Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie beteiligt sich an Landesstudie

Stendal, 12. April 2016

Ziel: Gründe für mangelnde Akzeptanz der Darmkrebsvorsorge erfahren

Chefarzt Prof. Jörg Fahlke

Die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal beteiligt sich an einem Landesforschungsprojekt zum demografischen Wandel mit dem Teilbereich „Darmkrebsvor- und -nachsorge im ländlichen Bereich“. In das Vorhaben sind auch niedergelassene Ärzte einbezogen.

Nur 18 Prozent der Krankenversicherten in Deutschland, die einen Anspruch auf Vorsorgeuntersuchen haben (das sind Männer und Frauen ab 55 Jahren), nutzen diese Angebote. „Darmkrebs ist zu 100 Prozent vermeidbar“, so Chefarzt Prof. Jörg Fahlke. Doch dazu sei Vorsorge dringend notwendig. „Mehr als 80 Prozent der Vorsorgeberechtigten riskieren, an Darmkrebs zu erkranken. Wir wollen mit Hilfe der Studie Gründe für die mangelnde Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchung erfahren.“

Die Stendaler Mediziner beteiligten sich mit dem Teilbereich „Darmkrebsvor- und -nachsorge im ländlichen Bereich“ an dem vom Land Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebenen Forschungsprojekt „Demographischer Wandel und Alterung im ländlichen Raum“. Das Projekt wird begleitet durch das am Universitätsklinikum „Otto-von-Guericke“ Magdeburg angebundene „An-Institut für Qualitätssicherung in der operativen Medizin“, und „EMERITO“, ein im Jahre 2013 gegründetes Kollegium von Professoren verschiedener Fachrichtungen.

Oberarzt Kai-Stephan Friedrichs

“In einem Flächenland wie der Altmark könnte die schlechte Erreichbarkeit zu Praxen, die Darmspiegelungen durchführen, ein Grund sein. Auch die Angst vor Tumorerkrankungen ist in Erwägung zu ziehen“, so Oberarzt Kai Stephan Friedrichs. Seit Januar 2016 ermitteln die Stendaler Ärzte nun Vorsorgeverhalten von Patienten mittels Fragebögen. Zum einen wird die Gruppe erkrankter Patienten erfasst, die im Darmkrebszentrum am Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal behandelt werden. Um zum anderen auch Patienten, bei denen die Entstehung einer Darmkrebserkrankung durch eine Vorsorgekoloskopie (Darmspiegelung) verhindert werden konnte, mit in das Forschungsprojekt einzubeziehen, wird dieses Teilprojekt in Zusammenarbeit mit der gastroenterologischen Praxis von Dr. Manfred Urban in Stendal und der Gemeinschaftspraxis von Dr. Jörg Schulze, Dr. Michael Schwerdtfeger und Dr. Andrei Lehmann in Jerichow erfolgen. Das Projekt ist für ein Jahr angelegt.

Darmkrebs entsteht aus harmlosen Polypen, die bei einer Darmspiegelung erkannt werden können. „Je früher die Bekämpfung der Polypen, um so vermeidbarer ist die Krebserkrankung“, betont Prof. Fahlke. Konsequenzen aus den möglichen Ergebnissen der Studie könnten laut Oberarzt Friedrichs sein, dass zum Beispiel ein Arztmobil über Land fahren würde und Darmkrebsvorsorge vor Ort angeboten werde.