Große Resonanz beim Patientenforum „Inkontinenz – Ein drängendes Problem“

Kalbe/Milde, 22. Juni 2016

Inkontinenz in 80 Prozent der Fälle heilbar

Die Experten: Dr. Daniel Bocinec (von links), Annette von Lengen, Dr. Larissa Neumann, Dr. Beate Koberstein und Dr. Alexander Albrecht. Foto: C. Klupsch

Große Resonanz war beim Patientenforum „Inkontinenz - Ein drängendes Problem“ des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal zu verzeichnen. Ein Ärzteteam hatte zu Vorträgen rund um das Thema Harn-/Stuhlinkontinenz in die Median Klinik nach Kalbe/Milde eingeladen. Ihren Ausführungen lauschten rund 80 Besucher.

Zwischen sechs und acht Millionen Menschen in Deutschland leben mit Kontinenzstörungen. Symptome können unabhängig vom Alter bei Frauen und Männern auftreten. Leider ist noch nicht bekannt genug, dass Inkontinenz gut behandelbar ist. Deshalb initiiert die Internationale Kontinenz Gesellschaft die „Weltkontinenzwoche“, an der sich die Deutsche Kontinenz Gesellschaft beteiligt. Während dieser Aktionswoche werden in ganz Deutschland Aufklärungsveranstaltungen für Patienten angeboten. Auf dem Patientenforum des Johanniter-Krankenhauses beleuchteten Experten des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums die medizinischen Aspekte von Harn-/Stuhlinkontinenz und stellten Behandlungsmöglichkeiten vor.

Dr. Beate Koberstein stellte heraus, das jede dritte Frau in Deutschland von Inkontinenz betroffen sei. „Doch 80 Prozent der Fälle sind heilbar.“ Die Ärztin verwies auf verschiedene Behandlungsmethoden – von medikamentösen Möglichkeiten über Elektrostimulation bis hin zu operativen Eingriffen. „Unser Ziel ist, die Lebensqualität zu erhalten bzw. zu verbessern“, so Dr. Koberstein.

Dr. Alexander Albrecht informierte über Harninkontinenz beim Mann, deren Ursache zumeist auf eine Prostataerkrankung zurückzuführen ist. Auch hier seien die Operationsverfahren vielversprechend. Es  besteht zum Beispiel die Möglichkeit eines Eingriffs, bei dem eine Schlinge oder ein Band unter die Harnröhre gelegt wird. Der Urologe wendet seit Anfang des Jahres auch eine neue minimal-invasive Methode zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung an. Mit dem „Rezum“-System werden kontrollierte Mengen von sterilem Wasserdampf gezielt an das zu behandelnde Prostatagewebe geführt, wodurch ein besonders schonender Gewebeabtrag ermöglicht wird.

Physiotherapeutin Annette van Lengen gab Einblicke in physiotherapeutische Ansätze der Inkontinenzbehandlung. So führte sie aus, wie gut zum Beispiel der Beckenboden sowohl im Sitzen auch im Stehen zu trainieren ist und wie man beckenbodenschonend durch den Alltag kommt. Die Beckenbodenmuskulatur lässt sich mit gezielten physiotherapeutischen Übungen trainieren wie die Muskeln von Arme, Beine und Bauch.

Über das Einnässen beim Kind referierte Oberärztin Larissa Neumann. Einnässen ist bei Kindern die zweithäufigste Erkrankung nach Allergien. Die Ursachen sind verschieden, sind aber häufig psychologischer Natur. Auch hier gibt es gute Behandlungsansätze, von der Verhaltenstherapie (Blasentraining) über Alarmsysteme (Weckapparate) bis hin zu Medikamenten (Anticholinergika).

Über das operative Einsetzen von Schrittmachern für Blase und Darm berichtete Dr. Daniel Bocinec. Die Methode nutzt schwache und niederfrequente elektrische Impulse, um die sakralen Nerven und auch Kontrollzentren im Gehirn zu modulieren. Dies geschieht über dünne Elektrode, die durch natürliche Öffnung im Kreuzbein am Nervengeflecht des Beckenbodens platziert wird. Der Impulsgeber ist der Beckenbodenschrittmacher, der ähnlich wie ein Herzschrittmacher unter die Haut implantiert wird.

Den Vorträgen schloss sich ein gemeinsames Kaffeetrinken an, bei dem Betroffene in persönlichen Gesprächen mit den Referenten ihre Fragen stellen konnten.