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Gute Aussichten für Patienten mit Stuhlinkontinenz. Die sakrale Nervenstimulation mittels Darmschrittmacher ist vom Prinzip her vergleichbar mit dem eines Herzschrittmachers. Die Stimulation der Beckenbodenmuskulatur und der Schließmuskelnerven führt in über 90% der Fälle zu einer deutlichen Besserung der Stuhlinkontinenz. Seit einem Jahr wird diese Methode im Kampf gegen Stuhlinkontinenz im Johanniter-Krankenhaus erfolgreich eingesetzt. Ärzte hoffen auf mehr Akzeptanz – auch der Herzschrittmacher war mal eine Neuheit und hat sich längst bewährt.
Unter Stuhlinkontinenz versteht man den unkontrollierten Abgang von festem oder flüssigem Stuhl. Noch immer ist dieses Krankheitsbild ein großes Tabuthema, obwohl ca. 2% der Gesamtbevölkerung davon betroffen sind. Die Betroffenen scheuen häufig den Weg zum Arzt und versuchen durch Verwendung von Hilfsmitteln oder das Tragen von Einlagen ihr Problem zu behandeln, damit nichts „in die Hose“ geht. Die Lebensqualität dieser Patienten ist erheblich eingeschränkt und oftmals führt Stuhlinkontinenz zum vollständigen Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben. Die Ursachen der Stuhlinkontinenz sind vielfältig und können entweder in nervalen Störungen des Beckenbodens oder in Schädigungen des Afterschließmuskels begründet sein. Schätzungen zufolge erleiden bis zu 27% der Frauen bei Erstgeburten eine Schädigung des Schließmuskels, die in späteren Jahren zur Stuhlinkontinenz führen kann.
In einem Großteil der Fälle lassen sich mit konservativen Therapiemethoden wie diätetischen Maßnahmen, Medikamenten, Beckenbodentraining, Biofeedback und Elektrostimulation ausreichende Behandlungsresultate erzielen. Aber auch für die restlichen Patienten gibt es heutzutage hinreichende therapeutische Möglichkeiten, z.B. können rekonstruktive Operationen am Afterschließmuskel die Inkontinenz verbessern wenn der Schließmuskel nachweislich geschädigt ist. Die Langzeitergebnisse dieser muskelwiederherstellenden Operationen sind allerdings teilweise sehr unbefriedigend.
Moderne Methode wird seit einem Jahr im Johanniter erfolgreich umgesetzt
Nicht selten spielen neben der Schließmuskelschwäche auch andere Faktoren für die Stuhlinkontinenz eine Rolle, wie z.B. das gestörte Zusammenspiel der Muskeln des Beckenbodens. Ein Therapiekonzept das mehrere dieser Faktoren potenziell positiv beeinflussen kann, ist die sakrale Nervenstimulation, die erfolgreich in spezialisierten Kliniken eingesetzt wird. In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie des Johanniter-Krankenhauses Rheinhausen (Chefarzt Dr. Alexander Meyer) wird dieses Verfahren seit über einem Jahr sehr erfolgreich eingesetzt. Das Verfahren ist wenig invasiv und mit einer niedrigen Komplikationsrate verbunden. Durch eine kleine Operation wird den Patienten zunächst in einer Testphase eine haarfeine Elektrode unter Röntgenkontrolle im Bereich des Kreuzbeines eingesetzt. Ein Darmschrittmacher, ähnlich einem Herzschrittmacher, gibt dann über diese Elektrode schwache elektrische Impulse an die Nerven, die den Schließmuskel versorgen, ab. Durch die elektrischen Impulse wird der Schließmuskel gekräftigt und die Schließmuskelfunktion deutlich verbessert. Nach klinischen Studien werden mit dieser Therapie Erfolgsraten von bis zu über 90% erzielt. 40-70% der Patienten werden durch die sacrale Nervenstimulation sogar für festen und flüssigen Stuhl vollständig kontinent. Entscheidend ist aber, dass die meisten Patienten durch die verbesserte Schließmuskelfunktion eine völlig neue Lebensqualität gewinnen und wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Für die Therapie eignen sich auch die Patienten die gleichzeitig unter einer Harninkontinenz leiden.
Patienten mit Stuhlinkontinenzproblemen können sich telefonisch oder per Mail an die Chirurgische Klinik I des Johanniter-Krankenhauses Rheinhausen wenden: Telefon 02065-971201, E-Mail: chirurgie1@johanniter-rheinhausen.de