Archäologen auf dem Baugelände des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal

Stendal , 01. März 2017

2000 Jahre alte Fundstücke werden gesichert

Bevor im Frühsommer der Grundstein für den Erweiterungsbau des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal gelegt wird, sichern Archäologen auf dem Baugelände mehr als 2000 Jahre alte Fundstücke. Matthias Lindemann, Diana Dahlke und Torsten Herm arbeiten unter Hochdruck, soll doch ihre Aufgabe bis Ende März abgeschlossen sein.

Ende vergangenen Jahres musste der letzte Krankenhaus-Altbau aus dem 19. Jahrhundert weichen, um dem modernen Fünfgeschosser Platz zu machen. Die Brachfläche ist nun vorübergehend in Hand der Archäologen. Grabungsleiter Matthias Lindemann verweist auf die vielen Stellen, die auf der Fläche mit schwarzen Planen abgedeckt wurden. „Damit schützen wir dort ausgemachte Fundstellen“, erklärt er.

Noch bevor an eine Siedlung Stendal zu denken war, befand sich an der jetzigen Grabungsstelle ein Urnengräberfeld. Die Menschen aus der Umgebung beerdigten hier ihre Verstorbenen. Die Fundstücke, etwa Scherben der Urnengefäße und menschliche Knochenreste stammen aus später Bronzezeit, vorrömischer Eisenzeit und römischer Kaiserzeit. „Von den meisten Gefäßen sind lediglich Scherben übrig, die wir bergen und für das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie archivieren“, so Lindemann. Auch ein voll erhaltenes Gefäß war während der bisherigen Ausgrabungen darunter. „Solche Fundstücke sind aber nicht einfach zu bergen. Aus der Erde herausgehoben, würden sie zerfallen“, erklärt der Archäologe. Deshalb werde die Schale eingegipst, um sie später zu röntgen bzw. unter günstigen Bedingungen zu untersuchen.

Die Knochenreste, die die Archäologen ohne Umhüllung finden, stammen von Toten, die vermutlich nicht in Keramik, sondern in hölzernen Behältnissen oder im Lederbeutel, die über die Jahrhunderte zerfielen, bestattet wurden. Anzunehmen sei, dass es bereits in frühester Zeit eine Sozialhierarchie in der Bestattung gegeben habe. Geschmolzene Schmuckbeilagen würden sich im Übrigen auch finden lassen.

Bei Wind und Wetter, bei Frost und Regen fahnden die Archäologen nach den wertvollen Zeugnissen vergangener Zeit. „Die Bauleute im 19. Jahrhundert hatten noch nicht das technische Gerät, um bei tiefen Ausbaggerungen archäologisch Wertvolles unwiederbringlich zu zerstören. Das ist unser Glück“, so Lindemann.

Überreste eines Menschen, gestorben vor 2000 Jahren.

Grabungsleiter Matthias Lindemann mit einigen Fundstücken.

Knochenarbeit Archäologie: Diana Dahlke und Torsten Herm sichern Bodenschichten und Fundstücke. Fotos: Klupsch