Visualisierungsstudie

Stressfaktor Operation: Neue Studie hilft Patienten Ängste abzubauen

Chirurgenteam des Johanniter-Krankenhauses Rheinhausen befasst sich intensiv mit dem Umgang von Patientenängsten vor anstehenden Operationen. In einer früheren Studie mit präoperativen Entspannungsübungen konnten bereits sehr positive Effekte bei Patienten mit Schilddrüsenoperationen nachgewiesen werden. Die Patienten hatten weniger Schmerzen und benötigten weniger Schmerzmittel nach der Operation.

Die Natur hat ihre eigenen Gesetze. Somit rüttelt auch kein technischer Fortschritt daran, dass der Mensch in bestimmten Lebenssituationen Angstgefühle entwickelt und die ganz ursprünglichen, evolutionären Schutzmechanismen in uns aktiviert werden. Eigentlich ein ganz natürlicher Prozess. Nur zu viel aufgebaute Ängste und angestauter Stress lassen uns verkrampfen, lähmen unser Handeln, wir atmen falsch und verirren uns vor den Möglichkeiten, uns wieder entspannen lassen zu können.

Brückenschlag zum Ganzheitlichen – Auf der einen Seite vermag die Schulmedizin mit ihren vielen Spezialisierungen bei der Behandlung von Erkrankungen häufig keine ganzheitliche Sichtweise mehr zu bieten und auf der anderen Seite übt unser Gesundheitssystem einen enormen wirtschaftlichen Druck auf die Krankenhäuser aus, so dass Patienten möglichst schnell operiert werden müssen. Beides verhindert dass sich Ärzte mit den Ängsten der Patienten vor einer Operation und deren Ursachen eingehend auseinandersetzen können. Diese sind nämlich häufig nicht so klar und greifbar wie die chirurgische Diagnose. Diesem Problem stellen sich jetzt die Ärzte der Chirurgischen Klinik I (Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäßchirurgie und Koloproktologie) des Johanniter-Krankenhauses Rheinhausen. Im Rahmen einer sogenannten Visualisierungsstudie bietet die Klinik ein präoperatives (vor der Operation) Entspannungsprogramm und eine intensivierte Operationsvorbereitung an zum Abbau von Ungewissheit, Angst und Stress. „Diese zusätzliche, begleitende Maßnahme kann das Wohlbefinden des Patienten nachweislich verbessern und den Genesungsverlauf nach der Operation, zum Beispiel Verminderung von Schmerzen und Beschwerden, eine bessere Wundheilung und somit auch eine schnellere Mobilisierung, positiv beeinflussen“, erklärt Prof. Dr. Georg Omlor (Oberarzt der Chirurgischen Klinik I), der die Studie leitet und koordiniert. Bei diesem Angebot richtet sich der Blick gezielt auf die Angst und den Stress, der bei den Menschen ausgelöst wird, wenn eine geplante Operation bevorsteht. Denn das Wissen um eine bevorstehende Operation ist für die meisten Menschen ein erheblicher Stressfaktor. Gerade Menschen, die erstmals in ihrem Leben operiert werden müssen, fühlen sich dem Geschehen gänzlich ausgeliefert, verbunden mit vielen Unsicherheiten. Diese werden unter Umständen noch durch persönliche ganz individuelle Probleme des Alltags verstärkt. Die Folge: Angst-Stress-Druck. 

„Sowohl unsere Erfahrungen als Chirurgen, als auch vielversprechende wissenschaftliche Erkenntnisse haben uns dazu bewogen, die Teilnahme an dieser Visualisierungsstudie speziell für Patienten mit Hernienerkrankungen (z.B. Leistenbruch) und für Patienten die sich einer elektiven (zeitlich planbaren) kolorektalen Resektion (Entfernung von Darmabschnitten) oder einer Gallenblasenentfernung unterziehen müssen, im Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen  auf Wunsch anzubieten“, so Omlor.

Eigens für die Visualisierungsstudie wurde im Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen ein Studienteam aus der Chirurgischen Klinik I und Studierenden der Universität Duisburg-Essen gegründet. Um den Ängsten der Patienten effektiv vorzubeugen, werden die Patienten in einer einwöchigen Vorbereitung mit speziellen Entspannungsübungen und einem Atemtraining sowie genauer Erklärung der Operationsabläufe, zum Beispiel anhand von Bildern, intensiver auf ihre oftmals neue Situation vorbereitet. Nach erfolgter Operation erfolgt eine studienbegleitende Nachsorge von drei Wochen.

Informationen sind erhältlich über das Sekretariat der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäßchirurgie und Koloproktologie des Johanniter-Krankenhauses Rheinhausen (Chefarzt Dr. Alexander Meyer) unter Ruf: 02065/97-1201 oder Email: chirurgie1@johanniter-rheinhausen.de 

Das Team der Visualisierungsstudie bereitet die Patienten intensiver auf eine bevorstehende Operation vor und möchte den Ängsten der Patienten vorbeugen (v.l.n.r.): Mohamed Kanaan, Esra Cinel (Universität Duisburg-Essen), Oberarzt Prof. Dr. Georg Omlor, Fachärztin Claudia Anne Piesen und Oberarzt Sascha T. König (Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen).
Foto: S. Kalkmann