Die Abteilung

Die psychiatrische Abteilung in Geesthacht mit den Tageskliniken in Schwarzenbek und Mölln hat die Pflichtversorgung für alle psychisch Kranken aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg mit über 185.000 Einwohner übernommen. Behandelt werden über 1500 Patienten jährlich. 

Das Ziel ist eine gemeindeintegrierte psychiatrische Versorgung.  

Zuständigkeiten:

Station 11 ist für den südwestlichen Sektor des Kreises zuständig, insbesondere für Geesthacht, Wohltorf, Wentorf und Aumühle.  

Tagesklinik Schwarzenbek: vor allem für Menschen aus dem Südkreis 

Tagesklinik Mölln: für psychisch kranke Bürger aus dem Nordkreis (Mölln, Ratzeburg)
Psychosomatische Tagesklinik mit 19 Plätzen in Geesthacht.


Störungen und Diagnosen:

 

Auf der Abteilung werden Patienten aus dem gesamten Spektrum der Psychiatrie behandelt, also z.B. Patienten

 

  • mit schizophrenen Störungen,
  • affektiven Störungen
  • organischen
  • einschließlich symptomatischen psychischen Störungen,

 

aber auch Patienten  

  • mit Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen bzw.
  • neurotischen-, Belastungs- und somatoformen Störungen.

Die Patienten werden auf der Abteilung nach einem diagnostisch integrierten Konzept behandelt. Begründung:


Konzentriert man Menschen mit denselben Erkrankungen auf einer Station, verstärken sich leicht die typischen Züge und Symptome der Patienten zu einer allgemeinen Stimmungslage: Eine Station mit unruhigen und aggressiven Patienten wird noch unruhiger und gewaltsame Zwischenfälle häufen sich, auf einer Station mit depressiven Patienten wird die Stimmung nicht selten noch gedrückter und schwerer(Monokulturen). Erfahrungsgemäß ist die Stimmung auf einer Station mit Menschen unterschiedlicher Temperamente, unterschiedlichen kognitiven Stilen (von rational bis verwirrt) unterschiedlichen Stimmungslagen(von depressiv bis euphorisch) und unterschiedlichem Tempo (verlangsamt, antriebslos bis hin zu ständigem Tun und schnell wechselnden Ideen)  ausgeglichener, ruhiger, aber nicht ohne Anregung. Die Stimmungen der unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Diagnosen, relativieren sich gegenseitig. Dadurch bleibt die Atmosphäre erträglich und Heilungsprozesse stellen sich eher ein und gewinnen schneller die Oberhand. Überall auf psychiatrischen Abteilungen, in denen ähnlich vorgegangen wird, lassen sich die Stationstüren öffnen, was zusätzlich die emotionale "Großwetterlage" verbessert (Herne, Merzig, Lauterbach, Neuenkirchen, Heide, Bad Driburg, etc.).
 

Während auf den jeweiligen Stationen allgemeintherapeutische Aspekte (am Alltag orientiert) im Vordergrund stehen wie

 

  • Diagnostik, Differentialdiagnostik,
  • psychotherapeutische Einzelgespräche,
  • handlungsorientierte Therapieverfahren einschließlich
  • Verhaltenstherapie
  • Paar- und Familiengespräche,
  • Pharmakotherapie,
  • somatische Diagnostik und Behandlung,
  • Aktivitäten des täglichen Lebens, etc.

 

werden überstationär spezielle therapeutische Verfahren angeboten, wie

 

  • Motivationsgruppen und
  • Orientierungsgruppen für abhängige Patienten,
  • psychotherapeutisch orientierte Gruppen (Gesprächsgruppe,   Familienstellen, psychoedukative Elemente)
  • eine Gruppe für Psychose-Erfahrene (psychotherapeutisch bis   psychoedukativ),
  • Angehörigengruppe,
  • Psychoseseminare,

 

aber auch

 

  • Ergotherapie (Atelier, Arbeitstherapie)
  • Musiktherapie


und

 

  • körperbezogene Therapieformen wie

Bewegungstherapie,                                                                                     
Entspannungstraining und  
Krankengymnastik einschließlich
physikalische Therapieformen

Dadurch werden die Vorteile spezieller therapeutischer Techniken gewahrt. Die Gruppen werden zum überwiegenden Teil sowohl von stationären wie von ambulanten Patienten nach der Entlassung genutzt.

Natürlich stehen psychisch kranken Patienten auch alle üblichen diagnostischen und therapeutischen Verfahren zur Verfügung wie:

 

  • Labor
  • Röntgenabteilung
  • Computertomographie einschließlich Kernspintomographie
  • EKG
  • Dopplersonographie
  • Oberbauchsonographie
  • konsiliarische somatische Diagnostik und Therapie

 

Einzigartig in Deutschland ist die

Küchentherapie, die nach dem Vorbild von Soterias oder Cantous (Frankreich) auf den Stationen integriert wurde. Zusammen mit den Patienten wird täglich eingekauft und gekocht. Es geht aber nicht allein ums Einkaufen und Kochen, sondern um therapeutische Wirksamkeit im Kontext einer tätigen Gemeinschaft. Davon profitieren insbesondere sowohl schwer gestörte psychotische Patienten als auch Demenzkranke.  

