dargestellt.

M0 bedeutet kein Nachweis von Fernmetastasen.
M1
zeigt, dass es bereits eine Ausbreitung außerhalb der Brust (z.B. in Lunge, Leber oder Knochen) gibt.

Grading (G)

Zellen teilen sich unterschiedlich schnell. Bei einer hohen Teilungsrate sind sie dann besonders aggressiv, wachsen schnell und sind sehr wenig differenziert. Andere Zellen teilen sich eher langsam und sind somit viel gutmütiger. Dies spiegelt sich im histologischen Differenzierungsgrad oder Grading (G1, G2, G3) wieder.

Am günstigsten sind Zellen die ein GI aufweisen.

Ki-67

Hierbei handelt es sich um einen Proliferationsmarker. Er beschreibt, wie viel Prozent der Zellen sich zum Zeitpunkt der Probenentnahme in Teilung befunden haben. Ki-67 dient somit als wichtiger biologischer Faktor für die Frage der Aktivität des Tumors. Die Einteilung der Grenzwerte ist zum Teil schwierig.

Im Allgemeinen gilt:
Ki-67  < 10% niedrige Proliferationsrate

Ki-67 ≥ 10% bis < 25% mittlere Proliferationsrate
Ki-67  25% hohe Proliferationsrate           

In manchen Studien wird auch 14% als Grenzwert zwischen niedriger und hoher Teilungsrate verwandt.

Rest / Rand (R)

Des Weiteren wird vom Pathologen dokumentiert ob er noch Reste (R) im Gewebe erwartet.

R0  In den Ränder ist nur gutartiges Gewebe nachweisbar. Die bösartigen Zellen sind sicher entfernt.
R1 Am Rand zeigen sich noch Tumorzellen. Es ist anzunehmen, dass noch bösartige Zellen zurückgeblieben sind. Im Allgemeinen muss noch einmal nachoperiert werden.

Lymphgefäße (L)

Zudem wird beschrieben, ob es zu einem Einbruch in Lymphgefäße gab oder nicht. Dabei werden die umgebenden Lymphbanen des entnommenen Gewebes bewertet.

L0 Keine Tumorzellen in Lymphbahnen nachweisbar.
L1 Tumorzellnachweis in Lymphgefäßen.

Venen / Gefäße (V)

Entsprechen der Lymphgefäße bewertet die Pathologie auch die Situation der Tumorbegleitenden Venen und Arterien.

V0 Keine Tumorzellen in Gefäßen nachweisbar.
V1 Tumorzellnachweis in Venen und/oder Arterien.

Rezeptoren (ER, PR)

Gerade Brustkrebszellen können die Fähigkeit haben, hormonabhängig zu sein. Hierbei handelt es sich um eine Empfindlichkeit der Zellen für die weiblichen Geschlechts-hormone Östrogen und Progesteron. Ca. 70% der Brustkrebs-zellen haben einen Östrogen- (ER, vom englischen Wort „estrogen“) oder Progesteronrezeptor (PR), können also auf Hormone oder Antihormone reagieren.

Her-2/neu

Krebszellen können auch Krebsgene in sich tragen.  Dabei handelt es sich um Informationen, die erst seit wenigen Jahren bekannt  sind. Lässt sich bei Krebszellen z.B. das Krebsgen Her-2/neu nachweisen, so  wird dies eher als ungünstig angesehen. Allerdings gibt es dann die Möglichkeit  einer Antikörper-Therapie mit Herceptin® (s.u.). Her-2/neu wird in bis zu  25% der Gewebe nachgewiesen.

Als weitere Faktoren werden noch Ihr Alter und der damit zusammenhängende Menopausenstatus (ob die Wechseljahre beendet sind) dokumentiert.

Diese Parameter werden als klassische oder etablierte Faktoren angesehen. Von den anderen über hundert Parametern der Prognose beim Mammakarzinom hat sich bisher kein weiterer als therapierelevant herauskristallisiert. Ständig gibt es neue Informationen, die wir in unsere Überlegungen mit einbeziehen. Lediglich die Bestimmung des Recurrence Score im Testsystem OncotypeDX hat sich in letzter Zeit zusätzlich etabliert (s.u.).

Sie erkennen, dass es bei Kombination aller Möglichkeiten extrem viele Variationen gibt, die jeden „Fall“ zu einer individuell zu behandelnden Erkrankung machen. Daher wird jede Therapieentscheidung individuell in einem interdisziplinaren Kolloquium mit zahlreichen Fachexperten besprochen (Tumorboard). Auf Wunsch können Sie an einer solchen Sitzung teilnehmen.

OncotypeDX®

Mit Hilfe des diagnostischen Tests OncotypeDX®-Tests können Aktivitäten von 21 Genen aus dem Tumorgewebe bestimmt werden. Er dient dabei zur Abschätzung des Risikos, erneut an einem Brustkrebs zu Erkranken. In einigen großen Brustkrebsstudien konnte mit Hilfe der Bestimmung des  OncotypeDX®  dargestellt werden, ob eine Chemotherapie in bestimmten Situationen von Vorteil ist oder nicht.

Für den Test benötigt das Labor fixiertes Tumorgewebe. Dieses wird von den Pathologen in ein spezielles Labor in den USA geschickt. Am Ende des aufwendigen Tests wird statistisch der Recurrence Score (RS) bestimmt, der uns zugesandt wird. Bei einen niedrigen Wert (kleiner 18) profitieren Sie auf keinen Fall von der Durchführung einer Chemotherapie. Bei hohem Wert über 31 muss über eine Chemotherapie nachgedacht werden und wird von uns empfohlen. Im mittleren Bereich (RS 19 – 30) ist die Aussage unklar. Im Allgemeinen wird dann aber eher auf eine Chemotherapie verzichtet.

Eingesetzt wird der Test in Situationen, bei denen die Tumor-Ausbreitung und Tumor-Eigenschaften insgesamt sehr günstig sind:

  • fehlende Lymphknotenbeteiligung pN0
  • (bzw. Befall von maximal 3 Lymphknoten) pN1a)
  • mittlere Tumorgraduierung G2
  • positive Hormonrezeptoren (Hormonabhängigkeit vorhanden) Rez. positiv
  • fehlendes Krebsgen Her-2/neu  Her-2 negativ
  • mittlere Teilungsrate dargestellt durch das Ki-67 ki-67: 15 – 25%

In dieser Situation haben Patienten durch eine Chemotherapie insgesamt nur einen sehr geringen Vorteil im Vergleich zu den Nebenwirkungen der Therapie. Daher hilft der Test, denjenigen Patienten herauszufiltern, der von einer Therapie profitiert.

Die Bestimmung ist aufwendig und teuer. Die Kassen übernehmen aber in der Regel die Kosten. Wir werden auf Sie zukommen, wenn der Test für Sie relevant wird.

Ihr Ansprechpartner Brustkrebszentrum Bonn / Euskirchen

Standort Bonn

Johanniter-Straße 3–5
53113 Bonn