Doppeljubiläum im Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal

Stendal , 24. Oktober 2016

Ein stolzes Werk der Johanniter

Bei einem Festakt feierte das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal gleich zwei Jubiläen Vor 25 Jahren – am 1. März 1991 – wurde das Krankenhaus vom Diakonischen Werk an die Provinzial-Sächsische Genossenschaft des Johanniter-Ordens zurück übergeben. Vor 70 Jahren – am 1. Oktober 1946 – kamen die Diakonissen aus dem schlesischen Kraschnitz in Stendal an und nahmen hier im Krankenhaus ihre Arbeit auf.

Kurator Curt von Goßler begrüßte über 150 Gäste im Mutterhaussaal des Krankenhauses – darunter Landrat Carsten Wulfänger und Oberbürgermeister Klaus Schmotz, ehemalige Geschäftsführer und Chefärzte, Kommendatoren und Altkommendatoren des Ordens, die Grünen Damen sowie jetzige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Über eine lange Zeit und unter schwierigen Bedingungen sei das Haus im Geiste der Johanniter weiter geführt worden, lobte Curt von Goßler das Engagement der Akteure in DDR-Zeiten und in den turbulenten 90-er Jahren. Dank gelte den Menschen, die in diesem Krankenhaus viel bewegt hätten. Es sei heute ein „stolzes Werk der Johanniter“. 

Die Geschichte des Johanniter-Krankenhauses ist eng verwoben mit dem segensreichen Wirken der Diakonissen. „Mit der Ankunft hier in Stendal setzten sie ihren Dienst am Menschen fort - ohne zu fragen und zu klagen, ohne Bitterkeit über erlittene Verluste und Fluchterfahrungen“, so Pfarrer Ulrich Paulsen. Im Januar 1945 mussten die Diakonissen aus Kraschnitz bei Breslau, dem Sitz des Adelberdt-Diakonisssen-Mutterhauses, fliehen. Über Dresden und Halle kamen rund 70 von ihnen nach Stendal und übernahmen ab 1. Oktober 1946 wertvolle Dienste im Krankenhaus – von der Küche bis zur Pflegeleitung, von der Reinigung bis zur OP-Assistenz. „Diakonissen waren früh und spät im Einsatz, hatten manchmal dazwischen eine Mittagspause“, blickt Pfarrer Paulsen in die Geschichte. Sie wohnten in Enge, schliefen in Doppelstockbetten zu mehreren in einem Zimmer, lebten ihr Leben in aller Bescheidenheit und im Dienste anderer. „Ihr Wirken hat das Krankenhaus am Leben gehalten, es durch viele Jahrzehnte geführt“, so Pfarrer Paulsen.

Die Gemeinschaft der Diakonissen wurde altersbedingt kleiner und kleiner. Anfang der 90-erJahre endete ihre aktive Tätigkeit im Krankenhaus. Noch vier von ihnen – inzwischen alle älter als 80 Jahre - saßen beim Festakt in der ersten Reihe. Schwester Ursel, Schwester Hertha, Schwester Elfriede und Schwester Hildegard freuten sich über Blumen und dankende Worte. In Gesprächen zuvor hatten sie in ihrer Bescheidenheit betont, doch nur ihre Arbeit gemacht zu haben. Andere hätten es viel schwerer gehabt, mussten etwa für Wurst und Brot Schlange stehen. „Sie vier leben bis heute ein Zeugnis von Glaube, Liebe und Hoffnung, geben ein eindrucksvolles Zeichen gelebter Nächstenliebe“, so Pfarrer Paulsen an die Diakonissen gewandt. Dieser lange Atem der Hoffnung habe auch dazu geführt, dass das Johanniter-Krankenhaus Stendal entsprechend seinem Namen nach der Wende wieder in die Hände des Johanniter-Ordens zurückgeführt werden konnte.

Das Rückführungs-Jubiläum würdigte Kommendator Ulrich von Bismarck. Sein Blick in die Geschichte: Seit 1861 hat der Johanniter-Orden die Verantwortung für das Haus getragen. Die Folgen des letzten Krieges, von Vertreibung, Bodenreform und DDR-Gründung machten das Führen des Krankenhauses schwierig, denn es war von den politischen Machthabern eher geduldet als erwünscht. Der Kontakt in den Westen riss nie ab, die Anschaffung notwendiger medizinischer Geräte, von Wärmflaschen über Wasserhähnen bis hin zu Einwegspritzen und Rollstühlen konnte oftmals nur auf diese Weise realisiert werden. 1985 drohte gar die Enteignung, weshalb die Johanniter das Haus an das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche übertrugen. Doch die Verabredung galt: Sobald sich die politischen Verhältnisse ändern würden, geht das Krankenhaus zurück an den Orden. Dass dies schon vier Jahre später eintreten würde und die Rückübertragung vor 25 Jahren vonstatten gehen konnte, habe damals niemand ahnen können.

Ulrich von Bismarck würdigte das Engagement der Folgejahre unter Geschäftsführer Eckhard Stern und Chefarzt Dr. Wilfried Wollenberg. Das zu DDR-Zeiten erlangte hohe Ansehen wurde weiter gefestigt, die medizinische Ausstattung erneuert, die Krankenpflegeschule angesiedelt, die Frauen- und Kinderklinik und das Krankenhaus Tangermünde integriert, mit dem Krankenhaus Genthin der Zusammenschluss vollzogen, Neubauten realisiert. „25 Jahre Verantwortung sind ein Grund zu feiern und allen zu danken, die hier Dienst geleistet haben“, so Ulrich von Bismarck. 

Geschäftsführer Franz Caesar gab einen Ausblick auf das Kommende. „Wir sind der Schwerpunktversorger der Region und wollen das auch bleiben“, sagte er. „Der letzte Bauabschnitt eines modernen Krankenhauskomplexes läuft, bereits ab Frühjahr entsteht ein weiteres fünfgeschossiges Gebäude mit viel Platz für Ambulanzen und Wachstation, für die Kinder- und Frauenklinik und für das Zentrum Innere Medizin. Die Zukunft des Hauses soll für lange Jahre gesichert sein.“ 

Pfarrer Ulrich Paulsen (oben links) und Curt von Goßler mit den Diakonissen (von links) Schwester Ursel, Schwester Herta, Schwester Elfriede und Schwester Hildegard. Foto: C. Klupsch

Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal
Claudia Klupsch
Öffentlichkeitsarbeit
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