 

Nach eingehender Diagnostik unter Berücksichtigung der jeweiligen Ressourcen  wird der individuell aufgestellte Therapieplan über ein Bezugspersonensystem umgesetzt, dessen Inhalte und Ziele in einem ständigen Prozeß sowohl im jeweiligen Stationsteam reflektiert werden, als auch durch eine externe Supervision (Übertragung und Gegenübertragungsaspekte).


Fließende Übergänge: 

Der Übergang vom ambulanten in den stationären Bereich und umgekehrt wird fließend gestaltet (integrierte Institutsambulanz).
Zum Konzept gehört deshalb, daß Patienten ambulant von der während des stationären Aufenthaltes begleitenden Bezugsperson (Arzt, Psychologin, Pflegekraft, Ergotherapeut) weiterbehandelt werden, wenn sie zur Gruppe der schwerst erkrankten Patienten gehören, wenn also ihre Symptomatik einen chronischen Verlauf nimmt und sie besonders störanfällig, vulnerabel oder ängstlich sind und unter dem Abbruch entstandener vertrauensvoller therapeutischer Beziehungen besonders leiden würden, einhergehend mit einer Verschlechterung ihrer Symptomatik (integrierte Institutsambulanz).
Dies wird dadurch möglich, weil jeder Patient von der Station entlassen wird, auf der er auch in der Regel aufgenommen wurde (durchgehende kontinuierliche Behandlung unter Wahrung entstandener vertrauensvoller therapeutischer Beziehungen). Bei diesem Patientenkreis versteht es sich, daß ambulante Tätigkeit zwangsläufig auch aufsuchend sein muß.

Wenn der stationäre Aufenthalt durch weitere tagesklinische Behandlung abgekürzt werden kann und eine Verlegung in die Tagesklinik nach Schwarzenbek oder Mölln nicht indiziert ist, werden Patienten auch teilstationär von der Abteilung aus weiterbehandelt.

 

Kooperation: 

Wir arbeiten mit allen im Kreis in der psychiatrischen Versorgung Tätigen und den entsprechende Institutionen zusammen, vor allem auch mit den Hausärzten und Fachärzten.

Schon während der stationären und teilstationären Behandlung nimmt der Patient Kontakt auf zu den entsprechenden therapeutischen Angeboten wie zum Beispiel,

 

  • der Alkohol- und Drogenberatungsstelle des Kreises,
  • dem Fachdienst Arbeit
  • begleitenden Vereinen wie der Anker, die Brücke oder das Viktor Frankl Haus, der Werkstatt für behinderten Menschen, dem Verein
  • Arbeit nach Maß oder den Ergotherapiepraxen und den Pflegediensten, usw.
  • den Selbsthilfegruppen
  • dem Sozialpsychiatrischen Dienst 

Psychiatrische Institutsambulanz

Innerhalb der Institutsambulanz wurde eine Suchtambulanz, insbesondere für Drogenabhängige und eine aufsuchende gerontopsychiatrische Ambulanz aufgebaut.


Subjektorientierung

Insgesamt soll durch das oben geschilderte Vorgehen erreicht werden, daß Behandlungspläne an die Bedürfnisse und Wünsche der Patienten aus deren Alltag und Lebenswelt heraus angepasst werden (Subjektorientierung) und nicht gerade von schwer gestörten Patienten ein nicht zu bewältigender Anpassungsprozeß abverlangt wird.


Gemeindepsychiatrische Zentren:

Damit kein Drehtüreffekt entsteht wurde von der Abteilung und den Tageskliniken aus ein flächendeckend haltendes Netz von Zuverdienstmöglichkeiten als Arbeits- und Beschäftigungstherapie im Kontext von gemeindepsychiatrischen Zentren dezentral über den Kreis verteilt angeregt bzw. aufgebaut.

Geesthacht: 

  • Seifenblase
  • Sparstrumpf
  • Heinrichshof
  • Galerie-Cafe      

Lauenburg:

  • Möbel-Cafe 

Lütau:

  • Ökologischer Hof 

Schwarzenbek:

  • Clubhaus 

Mölln:

  • Cafe "Lebenswelt"
  • Design-Laden der Praxis Kahrs
  • Atelier und Arbeitstherapie
  • der Ergotherapiepraxis Sturm

 

In diesem Netz, das sowohl flexibel wie zuverlässig sein muss und ist, werden über 150 Patienten überwiegend ergotherapeutisch begleitet koordiniert über unsere Institutsambulanz.

Ergebnis:

Vom Ergebnis dieses Vorgehens profitieren alle:
Die Stationen sind trotz Pflichtversorgung und extrem niedriger Bettenmeßziffer (0,27) offen und gewaltarm mit einer durchschnittliche Verweildauer von 15 Tagen.
Trotz der niedrigen Bettenmessziffer und der geringen Verweildauer ist es nachweislich nicht zu Mehraufnahmen gekommen.

Chefärztin Christine Hilper

Am Runden Berge 3
21502 Geesthacht